Splitter aus Hannover

Sonderreglungen für Agrarpolitiker

+
Peter Mlodoch, Korrespondent in Hannover.

Unser Korrespondent in Hannover, Peter Mlodoch, hat wieder genau hingeschaut und zugehört. Ergebnis: die Splitter aus der Landeshauptstadt.

Der Ort ist eigentlich nur als Autobahnabfahrt in Staumeldungen bekannt: Dinklage nördlich von Osnabrück direkt an der A 1 auf dem Weg nach Bremen. In das Städtchen hatte sich Niedersachsens SPD/CDU-Regierung für zwei Tage zur Klausur zurückgezogen. Weil dieses Dinklage von Hannover nur mühselig zu erreichen ist, bot die Staatskanzlei für die Medien einen besonderen Service an: Sie übertrug die abschließende Pressekonferenz per Live-Stream über das Sozialnetzwerk Youtube. Technisch klappte das problemlos; nur die verkündeten Ergebnisse fielen doch relativ mager aus. Das Pfiffigste war noch das Schlusswort von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): „Schönen Gruß an die angeschlossenen Funkhäuser.“

Vor der Kabinetts-Klausur in Dinklage war Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann in seiner Eigenschaft als CDU-Präsidiumsmitglied schon am Wochenende auf der Führungsklausur seiner Bundespartei gefordert. Beim gemütlichen Abend in Potsdam setzte sich plötzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel an den Tisch der Niedersachsen zwischen Althusmann und Ex-Ministerpräsident David McAllister. Mehr als zwei Stunden blieb die Regierungschefin dort, wo sie offenbar – völlig zu Recht – ihre wahren Parteifreunde vermutete. „Die anderen sind schon ganz nervös geworden“, freute sich einer der Niedersachsen über so viel Ehre. Um schnöde Politik ging es bei den Gesprächen aber weniger: Hauptthema war Helene Fischer und ihre Trennung von Florian Silbereisen. Merkel und Althusmann sind schließlich bekennende Fans der Schlagersängerin.

Der berühmt-berüchtigte Niedersachsen-Abend auf der Grünen Woche in Berlin gilt wegen seines üppigen Angebots an Speis und vor allem Trank für die Agrar-Politiker des Landes als absolutes Muss. Dafür doktert der Ältestenrat des Parlaments sogar an der Tagesordnung rum: Die Debatten enden am nächsten Mittwoch ausnahmsweise bereits um 17.15 Uhr, um eine rechtzeitige Ankunft in Berlin zu gewährleisten. Am nächsten Morgen geht es im Landtag zu Hannover zwar pünktlich um 9 Uhr weiter, jedoch aus Rücksicht auf mögliche Nachwehen bei potenziellen Rednern zunächst ohne die Themen Landwirtschaft und Ernährung.

Zum üblichen Pressetermin der CDU-Fraktion vor der Landtagswoche fehlte ausgerechnet der Vorsitzende Dirk Toepffer. Alle Fragen nach dem Verbleib des Chefs wimmelte sein Sprecherteam so beharrlich ab, dass bereits Scherze über einen parteiinternen Putsch die Runde machten. Vielleicht lag die Geheimniskrämerei daran, dass Toepffers angeblich „rein private Termin“ durchaus eine gewisse politische Brisanz entwickeln könnte: Der Rechtsanwalt hatte in den vergangenen Tagen einen Kompaktkurs für den Jagdschein absolviert und musste am Freitag zum ersten Teil der Prüfung seiner Schießkünste und Wildkenntnisse antreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.