Splitter aus Hannover

Ein Kumpeltyp, ein kommunistisches Känguru und die Frage nach dem Vibrator

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Ist sein Känguru eine Gefahr für die Demokratie? Bestsellerautor Marc-Uwe Kling.

Hannover – Unser Korrespondent in Hannover, Peter Mlodoch, hat wieder genau hingeschaut und zugehört. Ergebnis: die Splitter aus der Landeshauptstadt.

Der Kumpel-Minister

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler gilt wegen seiner unaufgeregten Art als Kumpeltyp. Wie schon in seiner Zeit als Chef der CDU-Landtagsfraktion (2010 bis 2017) lächelt er Konflikte lieber weg, als auf den Putz zu hauen. Nun darf sich Thümler auch ganz offiziell mit dem Titel „Kumpel-Minister“ schmücken. Bei seinem Besuch im Goslarer Rammelsberg bekam er für die Grubenfahrt einen gelben Helm mit dieser Aufschrift verpasst. Die Verantwortlichen der Weltkulturstätte und die zuständigen Lokalpolitiker verbanden das Präsent mit der dringlichen Bitte an die Landesregierung, für eine dauerhafte und ausreichende finanzielle Förderung der alten Bergwerksanlage zu sorgen. Ihm müsse man dies nicht sagen, betonte Thümler. „Wir müssen den Finanzminister überzeugen.“

Die Daten-Ministerin

Auf dieses Glatteis mochte sich Niedersachsens Verbraucherschutzministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) nicht begeben. In einer etwas pikanten Landtagsanfrage hatte der Grünen-Abgeordnete Dragos Panescu wissen wollen, wie die Landesregierung den Datenschutz im „Internet der Dinge“ zu gewährleisten denke. Darunter versteht man smarte, vernetzte Geräte, die sich per App steuern lassen: Rolläden, Heizungen, Kaffeemaschinen und Sexspielzeuge wie Vibratoren. Die gespeicherten Daten ließen sich leicht von Hackern auslesen, sorgte sich Pancescu. In ihrer Antwort verwies Otte-Kinast auf die Eigenverantwortung der Nutzer, die Aufklärung der Verbraucherzentrale, die Präventionsmaßnahmen der Polizei und die Cyber-Sicherheits-Initiativen von SPD-Innenminister Boris Pistorius. Die Worte Sex und Vibrator ließ die Ministerin dabei aber außen vor.

Gefährliches Känguru

Ebenfalls auf Grünen-Anfrage erreichen nun auch die beliebten „Känguru Chroniken“ des Berliner Autor Marc-Uwe Kling die hohe Landespolitik. Im vergangenen Juni hatte die Polizei bei einer Razzia in Göttingen gegen einen vermeintlichen G-20-Protestierer ein Hörbuch mit sechs CDs der skurillen Geschichten beschlagnahmt. Die Vorwürfe gegen den 28-jährigen Studenten erwiesen sich als falsch, das Verfahren wurde eingestellt. Jetzt aber will die Grünen-Abgeordnete Julia Hamburg wissen, ob denn die SPD/CDU-Landesregierung glaube, dass von den kommunistischen Kängurus eine Gefahr ausginge („Bitte unter Nennung exemplarischer Textpassagen“) und man vielleicht sogar den Verfassungsschutz einschalten müsse.

Frischauf gegen Nato

Er hatte einen Tag vorher Geburtstag; und für die 70 Jahre der Nato fehlt ihm ein Jahr. Für den umtriebigen Linken-Bundestagsabgeordneten Diether Dehmwar das aber Nähe genug, um der nordatlantischen Verteidigungsallianz Glückwünsche der ganz speziellen Art zu schicken. „Liebe Nato!“, begann Niedersachsens früherer Parteichef und Spitzenkandidat seinen offenen Brief, in dem er dann dem Militärbündnis aus linker Sicht all die Missetaten wie Balkankrieg, Bomben auf Libyen und Beteiligung an so manchen Putsch vorhielt. Er werde auch „in höherem biologischen Alter frischauf“ gegen die Nato mobilisieren, kündigte Dehm munter an: „Ich will Frieden und darum auch gar nicht unbedingt Frieden mit Dir machen.“

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