Splitter aus Hannover: Frühstücksbote Schröder und Supersozi

Göttingen/Hannover. Unser Korrespondent in Hannover, Peter Mlodoch, hat wieder genau hingeschaut und zugehört. Ergebnis: die Splitter aus der Landeshauptstadt.

Balsam für Schröder

Das war so richtig nach seinem Geschmack: Als Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) den provisorischen Plenarsaal des Niedersächsischen Landtags betrat, brandete Beifall auf. „So muss es sein: Wenn ich reinkomme, gibt es Applaus“, freute sich Schröder. Dass er gar nicht gemeint war, sondern die CDU-Fraktion damit einen ihrer Redner bedachte, konnte das breite Lächeln des braun gebrannten 72-Jährigen nicht stoppen. Sinn seines Besuchs im Parlament waren aber auch nicht hochpolitische Statements. Schröder brachte – wie schon öfter – seiner Frau, der SPD-Abgeordneten Doris Schröder-Köpf, ihr Frühstück vorbei.

VW-Millionen-Boni

Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) schien plötzlich zum VW-Markenvorstand aufgestiegen zu sein. Mit diesem neuen Job tauchte er jedenfalls für kurze Zeit im vorläufigen Protokoll des Landtags auf – offenbar hatten sich die Stenografen in den hitzigen Diskussionen um den Abgas-Skandal verhört. Der wahre Wolfsburger Automanager heißt nämlich Herbert Diess. Dennoch konnte sich Lies-Vorgänger Jörg Bode (FDP) nicht verkneifen, dem Minister zur neuen Aufgabe und den damit verbundenen Millionen-Gehältern zu gratulieren.

Genervter Redner

Knapp an einem Rauswurf aus dem Hohen Haus rauschte FDP-Parlamentarier Gero Hocker vorbei. Bei seinem Beitrag zum Hochwasserschutz fühlte sich der Umweltexperte durch Redegeräusche gestört. Die kamen aber nicht aus den Abgeordnetenreihen. Vielmehr tuschelte hinter ihm Landtags-Vizepräsident Karl-Heinz Klare (CDU) mit den beiden Schriftführern. Hocker drehte sich um und bat um mehr Ruhe. „Ich kann hier mein eigenes Wort nicht verstehen.“ Klare folgte brav und entschuldigte sich später auch noch. Dabei hätte er durchaus Ordnungsmaßnahmen gegen Hocker verhängen können: Kritik am Präsidium ist während einer laufenden Debatte streng untersagt.

Mega-Moderne SPD

Die Niedersachsen-SPD gab sich mega-modern. Auf ihrem Landesparteitag in Braunschweig durften die Genossen erstmals elektronisch ihre Führungsspitze wählen. Dazu bekam jeder Delegierte einen Mini-Computer mit individuellem Pass-Wort, drahtlos sendete das Gerät die Voten zur Zählkommission, die damit erhebliche Zeit sparen konnte. Damit auch alles klappte, gab es zuvor einen Probedurchlauf: Dabei stand der fiktive Kandidat „Super-Sozi“ zur Wahl. Zwar bekam der erwartungsgemäß die Mehrheit, aber auch rund zwei Dutzend Nein-Stimmen. „So sind wir Sozialdemokraten eben“, stöhnte ein Delegierter aus Hannover. „Immer müssen einige Leute quer schießen.“

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