Splitter aus der Landeshauptstadt

SPD-Chef Weil guckt kariert: Wechselt CDU-Fraktionsvizechefin Wulf die Seiten?

Unser Korrespondent Peter Mlodoch aus Hannover hat in dieser Woche wieder die Themen am Rande des politischen Alltags in der Landeshauptstadt aufgeschnappt.

Etwas kariert blickte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) drein. Zu seinem vertraulichen Hintergrundgespräch mit der Landespressekonferenz in einer Gaststätte in Hannover erschien auch CDU-Fraktionsvizechefin Mareike Wulf. Wollte die etwa ihren Koalitionspartner aushorchen? Die Abgeordnete wies diesen Verdacht natürlich umgehend zurück: „Ich habe doch eine Einladung erhalten.“ Aber das sei wohl ein Versehen gewesen; daher werde sie auch gleich wieder verschwinden. „Ach“, seufzte Weil daraufhin lächelnd. „Sie können hier jetzt gern in die SPD eintreten; dann dürfen Sie auch bleiben.“

Von den Kühen zur Kultur: Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) musste im Landtag die Kommunalen Theater wegen der versprochenen, aber noch nicht in den Haushalt eingestellten höheren Zuschüsse vertrösten. Der eigentlich zuständige Ressortchef Björn Thümler (CDU) weilte entschuldigt in Oldenburg, wo er den Besuch des Wissenschaftsrats bei der European Medical School begleitete. Laut Geschäftsverteilungsplan der Regierung vertreten die beiden Minister sich bei Abwesenheit gegenseitig. Otto-Kinast schlug sich im neuen Job nicht nur ganz tapfer, sie fand offensichtlich sogar richtig Gefallen daran: „Ich kann ja künftig aus jedem leerstehenden Schweinestall ein Museum machen.“

Eigentlich gelten Niedersachsens Grüne durchaus als Amerika-kritisch. Jetzt aber nimmt die Partei unverhohlen eine Anleihe in den USA. Bei der geplanten Satzungsreform der Neuen-Quote für Abgeordnete orientieren sich die Grünen am 22. Zusatzartikel der US-Verfassung. Dieser regelt, wie oft ein während der laufenden Wahlperiode zum Präsidenten aufgestiegener Vizepräsident später noch mal für den allerhöchsten Posten kandidieren darf: zweimal, wenn beim Wechsel die Amtszeit noch nicht zur Hälfte rum ist, danach nur noch einmal. Ähnlich wollen es die Grünen machen: Wer weniger als die Hälfte einer Legislaturperiode im Parlament gesessen hat, gilt noch als Neuer, darf also auf den für Novizen reservierten Plätzen kandidieren. „Ich begrüße ausdrücklich, dass wir uns hier an die amerikanische Verfassung halten“ erklärte der Abgeordnete und Jurist Helge Limburg. „Auch wenn ich von der gegenwärtigen US-Politik nicht viel halte.“

Sehnsüchtig wartet FDP-Fraktionsvize Jörg Bode auf ein großes Paket. Niedersachsens ehemaliger Wirtschaftsminister hat sich einen Crosstrainer bestellt, um zu Hause etwas mehr für seine Figur tun zu können. Doch nun der Schock: Als Datum für die Anlieferung teilte ihm der Zustelldienst den „1.1. 1970“ mit. „Was soll ich denn nun mit dieser Info anfangen“, fragte sich Bode leicht genervt. „Schon damals hättest du mal mit dem Training anfangen sollen“, lästerte prompt sein liberaler Fraktionskollege Marco Genthe. „Dann sähest Du heute besser aus.“ Das passte allerdings auch nicht so richtig. Anfang 1970 war Bode nämlich noch gar nicht geboren.

Rubriklistenbild: © Pries

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