Helden, die nicht im Flutlicht stehen

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Beim Göttinger Literaturherbst: Fußball-Autor Ronald Reng kommt mit Christoph Schröder ins Alte Rathaus.

Göttingen. Ronald Reng schreibt menschliche Geschichten über das harte Fußball-Geschäft. Am Dienstag spricht er beim Literaturherbst über seine Arbeit, sein Leben und den Fußball.

Dass Ronald Reng überhaupt Sportbuchautor wurde, war dem Zufall geschuldet. Als freier Journalist arbeitete Reng in London, der Fußballstadt schlechthin, als sich ein gewisser Lars Leese bei ihm meldete, ein Fußballer mit einer einzigartigen Karriere: Leese stieg aus der Kreisliga im Westerwald zum Torhüter in der „Premier League“ auf. Dann suchte er einen Autor für seine Biografie. Reng sagte zu. „Der Traumhüter“ traf 2002 den Nerv des Publikums, wurde ein Bestseller und preisgekrönt.

„Ich hatte keinen Masterplan, ich bin da einfach hineingeschlittert“, erzählt Reng, der vorher bereits ebenfalls außergewöhnliche Berichte aus London für die Süddeutsche Zeitung geschrieben hatte, war in eine Marktlücke gerutscht, zufällig. „Der Fußball entwickelte sich zu einer so wahnsinnig überwichtigen Sache in der Gesellschaft. Ich passte einfach in die Zeit.“

Das klingt bescheiden, zufällig, ist es aber nicht, denn der gebürtige Frankfurter schreibt Bücher, deren Helden eben nicht im Flutlicht stehen, gar gescheitert oder die Randfiguren im Mega-Zirkus und Geschäft Fußball sind. Reng beschreibt sie mit allen Schwächen und Stärken, aber stets sind sie auch irgendwie liebenswürdig, wie Traumhüter Lars Leese, Ex-Trainer Heinz Höher oder jetzt Talentsucher Lars Mrosko im neuen Buch „Mroskos Talente“.

„Ich versuche mich, ihnen mit Empathie zu nähern und sie mit Wärme zu beschreiben“, sagt der 45-Jährige, der deshalb aus der Masse der Sportbuchautoren herausragt. So entstehen ungeschönte Persönlichkeitsbilder. „Die muss jeder Leser für sich bewerten. Das ist meine Absicht. Dazu gehört Offenheit und Authentizität.“

Mit Mrosko tourt Ronald Reng auch auf seiner Lese-Reise. Dabei bekommt der Talent-Sucher manchmal auch sehr direkt die Kritik ab, wie Reng erzählt. „Da müssen meine die Buchhelden durch.“

Die Begeisterung für den Fußball ist bei dem ehemaligen Leichtathleten und Kicker, trotz des Wissens um die Schattenseiten des Sports und Geschäfts eher noch gewachsen. „Je mehr ich weiß, desto faszinierter bin ich.“

Im Grunde sei der Fußball nicht mehr oder weniger von Betrügereien durchsetzt als der Journalismus oder die Automobilindustrie, sagt Reng, der in 20 Jahren viel erfahren hat über die Feinheiten und schönen Seiten des Spiels – in London, vor allem aber in Barcelona.

„Dort ist es ja fast ein künstlerisches, nicht so körperliches Spiel. Ich bin auch ein Verfechter dieser Trainingsphilosophie geworden.“

Ein Buch übrigens wollte der in München lebende Ronald Reng übrigens nie schreiben: die Biografie von Robert Enke. Er tat es auf Bitten von Freunden und Enkes Frau Theresa. Heute ist er erleichtert, es getan zu haben. Als das Buch fertig war, war auch Reng fertig, schrieb lange nichts. Robert Enke war sein Freund. Das Buch erzählt davon, auch zwischen den Zeilen und mit viel Respekt. 

• Göttinger Literaturherbst, Dienstag, 13. Oktober, 21 Uhr, Altes Rathaus, Ronald Reng und Christoph Schröder: „Fußballleben“. Eintritt: Abendkasse 15/13 Euro.

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