Universitätsaula: Prächtiger Empfang in lockerem Ambiente für Nobelpreisträger Hell

Das Hell-Hell-Dunkel-Prinzip

Festakt: In der Uni-Aula gab es für den Nobelpreisträger Stefan Hell viele Lobesworte und Geschenke. Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel überraschte Hell mit dem Präzisionsmikroskop, das 1880 in Göttingen gefertigt wurde. Foto: Jelinek

Göttingen. Nobelpreisträger Prof. Dr. Stefan Hell ist wieder in Göttingen und wurde gefeiert, am Donnerstag vor 450 Gästen mit einem Gemeinschaftsfestakt von Universität, Max-Planck-Gesellschaft und dem Göttingen Campus vor 450 Gästen in der prachtvollen Uni-Aula.

Stefan Hell, der sich eigentlich nach anstrengenden Wochen in Stockholm nichts mehr als Ruhe wünschte, kam freilich zu dieser überhaupt nicht. Mehr noch: Er schaffte es vier Stunden lang nicht die Bühne zu verlassen. Der Strom der Gratulanten ebbte bis nach 22 Uhr kaum ab.

Die Laudatio hielt ein guter Bekannter und Kollege am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie: Prof. Dr. Erwin Neher, der 1991 den Nobelpreis, ebenfalls für Chemie, erhalten hatte – also vor 23 Jahren. Davor waren 24 Jahre verstrichen zwischen der Verleihung an Prof. Dr. Manfred Eigen (Medizin) und Neher. „Das heißt, das nächste Mal können wir uns auf eine Nobelpreisverleihung für einen Göttinger in 22 Jahren vorbereiten.“ Mit Blick auf Stefan Hell sagte Neher: „Vielleicht kannst Du ja dann als einer der wenigen überhaupt zum zweiten Mal den Nobelpreis bekommen.“ Nebenbei erklärte Neher für alle verständlich und in wunderbarem wie treffendem Wortspiel die Hellsche STED-Mikroskopie: „Es ist ein simples Hell-Hell-Dunkel-Prinzip.“

Alle Redner wünschten sich, dass Hell weiter in Göttingen leben, arbeiten und forschen wird. Dass er geblieben ist und noch bleiben wird, dafür gibt es mehrere Gründe: „Die Max-Planck-Institute in Göttingen sind in der Weltklasse vertreten“, sagte MPG-Präsident Prof. Dr. Martin Stratmann. Er und Uni-Präsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel betonten auch die Bedeutung der Vernetzung von außer- und inneruniversitären Forschungseinrichtungen. „Der Göttingen Research Campus, jetzt Göttingen-Campus, böte hervorragende Bedingungen und sei in seiner Funktion vorbildlich in der deutschen Forschungslandschaft.

Durch eine Kooperation auf allen Ebenen, auch der politischen, könne Niedersachsen und Göttingen weiter ganz stark in der Forschung sein, sagte Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Klajic (Grüne). Sie hat gespürt, dass der besondere „Göttingen-Spirit“, der sich auch in vielen Nobelpreis-Verleihungen ausdrückt, noch immer lebt. Ein Beispiel dafür sei Stefan Hell: „Sie bringen Begeisterung mit.“

Die Premium-Rede aber hielt der Geehrte: Hell sagte, dass er zunächst seinen Mitarbeitern und sogleich der Max-Planck-Gesellschaft sehr dankbar sei, die ihm aus einer schwierigen Lage heraus eine berufliche Heimat gegeben habe. Auch der Zusammenhalt am Göttingen-Campus sei ein elementarer Teil des Erfolges. Dazu komme die Hilfe durch das Land und die VW-Stiftung.

Hell bewies in der Rede auch seine Bodenständigkeit, in dem er persönliche Eindrücke der Stockholm-Wochen auf ausgesprochen sympathische Art und Weise schilderte. In Stockholm habe sich im Ablauf der Zeremonie und der Nobel-Woche seit 30 Jahren wenig verändert – wohl aber die Zahl der Fotografen. „Heute ist jeder Fotograf, und die Selfie-Resultate sind auf Twitter und Facebook zu sehen.“

Empfang für Nobelpreisträger Stefan Hell in Göttingen

Auch schilderte Stefan Hell, dass er nun Träger des Ordens des ewig grinsenden und hüfenden grünen Frosches ist. Um ihn zu bekommen, musste der fitte Hell während eines Studenten-Balls eine Minute im Entengang herumhüpfen. Er hat auch das geschafft. Nicht geschafft hat es hingegen das Nobelpreiskommittee, dem Physiker Hell gleich drei Nobelpreise auf einen Schlag zu verleihen, für Physik, Chemie und Medizin, da die Ergebnisse der Entwicklungen helfen könnten, Krankheiten zu heilen, wie Neher sagte. Das wäre effizient gewesen für Stefan Hell, der den Feier-Marathon inklusive der Selfie-Fotos dann bereits abgehakt hätte.

Von Thomas Kopietz

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