Herkulesstaude auf dem Vormarsch: Groß, giftig und gemein

Sie wächst schnell, ist giftig und gehört eigentlich nicht nach Europa: Die Herkulesstaude, auf dem Foto die Wurzel der Pflanze, wird von Oliver Ebert (links) und Jan Duwe vom Leineverband die nächsten Wochen abgestochen und beseitigt, wo sie auftaucht. Fotos: Dittrich

Landkreis Göttingen. Wenn der Löwenzahn blüht, sprießt auch die Herkulesstaude: Seit zwei Wochen wächst die Pflanze an Ufern und auf Wiesen. Doch Vorsicht ist geboten.

Wer mit ihr in Kontakt kommt, kann sich schwere Verbrennungen zuziehen.

Die Herkulesstaude ist gefährlich. Mitte Mai ist sie bereits über einen Meter groß und wächst noch weiter. Wer die Pflanze berührt, bekommt bei Sonnenlicht Blasen und Rötungen an den Stellen. Die Schäden sind vergleichbar mit Verbrennungen und heilen zudem schlecht.

Hinzu kommt, dass sich die Staude äußerst effektiv fortpflanzt. „Die tausenden Samen, die eine Pflanze ausbildet, sind mehrere Tage schwimmfähig“, erklärt Manfred Laduch, Geschäftsführer des Leineverbands. Der Verband bekämpft das Unkraut in Ufernähe, damit die Samen nicht im Wasser landen und weiter flussabwärts getrieben werden, denn Flüsse wie die Leine sind ideale Transportwege.

In Ufernähe ist der Einsatz von Chemikalien zur Bekämpfung verboten - die Mitarbeiter müssen die Staude von Hand ausstechen. Das geht nur in voller Schutzmontur: Mit Gummistiefel, Säureschutzanzug, Handschuhe und Visier nähern sich die Mitarbeiter von Manfred Dörnte, Gebietsleiter in Südniedersachsen, den breiten Gewächsen. Die zentimeterdicken Triebe werden mit einer Astschere abgetrennt, die rübenförmige Wurzel mit einem Spaten ausgestochen. Die gesamte Pflanze wird dann sorgfältig verpackt und in Müllbeuteln abtransportiert.

2014 hatte der Leineverband bis zu einem Abstand von einem Meter zu Gewässern noch ein glyphosphathaltigen Unkrautvernichter eingesetzt. Seitdem die Chemikalie in der Kritik steht, gesundheitsschädlich zu sein, ist der Einsatz verboten.

Seit Mittwoch ist aber der Einsatz eines anderen Unkrautvernichters erlaubt: Laut Pflanzenschutzamt darf Garlon genutzt werden, ein Herbizid mit dem Wirkstoff Triclopyr. Ab einem Meter vom Ufer entfernt wird das Mittel gegen die Pflanzen genutzt. „Wir wenden das Dochtstreichverfahren an“, erklärt Laduch. „Das heißt, wir pinseln die Blätter der Pflanzen damit ein.“ Ein großflächiges Besprühen kommt nicht in Frage - dafür gibt es auch keine Erlaubnis vom Pflanzenschutzamt. Bis die Herkulesstaude zu blühen beginnt, vergehen noch einige Wochen - bis in den Sommer hinein wird die Pflanze noch intensiv bekämpft, sagt Dörnte.

Hintergrund: Eindringling aus dem Kaukasus

Die Herkulesstaude, auch Riesenbärenklau genannt, gelangte im 19. Jahrhundert nach Mitteleuropa - vermutlich als Geschenk unter Herrschern. Die Pflanze wird bis zu vier Meter hoch und bildet bis zu 50.000 Samen aus. Diese verbreiten sich über die Luft und über das Wasser. Die Samen bleiben mehrere Jahre keimfähig. Wer die giftige Pflanze im Sonnenlicht berührt, bekommt auf der Haut schmerzende Blasen und Quaddeln, die erst nach Wochen verheilen.

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