Seit fast 120 Jahren enge Nachbarn

Kliniken Neu Bethlehem und Neu Mariahilf: Ein Herz für die Fusion

Beliebte Geburtsklinik: Kinder wie die kleine Emily, die in Neu Bethlehem zur Welt kommen, bekommen so ein T-Shirt. Kommt jetzt die Fusion mit dem Nachbarn Neu Mariahilf?

Göttingen. Seit fast 120 Jahren arbeiten die christlichen geprägten Kliniken Neu Bethlehem und Neu Mariahilf in enger Nachbarschaft an der Göttinger Humboldtallee nebeneinander her. Soll das auch in den nächsten 120 Jahren so bleiben?

Der Verband der Ersatzkassen in Niedersachsen sagt „Nein. Eine Fusion ist zwingend“. Der Geschäftsführer von Neu Bethlehem, Hans-Hermann Heinrich sieht es genauso: „Ein Zusammenschluss unserer Kliniken zu einem christlichen Krankenhaus wäre eine Herzensangelegenheit für mich.“

Anlass für Heinrichs Äußerung war ein Interview, das Jörg Niemann als Leier des Verbandes der Ersatzkassen gegeben hatte. Nach Einschätzung seines Verbandes müssten 33 von 193 Kliniken in Niedersachsen schließen, um trotz Bevölkerungsrückgang und kürzerer Verweildauer auch in Zukunft wirtschaftlich arbeiten zu können. Bestes Beispiel für eine zwingende Fusion seien Neu Bethlehem und Neu Mariahilf. Die vom Land anerkannte Bettenzahl für beide Häuser sei von 255 im Jahre 2001 auf 204 in diesem Jahr gesunken und werde 2030 nur noch bei 182 liegen.

„Es wäre wirtschaftlich vernünftig, wenn wir enger zusammenrücken würden“, bestätigt Heinrich. Er leitet Neu Bethlehem noch bis Ende 2014, um dann mit 67 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Der christliche Agaplesion-Konzern, zu dem Neu Bethlehem gehört, würde eine Fusion der beiden Nachbarn auf jeden Fall begrüßen.

Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Hildesheim, zu der Neu Mariahilf gehört, tut sich dabei jedoch offenkundig schwer. In den 36 Jahren, die er Geschäftsführer ist, hat Heinrich schon vier Mal an Gesprächen mit dem Ziel einer engeren Zusammenarbeit teilgenommen. Alle Versuche seien gescheitert.

Vom für Neu Mariahilf zuständigen Vinzenz-Verbund Hildesheim heißt es in einer Stellungnahme: „Wir möchten uns nicht an Spekulationen über Krankenhausschließungen oder Fusionen beteiligen. Die vom Verband der Ersatzkassen geforderten Krankenhausschließungen gehen an der eigentlichen Ursache des Problems, die in einer systematischen unzureichenden Vergütung über das Fallpauschalen-System für Krankenhausleistungen liegt, vorbei.“

Neu Bethlehem könnte mit seiner Auslastung auch allein weiter bestehen. Laut Hans-Hermann Heinrich behandelten die 250 Beschäftigten 2012 etwa 7500 Patienten stationär und 15 000 ambulant. Außerdem gilt das Haus mit fast 900 Entbindungen jährlich als beliebteste Geburtsklinik in Südniedersachsen. Neu-Mariahilf gibt 5300 stationäre Patienten für die 118 Betten pro Jahr an, die Geburtsstation verzeichnet 550 Geburten pro Jahr.

• Klinik-Infos unter: www.neubethlehem.de und www.neumariahilf.de

Von Christoph Papenheim und Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.