Uni-Klinik-Mediziner starten größere Studie

Herzvorhofflimmern-Früherkennung soll Schlaganfälle verhindern

Schlaganfall: Danach ist schnelle Hilfe für den Patienten erforderlich. Forscher aus Göttingen und Mainz haben jetzt einen neuen Ansatz im Kampf gegen die Krankheit entwickelt. Foto: dpa

Göttingen. Herz-Forscher aus Göttingen und Mainz hoffen, durch eine bessere Diagnostik von Herzrhythmusstörungen auch Schlaganfälle verhindern zu können. Der Schlüssel liegt im Erkennen des Vorhof-Flimmerns im Herzen, das als Vorbote für Schlaganfall gilt und mit üblichen Untersuchungen oft nicht erkannt wird.

„Wird Vorhof-Flimmern jedoch rechtzeitig erkannt, lässt sich ein Schlaganfall als Folge verhindern“, sagt Prof. Rolf Wachter, Leitender Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Langzeit-Diagnostik

Wachter und Dr. Klaus Gröschel von der Uni-Medizin Mainz untersuchten 398 Patienten nach Schlaganfällen. Ein Teil der Patienten erhielt ein Zehn-Tage-Langzeit-EKG. Die anderen Patienten bekamen die Standarddiagnostik.

Folgen verhindern

In der Gruppe mit Langzeit-EKG-Diagnostik wurde drei Mal häufiger Vorhof-Flimmern gefunden (13,5 Prozent) als in der Gruppe mit Standarddiagnostik (4,5 Prozent). „Oft wird Vorhof-Flimmern nicht erkannt, weil die Herzrhythmusstörung nur für wenige Minuten auftritt. Deshalb wird sie bei den üblichen Herz-Kreislaufuntersuchungen leicht übersehen.

Neue Strategie

Aus Sicht von Wachter ist die bessere Erkennung des Vorhof-Flimmerns vermutlich die vielversprechendste Strategie, um die Zahl der Schlaganfälle zu reduzieren. „Durch eine verbesserte Diagnostik können wir den Patienten genau die Therapien zuordnen, die sie benötigen.“

Größere Studie folgt

Die ersten Daten zu wiederholten Schlaganfällen sind aus Sicht der beiden Mediziner ermutigend: Bei den Patienten, die das Langzeit-EKG bekamen, gab es etwa 40 Prozent weniger erneute Schlaganfälle und Schlaganfallvorstufen. „Aufgrund dieser Zahlen planen wir eine größere Studie mit 5000 Teilnehmern. Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur mehr Vorhofflimmern finden, sondern auch Schlaganfälle verhindern“.

Blick in Herzzellen

UMG-Herzforschern gelang erst kürzlich in Göttingen ein Durchbruch bei der Untersuchung von Herzrhythmusstörungen: Sie machten die molekularen Strukturen bislang wenig erforschter Herzzellen sichtbar.

Dabei half entscheidend die vom Göttinger Nobelpreisträger Stefan Hell (MPI für biophysikalische Chemie) entwickelte hochauflösende STED-Mikroskopie. Dem Team um Sören Brandenburg und Prof. Stephan Lehnart (Klinik für Kardiologie und Pneumologie) gelang es bei Mäusen zu zeigen, welche Auswirkungen eine pathologische Zunahme der Herzmuskeldicke auf diese Herzmuskelzellen hat.

Diese strukturellen Veränderungen haben einen großen Einfluss auf Calcium-Signale und können eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Herzrhythmusstörungen spielen. Man habe nun die Möglichkeit, diese sehr schnellen Signal-Prozesse vorherzusagen und zu überlegen, welche Substanzen oder Therapieverfahren helfen könnten, nachteilige Prozesse zu verhindern, schildert Lehnart. (bsc/tko)

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