"Keine Dumme-Jungen-Idee mehr"

Flugautos für Korea: Niedersächsische Tüftler exportieren visionäre Technologie 

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„Keine Dumme-Jungen-Idee“: Michael Werner in seinem selbstentwickelten Flugauto.

Hildesheim. Wenn Südkorea die Grenze zum Norden kontrollieren will, dann kann es künftig auch Technologie aus Niedersachsen einsetzen. Genauer: auf Flugautos aus der Gemeinde Wedemark bei Hannover.

Michael Werner hat die dreirädrigen Gefährte samt Gleitschirm mit seiner Firma entwickelt. Die südkoreanische Regierung habe bei seiner Firma gerade 1000 dieser Flugautos bestellt, sagt er. Die Ersten davon seien schon in Fernost gelandet.

Vor 30 Jahren belächelt

In Hildesheim stellten Werner und andere Tüftler ihre Ideen für Flugautos beim „Aviation Day“ der Luft- und Raumfahrtinitiative Niedersachsens vor. Denn das Land will auf diesem Zukunftsmarkt vorangehen.

Die Idee vom fliegenden Auto beschäftigt Visionäre seit Jahrzehnten. Vor 30 Jahren wurde Entwickler Werner dafür belächelt. Doch er blieb dran. Sein Flugauto sei zwar eine recht einfache Variante, „aber wir wollen ja eine Fahrmaschine machen, keinen Businessjet“. Der fliegende Wagen kommt auf 70 Kilometer Reichweite. Auf der Straße kann er bis zu 110 Kilometer pro Stunde fahren, in der Luft mehr als 80.

Aus Vision wird Realität

„Mittlerweile sind Flugautos keine Dumme-Jungen-Idee mehr, sondern ein großes Geschäft“, sagt Werner. Und Niedersachsen spiele ganz vorn mit. Auch der Entwickler John Brown lobt den Standort: „Wir sind in anderen Bundesländern auf viele verschlossene Türen gestoßen, hier war das anders“, sagt er. Das Land investiere relativ viel in Zukunftstechnologien wie diese.

Brown baut in Braunschweig ein Carplane, einen Wagen mit zwei getrennten Passagierkabinen und ausklappbaren Flügeln. In Zukunft solle dieses Flugauto den Verkehr zwischen Städten erleichtern, die 200 bis 1200 Kilometer auseinanderliegen. „Da würde es bei der Reisezeit Zug, Flugzeug und Auto schlagen“, sagt Brown.

Hohe Hürden

Bis das Carplane allerdings markt- und serienreif ist, könne es noch vier bis fünf Jahre dauern, schätzt der ehemalige Berufspilot. Das Zulassungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen. Weitere Hürden für den Ottonormalverbraucher: Ein solches Flugauto würde wohl zwischen 225 000 und 300 000 Euro kosten. Außerdem bräuchte man einen Pilotenschein, um durch die Lüfte schweben zu können.

Deshalb sollen Privatpiloten die ersten Kunden sein, bis mehr Menschen Flugautos nutzen wollen und können. John Brown ist überzeugt, dass diese Technologie eine neue „Verkehrs-Revolution“ ähnlich der Eisenbahn oder dem Auto auslösen wird.

Flugtaxis nur im Süden

Bei einer anderen innovativen Technologie in der Luftfahrt hinkt Niedersachsen allerdings hinterher: dem Flugtaxi. In Süddeutschland werden gemeinsam mit großen Firmen flugfähige Geräte entwickelt. In Niedersachsen ist es bei Modellen geblieben. Das liegt auch daran, dass Flugtaxis hierzulande bisher nicht autonom fliegen dürfen. „Für schnellen Fortschritt sind die bürokratischen Hürden in Deutschland zu hoch“, sagt Michael Werner. In Niedersachsen sei da noch am meisten möglich. (dpa/ana)

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