Interview: Peter Kraus über Rock'n'Roll und einen Filmdreh in Göttingen

Kraus und die Isetta: Mit einem Mini-BMW fuhr Peter Kraus in den 50er-Jahren nach Göttingen zu einem Filmdreh. Foto: dpa

Göttingen. Das Adjektiv „unglaublich“ wird inflationär verwendet. Bei der Beschreibung der Karriere des Peter Kraus aber ist es absolut angebracht. Ein Interview.

Kraus, der Kinder-Filmstar von einst, ist 75 Jahre alt und steht als Rock´n-Roll-Sänger auf der Bühne – und er sieht blendend aus: einfach unglaublich. Wir sprachen mit Kraus, der am Samstag mit Band in Göttinger Lokhalle gastiert.

Herr Kraus, ist das denn wirklich – wie angekündigt – die Abschiedstournee?

Peter Kraus: Na, ja – es ist der Abschied von den großen Bühnen. Aber Musik machen werde ich sicherlich weiterhin. Warum sollte ich auch damit aufhören?

Die Tournee heißt „Das Beste kommt zum Schluss“, kann man das nach 50 Jahren Musikerkarriere überhaupt so stehen lassen?

Kraus: Ja, denn diese Tournee ist etwas Besonderes, und sie bietet aus meiner Sicht das Beste aus meinem Schaffen als Musiker und Sänger. Das aktuelle Album „Zeitensprung“ steht auch dafür. Wir machen aktuelle Hits im Sound der 50er- und 60er-Jahre. Das kommt beim Publikum an. Die Platte läuft gut. Und auf der Bühne wird so einiges passieren.

Was denn speziell?

Kraus: Nun, mein Sohn Mike wollte, dass dort Szenen aus meiner Karriere, also auch der junge Peter Kraus, zu sehen sind. Es ist also auch eine Rückschau, gespickt mit aktuellen Songs. Ich wollte eigentlich keinen Karriererückblick. Mike hat sich durchgesetzt – und ich muss sagen: Es ist etwas Tolles herausgekommen.

Apropos toll: Sie waren als Kind ein Filmsternchen, später ein Film- und TV-Star, dazu erfolgreicher Rock´n Roller. Wie haben Sie das verkraftet?

Kraus: Nun, die Zeiten heute sind für die Teenie-Stars weitaus schwieriger: Die Medienpräsenz ist viel größer, das Internet, soziale Netzwerke – diese Präsenz ist für junge Leute ja kaum zu bewältigen. Ich komme aus einer Künstlerfamilie, mein Vater war Regisseur, in der Filmbranche tätig. Ich war also vorbereitet. Und ein Typ, der abheben könnte, war ich ohnehin nie. Aber wie gesagt: Die Jungstars heute haben es viel schwerer.

Toll fanden vor allem auch die Frauen den Peter Kraus. Mein Schwiegervater sagte, er war eifersüchtig auf Sie, weil seine Freundinnen stets für Sie geschwärmt haben?

Kraus: (lacht laut): Ja, so mag es manchen Männern ergangen sein. Das war eine Begleiterscheinung und ich fand das auch nicht schlimm (lacht wieder).

Mit 75 noch vital auf der Bühne, eine sportliche Erscheinung, wie machen Sie das?

Kraus: Ich bin einfach ein unruhiger Typ, ständig in Bewegung, aktiv – das hält schlank. Ich habe keine Programme und Rezepte. Höchstens meine Frau achtet auf eine gute, gesunde Ernährung. Und Ich treibe viel Sport.

Kennen Sie Göttingen?

Kraus: Ja, natürlich. Ich habe sogar ganz spezielle Erinnerungen an Göttingen, die einstige Filmstadt. Mit 16 oder 17 bin ich mit einer BMW-Isetta aus Bayern nach Göttingen gefahren – zu einem Filmdreh. Der Film aber wurde nie fertig und veröffentlicht. Wir hatten dennoch sehr viel Spaß, es war ein tolles Erlebnis. Aber Geld gab es auch keins...

Stichwort Autos: Sie sind ein Oldtimer-Liebhaber, man sieht sie auch bei entsprechenen Ausfahrten und Rallyes.

Kraus. Allerdings: Das ist eine echte Leidenschaft. Ich liebe diese alten Autos, besitze auch einige. Ich fahre aber nicht nur, sondern ich schraube auch. Momentan habe ich einen Oldtimer zerlegt. Ich schaue auch immer, wo einer günstig zu erstehen ist. Das wird aber immer schwerer. Bestimmte Marken und Typen werden weit über Preis gehandelt.

Welchen Oldtimer könnten Sie mir empfehlen?

Kraus: Keinen Porsche! Mein Tipp sind englische Autos und italienische Marken wie Alfa und Lancia.

Zurück zur Musik: Warum eigentlich Rock´n Roll?

Kraus: Es war die Musik meiner Jugend. Plötzlich hatten wir etwas Eigenes. Das passte einfach in die Aufbruchstimmung der 50er-Jahre. Es war auch eine Abgrenzung gegenüber den Eltern. Ich bin im Rock´n Roll-Milieu aufgewachsen. Und ich liebe die Musik noch immer. Deshalb mache ich sie auch noch. Es muss Spaß machen und authentisch sein, dann nehmen es dir die Leute auch ab. Und so ist es bei mir – zum Glück.

Zur Person Peter Kraus

Peter Kraus wurde am 18. März 1939 als Peter Siegfried Krausenecker in München geboren. Dort wuchs er ebenso wie in Gräfelfing, Wien und Salzburg auf. Während der Schulzeit nahm Kraus Gesangsunterricht, belegte Schauspiel- und Stepptanzkurse. Mit 14 stand er das erste Mal vor der Kamera, in Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“. Kraus lernt Gitarre und träumt von Idolen wie Ella Fitzgerald, Sammy Davis, Frank Sinatra und bald auch den Rock´n Rollern wie Elvis und Jerry Lee Lewis. Er will nun Musiker, Sänger und Schauspieler werden. 1956 jubelt die Presse über den deutschen Elvis.

Blick zurück: Der scheinbar nicht alternde Peter Kraus kommt am Samstag mit seinem Abschiedsprogramm in die Göttinger Lokhalle. Der Musiker, Sänger und Schauspieler wird eine Show mit alten Hits und neu arrangierten Songs bieten. Archivfoto: nh

1957 hat er den ersten Hit „Tutti Frutti“ und geht mit Max Greger auf Tournee. Es folgen weitere Hits. Mit Cornelia Froboess bildet er das Traumpaar des deutschen Films. In den 60ern wird er auch zum Star im Ausland, tritt selbst in den USA auf. Als Musiker und Schauspieler bleibt er im Geschäft, ohne sich den Verlockungen des überspielten TV-Serienhelden hinzugeben. Peter Kraus ist seit 1969 verheiratet mit Ingrid, hat eine Tochter Gaby und einen Sohn Mike. Er lebt am Luganer See in der Schweiz.

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