Kommentar zur Festnahme von zwei Terrorverdächtigen: Gute und schlechte Gefühle

Göttingen. 450 Sicherheitskräfte und Polizisten haben am Donnerstag zwei terrorverdächtige Salafisten in Göttingen festgenommen. Was bedeutet das? Ein Kommentar von Thomas Kopietz.

Der Terror ist in Deutschland angekommen, das war die dominierende Schlagzeile nach dem fürchterlichen Anschlag im Dezember in Berlin. Berlin ist nah. Göttingen und Kassel sind näher. Auch wenn am Donnerstag durch einen erfolgreichen Polizeieinsatz in Göttingen und Kassel wahrscheinlich ein Anschlag verhindert wurde, wächst das Gefühl der Verletzlichkeit, der Unsicherheit, der Angst, es könnte auch hier – in der Fußgängerzone, im Kino, bei einem Konzert oder Sportevent – passieren.

Der Großeinsatz mit der Verhaftung von zwei jungen Männern machte auch deutlich: Auch in unserer Nähe radikalisieren sich Menschen, denen es nicht an humanitären Werten gelegen ist, denen Menschenleben egal sind. Umso wichtiger ist, dass durch den geheim gehaltenen Einsatz in Göttingen und Kassel wohl ein Terroranschlag von Radikal-Islamisten verhindert werden konnte.

Der Dank gilt den Ermittlern und den Polizeikräften, die einen riskanten Einsatz fuhren. Sie haben durch ihr beherrschtes Eingreifen auch das Vertrauen in die Sicherheit gestärkt. Die unguten Gefühle, mit denen wir auch seit Berlin leben, können sie aber nicht ganz vertreiben. Immerhin: Der Staat und die Ordnungsmacht hat mit der Aktion in Göttingen gezeigt: Wir arbeiten intensiv und erfolgreich daran, die Menschen in unserem Land, unserer Stadt zu schützen. Das ist etwas wert.

Welche Gefahr aber nun von radikalen Islamisten in Göttingen für die Stadt und darüberhinaus ausgeht, diese Frage wollten die Ermittler nicht beantworten. Auch Einzelheiten zu den Tätern und deren Umfeld verrieten sie nicht.

Klar ist: Es gibt in Göttingen eine radikale Salafistenszene, die bislang im Schatten der niedersächsischen Hotspots Hildesheim, mit der DIK-Moschee, sowie Wolfsburg lag und nicht so beachtet wurde.

Lexikonwissen:

Kalifatstaat bei Wikipedia

Für Außenstehende, für uns Bewohner der Stadt, sind diese Menschen kaum auszumachen, zumal sie oft als integriert und unauffällig gelten – wie übrigens andere mögliche Straftäter auch. So soll es auch bei dem einen in Göttingen Festgenommenen gewesen sein. Ein genaueres Hinschauen auf das Umfeld, auf das Verhalten von Menschen, ist zwar sinnvoll aber nicht erfolgversprechend, sprich straftatverhindernd, den radikale Gesinnunen sind eben oft nicht erkennbar. Einige in Göttingen haben zum Glück aber den professionellen Blick auf die zum Teil, wie sich jetzt zeigt, anschlagbereiten Terrorverdächtigen. Die Polizei in Niedersachsen und Göttingen hat richtigerweise personell aufgerüstet. Ein Schachzug, der in Zukunft wohl noch häufiger eingesetzt werden muss. Denn: Ein Ende der Terror-Bedrohung ist nicht abzusehen, nicht in der Welt, nicht in Deutschland, Niedersachsen oder Göttingen.

Eine Erkenntnis mit der wir leben müssen.

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