Intensivpädagogische Wohngruppe

Hof Wetenborn ist ein sicherer Ort für acht Jungen

+
Kümmern sich um die Jungen auf Hof Wetenborn bei Mariengarten: Projektleiter Till Bothe (rechts) und Hausmeister Frank Engwer schaffen für die Kinder und Jugendlichen ein Zuhause.

Mariengarten. Um Jungen, die nicht mehr in ihren Familien leben können, kümmert sich seit zehn Jahren das Projekt Hof Wetenborn. Dort sind acht Kinder und Jugendliche untergebracht. Für sie gibt es bei Rosdorf einen sicheren Ort, den sie zuvor oft nicht hatten.

René (Name geändert) hat ein schweres Schicksal. Seine Mutter konnte sich nicht richtig um ihn kümmern, es gab Probleme daheim. Er wurde schon im Kindergarten auffällig. In der Schule lief es überhaupt nicht. Er fehlte oft.

Eine Betreuung durch soziale Dienste brachte nichts. Als letztes Mittel blieb dann nur die Unterbringung in der Wohngruppe.

Ein solches Angebot gibt es seit nunmehr zehn Jahren auf dem Hof Wetenborn bei Mariengarten. Dort betreibt der Verein Evangelische Jugendhilfe Obernjesa eine „intensivpädagogische Wohngruppe“ nur für Jungen.

Die acht Kinder und Jugendlichen im Alter von zehn bis 14 Jahren kommen aus ganz Deutschland. „Wir haben bundesweite Anfragen“, sagt Till Bothe (30), Leiter der Einrichtung, der eine Ausbildung zum Erzieher und Traumapädagogen hat und derzeit noch eine Weiterbildung zum Multi-Familientrainer absolviert.

„Bei uns bekommen die Kinder einen festen Tagesablauf und einen sicheren Ort, den sie oft vorher nicht hatten“, sagt Bothe, der sich mit seinen insgesamt zwölf Mitarbeitern rund um die Uhr um die Jungen kümmert.

Deshalb müssen die zuständigen Jugendämter tief für den Aufenthalt in die Tasche greifen. Pro Kind müssen im Monat etwa 7000 Euro bezahlt werden. „Dieses Geld ist absolut sinnvoll angelegt, denn viele der Jungen können später zurück in ihre Familien“, berichtet Bothe über seine Erfahrungen.

Untersuchungen haben ergeben, dass Aufenthalte in intensivpädogischen Einrichtungen auf lange Sicht günstiger sind. Bothe: „Viele der Jungen würden unter Umständen straffällig werden und könnten dauerhaft ihr Leben nicht selbstständig bestreiten.“

Aufgaben selbst übernehmen

Die Kinder müssen selbst viele Aufgaben im Tagesablauf der Gruppe selbst übernehmen. Dazu gehören das Tischdecken, der Abwasch oder die Versorgung der Hoftiere. In Wetenborn leben Schafe, Schweine, Katzen und Hühner. Kürzlich schlüpften Küken, um die sich die Kinder kümmern mussten. Wasser kommt aus einer eigenen Quelle. Sie gibt dem Hof, den der Verein von der Klosterkammer gepachtet hat, den Namen.

Inzwischen lebt René wieder in seiner Familie. Der 16-Jährige hat seinen Hauptschulabschluss geschafft und wird demnächst eine Ausbildung beginnen. Bothe: „Solche positiven Beispiele machen uns immer wieder Mut für die Arbeit.“

Verein evangelische Jugendhilfe ist Träger – Fest auf dem Hof

Der Verein Evangelische Jugendhilfe Obernjesa, der die Einrichtung betreibt, wurde 1952 ins Leben gerufen und ist Teil der Diakonie.

Teil der Diakonie. Die Jugendhilfe unterhält im Landkreis Göttingen sowie in Sachsen gleich mehrere Einrichtungen. In Südniedersachsen gibt es neben dem Hof Wetenborn mit der Grundmühle, einem ehemaligen Ausflugslokal bei Laubach, eine weitere Wohngruppe für Jungen zwischen sechs und zehn Jahren. Außerdem betreibt der Verein eine Schule für „emotionales und soziales Lernen“ für Jungen und Mädchen in Obernjesa.

Außerdem gehören mehrere Tagesgruppen für Jungen und Mädchen in den Kreisen Göttingen und Northeim dazu. Insgesamt hat der Verein 250 Mitarbeiter. Die Jugendhilfe ist ständig auf der Suche nach pädagogischen Fachkräften.

Zum zehnten Geburtstag des Hofs Wetenborn gibt es am Freitag, 16. Juni, ein Fest. Beginn ist um 14 Uhr. Dabei kann die Einrichtung, Wetenborn 1, besichtigt werden. Der Hof, der an der Autobahn 7 südlich des Dreiecks Drammetal in der Nähe des Zeltplatzes Stolle zu finden ist, entstand um 1100. Die Anfahrt sollte über Mariengarten erfolgen.

www.jugendhilfe-obernjesa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.