Hohe Temperaturen in Südniedersachsen

Mediziner, Gewerkschaftler und Politiker raten: Bei Hitze die Schlagzahl bei der Arbeit mindern

Luftbeweger: Ein Mittel, aber nur um die gefühlte Temperatur zu senken, sind Ventilatoren. Raumkühlung sch affen sie aber nicht. Über gewissen Temperaturen in Arbeitsräumen sind sie ein nicht ausreichendes Mittel. Foto: Wolfram Kastl/dpa-Bildfunk

Göttingen - Mediziner, Politiker und Gewerkschaftler mahnen bei Hitze zu längeren Pausen und dazu, wichtige Schutzmaßnahmen einzuhalten. Für den Großraum Göttingen hat der Deutsche Wetterdienst die Warnung "Hitze" ausgegeben.

Das geschieht, wenn erwartet wird, dass die gefühlte Temperatur an zwei Tagen in Folge über etwa 32 Grad Celsius beträgt und zusätzlich nachts nur geringe Abkühlung in der Nacht vorhanden ist – oder bei einer gefühlten Temperatur über 38 Grad Celsius. Und das könnten die Menschen in der Region am Sonntag so empfinden. Ein wenig erträglicher könnte es in Lagen über 400 Meter Höhe sein.

Mediziner-Tipps

Mediziner und Gewerkschaften haben angesichts dieser Extremtemperaturen Hitze-Pausen für betroffene Arbeitnehmer gefordert. Auch am Wochenende und sonntags müssen bekanntlich viele Menschen arbeiten.

„Wichtig ist, bei großer Hitze die Schlagzahl etwas herunterzufahren und – wenn irgendwie möglich – die ein oder andere Pause extra einzulegen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Fürsorgepflicht

„Arbeitgeber sollten es aus Fürsorge für ihre Mitarbeiter ermöglichen, dass bei extremer Hitze das Tempo gebremst wird.“

Längere Pausen

Rückendeckung kommt vom Gesundheitsexperten der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach. Arbeit bei den enormen Temperaturen sei gesundheitsgefährdend, sagt Lauterbach. „Die Arbeitgeber müssen ein Signal setzen und für großzügigere Pausen sorgen.“

Die klassische Pausenregelung sei „für die extreme Hitze nicht ausgelegt“. Verordnete lange Mittagspausen nach Vorbild der Siesta in südlichen Ländern hält Lauterbach für falsch: „Notwendig sind flexible Regelungen, damit Arbeitnehmer, die besonders der Hitze ausgesetzt sind, geschützt werden.“

Regelungen am Bau

Die Gewerkschaft IG BAU beklagte, es gebe zwar Regelungen, diese würden aber von zahlreichen Bauunternehmern gebrochen. „Viele stellen sich quer und ignorieren offenbar ganz bewusst die strengen Auflagen, um Kosten zu sparen“, sagt IG-BAU-Sprecher Ruprecht Hammerschmidt. „In drastischen Ausnahmefällen lässt man lieber einen Bauarbeiter umkippen, als ihm eine Flasche Wasser hinzustellen.“

Gleichwohl kommen aber auch viele Bauunternehmen ihren Verpflichtungen teilweise oder ganz nach, stellen Wasser bereit, passen Arbeitszeiten an und sorgen für Schatten. Kühlwesten allerdings, die pro Stück ab 100 Euro kosten, sind eher selten zu sehen.

Die Regelungen zum Arbeitsschutz laut „Arbeit und Gesundheit“:

Raumtemperatur

In den Arbeits-, Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Erste-Hilfe-Räumen sollte laut der Arbeitsstättenregel die Lufttemperatur 26 Grad Celsius nicht überschreiten. Wenn die Außentemperatur über 26 Grad liegt und die Innenraumtemperatur über 26 Grad steigt, sollten den Beschäftigten Maßnahmen gegen die Hitze zur Verfügung stehen.

Maßnahmen-Pflicht

Bei einer Innenraumtemperatur von über 30 Grad müssen hingegen schützende Maßnahmen ergriffen werden. Übersteigt die Lufttemperatur in den Arbeitsräumen die 35-Grad-Grenze und helfen die angewendeten Schutzmaßnahmen nicht, gelten die Räumlichkeiten während dieser hohen Innenraumtemperaturen als ungeeignet.

Grundsätzlich müssen folgende Aspekte zum Schutz vor Hitzebelastung gewährleistet sein: In Arbeitsstätten müssen die baulichen Voraussetzungen zum sommerlichen Wärmeschutz nach den anerkannten Regeln der Technik gegeben sein.

Hohe Luftfeuchte

Bei Arbeitsplätzen mit hoher Luftfeuchte, Wärmestrahlung oder Luftgeschwindigkeit müssen diese Klimagrößen neben der Lufttemperatur zusätzlich einzeln oder in Summe bewertet werden.

Gesundheitsgefahr

An Arbeitsplätzen mit erheblichem Wärmeeinfluss, mit Belastungen durch Lufttemperatur, -feuchte und -geschwindigkeit, Wärmestrahlung, Arbeitsschwere oder Bekleidung ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, ob und welche technischen, organisatorischen oder personenbezogenen Maßnahmen zu treffen.

Anspruch einfordern

Arbeitnehmer sollten ihre Ansprüche einfordern appelliert auch die IG Metall an die Arbeitgeber: „Vor allem flexiblere Arbeitszeiten und längere Pausenzeiten sollten bei großer Hitze eigentlich selbstverständlich sein“, sagte Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban.  (tko mit epd)

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