Nur eine Vielzahl von bestäubenden Tieren ermöglicht starken Ernteerfolg

Die Honigbiene wird überschätzt

Göttingen. Wenn Pflanzen besonders viele Früchte und Samen hervorbringen, dann hat das viele Gründe. Eine entscheidende Ursache für eine gute Ernte ist, wenn möglichst viele unterschiedliche Arten frei fliegender Bestäuber unterwegs sind.

Die Rolle der Honigbienen in diesem Prozess wird überschätzt. Sie können eine fehlende Vielfalt von wildlebenden, bestäubenden Tieren nicht ersetzen und leisten nur unterstützende Arbeit.

Das haben jetzt auch Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen festgestellt, die an einer weltweiten Studie zum Thema beteiligt sind. Etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion wird von Bestäubung beeinflusst.

Herrscht ein Mangel an Bestäubern, dann fallen die Ernten oft gering aus. Die Forscher konnten nun nachweisen, dass der Blütenbesuch der wilden Bestäuber, insbesondere der Wildbienen, doppelt so effektiv ist wie der der Honigbienen. Die Wissenschaftler untersuchten 600 Felder mit 41 Nutzpflanzenarten aus 20 Ländern.

Landwirtschaft hängt von vielen Leistungen der Natur ab, die keinen direkten Marktwert haben: von Zersetzungsprozessen im Boden, Wasserreinigung, natürlicher Schädlingskontrolle und der Bestäubung von Nutzpflanzen durch frei lebende Tiere wie Wildbienen, Fliegen, Käfer, Schmetterlinge, Vögel und Fledermäuse. Die an der Studie beteiligten Göttinger Agrarwissenschaftler untersuchten Kaffee- und Kürbisplantagen in Indonesien sowie Erdbeerfelder und Kirschbäume in Südniedersachsen.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine ertragreiche Landwirtschaft nicht ohne Artenvielfalt auskommt“, sagt Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. Teja Tscharntke sagt auch, dass „es sehr riskant wäre, sich bei der Bestäubung von Nutzpflanzen alleine auf die vom Menschen gemanagten Honigbienen zu verlassen.“

Zumal deren Anzahl durch Parasiten und Pestizide zuletzt stark beeinträchtigt worden sei. Seine Forderung: „Konzepte zur Förderung weltweiter Nahrungsmittelsicherheit sollten auch den Schutz frei lebender Bestäuber, namentlich der Wildbienen, berücksichtigen.“ Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht. (tko)

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