Igel besucht Kindergarten: Igelstation-Betreiberin gibt Infos zu den Tieren

+
Klein und stachelig: Wenn der Laubhaufen fehlt, der Igel kein Futter findet und krank wird, dann nimmt ihn die Igelstation von Regina Reineke aus Jühnde bis zum Frühling auf.

Bei der Pflege kranker Igel kann viel schief gehen: Deswegen lernten nun die Kinder der Roten Gruppe im Göttinger AWO-Kindergarten KiesSeeKarree alles, was man über das stachelige Säugetier wissen muss.

Göttingen. So schwer wie eine halbe Packung Mehl sollte ein gesunder, erwachsener Igel mindestens wiegen, damit er sicher überwintern kann. Doch viele Tiere, die in die Igelstation von Regine Reineke nach Jühnde im Landkreis Göttingen gebracht werden, sind meist halb so leicht, krank und oft auch nicht ausgewachsen. „Jede Privatperson darf in Deutschland einen kranken Igel aufpeppen, aber viele machen es falsch“, sagt die ehemalige Krankenschwester.

In den achtziger Jahren fand Reineke ihren ersten Igel und brachte ihn mit Hilfe von Tierärzten sicher durch den Winter. Seitdem kümmert sich die Igel-Mama, wie die Kindergarten-Kinder sie liebevoll nennen, um kranke und verwaiste Igel und hat sich über die Jahre mit Fachliteratur und dem Erwerb eines Sachkundenachweises durch das Veterinäramt viel Wissen zu den Tieren angeeignet.

Seit September diesen Jahres betreibt sie in Kooperation mit dem Tierschutzverein Friedland und Umgebung die Igel-Station in ihren Wohnhaus, einem ehemaligen Bauernhof. 22 Igel überwintert derzeit dort. „Die kräftigen, dicken schlafen jetzt schon im Kuhstall. Die kleinen Jungtiere, die spät im August und September geboren wurden und noch zu schwach für die Überwinterung sind, habe ich auf dem Dachboden“, sagt Reineke. Dort haben die Tiere ihre Ruhe.

Ida zu Besuch in der Kita 

Für den Info-Tag mit den Kindern brachte Reineke die Igel-Dame Ida mit. Begeistert umringten die Kinder das Tier und stellten viele Fragen mit zum Teil unerwarteten Antworten: „Igel fressen keine Äpfel, nur die Würmer, die man darin findet“, erklärte Reineke zum Beispiel.

Was die Kinder auch lernten: Zu einer Zeit, in der ein Menschenkind schlafen geht, wachen die Igel auf und suchen sich im Dunkel ihr Essen - hauptsächlich Insekten, Schnecken und Würmer. „Wenn die Igel aber krank werden und zu mir auf den Hof kommen, dann fressen sie auch gerne Katzenfutter oder Eier“, sagt Reineke. Mit Spenden an den Tierschutzverein Friedland kann Reineke Futter, Tierarzt-Besuche und die Medizin für die kranken Igel bezahlen. Eine Facebook-Gruppe namens „Igelhilfe Göttingen und Umgebung“ wurde ebenfalls für Spender und Helfer eingerichtet.

Als Dankeschön für den Besuch im Kindergarten bekam Igel-Dame Ida Geschenke von den Kindern: Katzenfutter, Eier, Möhren, aber auch Pappkartons für ihre Igelfreunde - denn die müssen ja auch einen sicheren und warmen Schlafplatz haben.

Bundesnaturschutzgesetz zur Igelpflege

Nicht jeder Igel darf mit nach Hause genommen werden. Das Bundesnaturschutzgesetz gibt Vorschriften zu besonders geschützten Tier- und Pflanzenarten. Auch der Igel gehört nach dem Gesetz zu einer geschützten Tierart.

Verboten ist es, wild lebende Tiere zu fangen, zu verletzten, zu töten oder sie in ihrem Nist-, Brut- oder Zufluchtsstätten zu stören. Man darf diese Tiere nicht in Besitz nehmen, verkaufen und zur Schau stellen.

Ausnahmen bestehen, wenn der Igel verletzt, hilflos oder krank ist. Dann darf man sie gesund pflegen, muss sie aber sofort ins Freie entlassen, sobald sie sich selbstständig erhalten können.

Bei der Tierhaltung muss beachtet werden, dass das Tier entsprechend seiner Bedürfnisse untergebracht wird. Der schnellfüßige Igel muss viel Auslauf haben können und sollte artgerecht ernährt und gepflegt werden. Wer einen Igel über den Winter pflegt, sollte laut Bundesnaturschutzgesetz die dazu nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten haben.

www.tierschutzverein-friedland.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.