Ilona Carl: Eine Frau für alle Sucht-Fälle an Uni und Uni-Klinik

+
Eine hilft allen: Ilona Carl ist als Suchtbeauftragte der Universität Göttingen inklusive Universitätsmedizin für etwa 13.000 Mitarbeiter da.

Göttingen. Ilona Carl ist die Suchtbeauftragte des größten Arbeitgebers weit und breit: Sie ist für etwa 13.000 Mitarbeiter von Uni-Medizin und Universität zuständig.

Ilona Carl ist auch Chefin - für eine Abteilung. Und die besteht aus Ilona Carl. Unterstellt ist sie direkt der Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel. „Eines besondere Situation“, schmunzelt die 53-Jährige.

Vorteil: So bleibt vieles bei ihr, die Anonymität für ihre „Patienten“ ist gewährleistet wenn sie in ihrem Ein-Frau-Büro, das - anonym - in einem Uni-Wohnblock untergebracht ist, Ratsuchende empfängt. Im April hat sie ihren Vorgänger abgelöst. Carl kannte fast niemanden und bekam kaum Informationen mit auf den Weg: „Mein Vorgänger hat alles im Kopf mitgenommen. So soll es ja auch sein.“ Aufzeichnungen, Gesprächsprotokolle mit suchtgeplagten Mitarbeitern blieben geheim. „Ich fing bei Null an.“

Deshalb will Carl zunächst bekannt werden: Alle solle wissen: Sie ist die, die Antworten auf Suchtfragen geben kann. „Ich möchte alle erreichen.“ So stellt sie sich in Abteilungen, bei Veranstaltungen, vor allem bei Führungskräften vor. Sie sind das Bindeglied zu den Mitarbeitern. Sie erfüllen die Fürsorgepflichten.

Doch das Feld das Ilona Carl beackern muss, ist die riesige Uni mit zig Standorten, Fakultäten und Fachbereichen. Dort heftet sie an die schwarzen Bretter knallgelbe Zettel mit ihren Kontaktdaten.

Um die freilich gab es anfangs Probleme: Carl arbeitet für zwei Einrichtungen, die UMG und die Universität. So hat die Suchtbeauftragte auch (noch) zwei E-Mail-Adressen.

Zuvor arbeitete sie in einer kleineren Einheit, in Northeim als Suchtberaterin. „Ich war sehr zufrieden.“ Etwas anderes wollte sie trotzdem machen - wie schon einmal in ihrem Leben, als sie die St. Marien-Kindertagesstätte verließ. „Ich habe gerne als Erzieherin gearbeitet“. In dem Beruf, den sie in ihrem Geburtsland Polen erlernt hatte. Doch neue Ufer lockten: Carl bildete sich in der Suchtberatung fort. Im Job kümmerte sie sich dann oft um Menschen, die als Spätaussiedler ihre Probleme mit Drogen, meist Alkohol, hatten. Dabei halfen ihr Sprachkenntnisse, Lebenserfahrung und das Erlernte, wie sie erzählt. Fähigkeiten, die sie auch jetzt in die Waagschale wirft.

In UMG und Uni findet sie als Stütze einen Rahmen zur Suchtprävention und -hilfe vor: Es gibt einen 5-Stufen-Plan mit Verhaltensregeln (siehe Extra-Text). Die basieren auf einer Uni-Dienstvereinbarung. Ziel ist die Hilfe für Betroffene. „Ein hervorragendes Gerüst“, wie Carl findet. Ein Programm, dass auch, wenn alle Vorstufen nicht greifen, am Ende die Kündigung vorsieht. So weit aber soll es - trotz vieler Problemfälle, wie sie bereits gemerkt hat - nur selten kommen. Dafür ist Ilona Carl angetreten im Riesenunternehmen Uni.

Suchtprävention und -beauftragte

Bereits seit vielen Jahren gibt es für die Universität Göttingen eine Dienstvereinbarung zur Suchtprävention und -hilfe. Sie enthält auch einen Stufenplan, der das Vorgehen bei Suchtproblematiken von Mitarbeitern festschreibt: So werden bei einem auffälligen Suchtverhalten zunächst Gespräche zwischen Mitarbeiter und direktem Vorgesetzten anberaumt. Bei keiner Besserung der Situation werden Hilfsangebote gemacht, weitere Gespräche geführt. Nächster Schritt: Die Suchtkranken müssen die Beratung nachweisen, weiter kann es zur Aufforderung zur Behandlung kommen. Machen die Mitarbeiter dabei nicht mit, drohen disziplinarische und personelle Konsequenzen und gar das Ende des Arbeitsverhältnisses. Aber: Es wird bei Verbesserung auch ein Angebot zur Wiedereinstellung gemacht. (tko)

Suchtbeauftragte der Uni (für Mitarbeiter): Ilona Carl, Tel. 0551/39-9763; E-Mail: ilona.carl@zvw.uni-goettingen.de; ilona.carl@med.uni-goettingen.de; Büro: Am Vogelsang 3/114, 37075 Göttingen, Nähe Uni-Klinikum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.