Tierische Landschaftspflege

In Lenglern übernehmen die Dexter-Rinder Emma, Balu und Co die Landschaftspflege am Kramberg

Nachwuchslandwirt Emil Kratzat steht mit seinem Dexter-Rind auf einer grünen Wiese. Im Hintergrund sind weitere Rinder zu sehen.
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Nachwuchslandwirt Emil Kratzat aus Reyershausen hilft dem Landschaftspflegeverband mit seinen Dexter-Rindern.

Landschaftspflege mal anders: In Lenglern kümmern sich derzeit sieben Dexter-Rinder aus Reyershausen darum, dass das Gebiet am Kramberg nicht „verbuscht“.

Sie heißen Annabelle, Emma, Balu und so fort. Emil Kratzat aus Reyershausen hat für sie alle einen Namen. Sieben seiner derzeit elf Dexter-Rinder sind über den Sommer nach Lenglern gezogen. Grasend sollen sie am Kramberg für die Landschaftspflege sorgen.

Der Landschaftspflegeverband habe bei ihm angefragt, ob er die 5 ½ Hektar große Fläche Landschaftsschutzgebiet in Lenglern bewirtschaften könne, erzählt der junge Nachwuchslandwirt Emil Kratzat (21).

Der Kramberg in Lenglern sei eine der ersten Magerrasenflächen, die der Landkreis Göttingen 1988 mit öffentlichen Mitteln angekauft habe, weiß Ute Grothey, stellvertretende Geschäftsführerin vom Landschaftspflegeverband des Landkreises Göttingen. Bis vor einem Jahr hätten Schafe dort geweidet. Dann musste sich der Landschaftspflegeverband um Nachfolge kümmern.

Sie sorgen für die Landschaftspflege am Kramberg in Lenglern: Die Dexter-Rinder aus Reyershausen.

Grothey berichtet aus Erfahrung, wie schwierig es sei, für solch karge Flächen Landwirte zu finden, die bereit seien, ihre Tiere dort weiden zu lassen. Auf einem Weidetierhaltertreff sei der Kontakt zu Emil Kratzat zustande gekommen.

Dexter-Rinder wurden eigens für diese Aufgabe angeschafft

Im Rahmen seines Projekts „Agentur für Weidetierhaltung“ für Weidenutzung in Hanglagen sei der Landschaftspflegeverband mit dem jungen Landwirt einig geworden. Die Dexter-Rinder schaffte Kratzat eigens dafür an. Es sind die einzigen Tiere dieser Art, die in der Region so eingesetzt werden. Laut Grothey gibt es In Schleswig-Holstein bereits Erfahrung mit der Rasse.

Als Ziel der Offenlandpflege mit den Rindern nennen Landschaftspflegeverband und Kratzat Naturschutz und mehr Artenvielfalt. Die Rinder verhinderten die Verbuschung, die manche seltene Pflanze unterdrücke. Schon durch den Umtrieb von einer Fläche zur anderen trügen sie wertvolles Saatgut weiter, sagt Kratzat.

Kaum größer als ein Shetland-Pony zerstörten die Tiere die Grasnarbe nicht. Auch wenn es mal ein paar Tage regne, werde das Land nicht in eine Schlammwüste verwandelt. Sensible Bereiche werden geschützt. Ein Teilstück, auf dem Orchideen blühen und außerdem seltene Kräuter wachsen, wird erst im August zur Beweidung freigegeben.

Landwirt versorgt seine Rinder jeden Morgen vor der Arbeit mit frischem Wasser

„Für meine Rinder ist es ein Paradies“, schwärmt der Nebenerwerbslandwirt von den Flächen. „Man freut sich jedes Mal, wenn man herfährt“, sagt Kratzat. In einem 600-Liter-Tank auf seinem Pickup bringt er auf dem Weg zur Arbeit täglich frisches Wasser zu den Rindern.

Doch nicht nur er sieht nach den Tieren. Damit sie immer gut versorgt sind, ist seine Mutter mit im Boot. Außerdem hat Kratzat sich mit einem Outdoorfan vor Ort abgesprochen. Auf dessen ausgedehnten Runden schaue er stets bei den Rindern vorbei. „Man trifft immer neue Leute“, freut sich Kratzat über solche Kontakt. Er baut auf Vernetzung und Nachbarschaftshilfe.

Auch nach Feierabend kümmert Kratzat sich täglich. Zufüttern und Düngen darf er nicht. Er muss Zäune ziehen, Heu machen, was gerade anfällt.

Ende November steht der Umzug nach Reyershausen an

Ist alles geschafft, wartet organisatorische Arbeit. Bis nach Mitternacht sitze er dafür am Schreibtisch. Seinem Hobby – für ihn ist das die Landwirtschaft – räumt der Überzeugungstäter Priorität ein.

Auch die Dexterrinder erfüllen ihre Pflicht und fressen eifrig gegen die Verbuschung. Im November ist die Weidezeit vorbei. Dann müssen Annabelle, Emma, Balu und die anderen wieder nach Reyershausen umziehen, um dort aufs nächste Frühjahr zu warten. (Ute Lawrenz)

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