Info-Tag für Lehrer: Den Salafisten auf der Spur

Ultrakonservative Strömung: Salafismus beschäftigt auch Lehrer und Jugendarbeiter in Südniedersachsen. Rubrikenlistenbild: dpa

Göttingen. Salafisten gibt es auch in Südniedersachsen. Doch wie kann man das Problem angehen? Dazu gab es am Donnerstag eine Präventionsveranstaltung der Polizei in Göttingen.

Etwa 50 Vertreter von Schulen und Jugendeinrichtungen waren zu dem Info-Tag in die Weender Polizeidienststelle nach Göttingen gekommen. Ein Islam-Wissenschaftler, der beim Landeskriminalamt in Hannover arbeitet, gab wertvolle Einblicke.

So verändern manche Salafisten ihr Äußeres und ihr Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht, lehnen die Demokratie ab und idealisieren den Gottesstaat. Genauer hinschauen müsse man auch, wenn plötzlich Fahnen des Islamischen Staates, zum Beispiel auf Handys beziehungsweise Smartphones, auftauchen.

Ziel ist Gottesstaat

Ziel des Salafismus sei es, einen Gottesstaat, in dem das islamische Recht der Scharia gilt, aufzubauen, so der Experte. Als Vorbild diene dabei der Islam, der im siebten und achten Jahrhundert gelebt wurde. Laut Online-Lexikon Wikipedia gilt der Salafismus als eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams.

Gleichzeitig machte der Wissenschaftler klar, dass nur eine absolute Minderheit der in Deutschland fünf Millionen Muslime dieser Gruppe zuzurechnen ist. Nach einer aktuellen Erhebung gibt es in der Bundesrepublik etwa 7000 Salafisten, darunter 400 in Niedersachsen – eine Verdopplung seit 2010. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl an Sympathisanten.

Nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden sind inzwischen etwa 700 Männer und Frauen, darunter 50 bis 60 aus Niedersachsen, ausgereist, um sich dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Ein Fünftel der Ausgereisten sind Frauen. Jeder Sechste kam dort inzwischen ums Leben. Für Schlagzeilen sorgte ein Göttinger, der als Kämpfer ausgereist war. Auch eine junge Frau aus Südniedersachsen hatte Deutschland in Richtung IS verlassen.

Gleichzeitig warb der Islamexperte für die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft. Das sei wichtig, damit Salafisten keine Anwerbung gelingt. In der kommenden Zeit sollen Mitarbeiter von Flüchtlingsheimen sensibilisiert werden, damit sie Anwerbeversuche verhindern können.

Polizeidirektor Gerd Hujahn von der Polizeiinspektion Göttingen lobte das Engagement von Lehrern und Jugendarbeitern, die an der Veranstaltung teilnahmen. Es sei wichtig, sich zu informieren.

Für Eltern, Lehrer und andere Betroffene, die bei dem Thema Unterstützung brauchen, wurde inzwischen in Hannover eine Beratungsstelle eingerichtet.

Kontakt:  Verein beRATen, Herschelstraße 32, 30159 Hannover, Tel. 0511/700 520 40 (werktags von 9 bis 15 Uhr), E-Mail: info@beraten-niedersachen.de

www.beraten-niedersachsen.de

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.