Ingenieurbüro aus Reinhausen: Wasserschutz ist Erfolgsmodell

Schutzgebiet: Immer wieder muss zwischen Landwirten und Wasserversorgern vermittelt werden. Dabei hilft die Firma „Geries Ingenieure“. Foto: Landpixel

Reinhausen. Trinkwasserwirtschaft und Landwirtschaft - eine Schicksalsgemeinschaft in einem Land wie Deutschland, das sein Wasser dezentral aus vielen kleinen und großen Wasserschutzgebieten, verstreut im ganzen Land, bezieht.

Seit 25 Jahren vermittelt „Geries Ingenieure“ aus Reinhausen zwischen Landwirten und Wasserversorgern. Hintergrund: Die Wasserwerke können nicht ohne Rücksicht auf die Landwirte arbeiten und die Landwirte schon gar nicht, als ob ihnen das Trinkwasser unter ihren Äckern egal wäre. Denn alles, was oben falsch läuft, kann sich später im Trinkwasser wiederfinden. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft in den 70er und 80er Jahren verschärften sich die Konflikte, die Fronten waren allerorten verhärtet.

Nitrat-Grenzwert 

Als 1987 der gesetzlich zulässige Nitratwert im Trinkwasser von 90 auf 50 Milligramm pro Liter herabgesetzt wurde, war vielerorts Handeln angesagt. „Die Landwirte wollen gut ernten und düngen dafür mit Stickstoff. Aber überschüssiger Stickstoff wäscht sich aus und landet später als Nitrat im Trinkwasser“, erklärt Dr. Hartmut Geries, der damals mit einem Kollegen ein Labor für Bodenproben in Gillersheim bei Katlenburg betrieb, den Konflikt.

In Hameln an der Weser wurde schließlich „Trinkwassergeschichte“ geschrieben, denn Stadtwerke und Landwirte setzten sich dort 1989 an einem Tisch, sprachen die Probleme offen an, diskutierten über zu ergreifende Maßnahmen und wie diese ausgeglichen werden müssen. Unter anderem war es Geries, der als gelernter und studierter Landwirt sowie Experte für Bodenkunde zwischen den Parteien vermittelte, hunderte Boden- und Wasserproben untersuchte und Änderungen in der Bewirtschaftung vorschlug - mit Erfolg. Das war die Geburtsstunde für das erste, am 1. Juli 1989 abgeschlossene „Kooperationsmodell zum Trinkwasserschutz“ und schließlich auch fürs Büro „Geries Ingenieure“, das 1990 gegründet wurde und heute in Reinhausen bei Göttingen seinen Sitz hat. Das Unternehmen betreut heute 99 Wasserschutzgebiete zwischen Cuxhaven an der Nordsee und Uschlag an der hessischen Landesgrenze sowie Schleswig-Holstein und beschäftigt 30 Mitarbeiter, unter anderem auch in den Außenstellen Hessisch Oldendorf, Gifhorn, Zeven und Elmshorn.

Kontakt: Geries Ingenieure Büro für Standorterkundung GmbH, Kirchberg 12, 37130 Gleichen, Tel. 05592/92760, E-Mail: goettingen@geries.de 

www.geries.de

Kaum Pflanzenschutzmittel im Wasser

Nitrat und Pflanzenschutzmittel im Grundwasser - diese Meldungen schreckten in den vergangenen Monaten auf. Doch wie ist es ums Trinkwasser in Südniedersachsen bestellt?

„Wir haben Pflanzenschutzmittelrückstände im Grundwasser schon seit den 90er Jahren im Fokus“, sagt Dr. Hartmut Geries. Im Grundwasser finden sich meist keine Pflanzenschutzmittelwirkstoffe selber, sondern deren Abbauprodukte, die so genannten nicht relevanten Metabolite, die nicht giftig sind. Dennoch zeigen die Metabolite an, dass Reste von oberirdisch ausgebrachte Spritzmittel irgendwann im Wasser landen können. Das könne aus der Landwirtschaft kommen, aber auch aus anderen Anwendungen, vor allem beim unsachgemäßen Gebrauch auf befestigten Flächen oder in Gärten, von der Unkrautbekämpfung auf Bahngleisen oder durch einen in der Natur entsorgten Spritzmittelkanister.

Im Landkreis Göttingen habe man kürzlich das Grundwasser auf 128 verschiedene Stoffe untersucht und keine schädliche Substanz in grenzwertüberschreitender Konzentration gefunden. An anderen Stellen in Niedersachsen gäbe es Funde, aber häufig auch von Mitteln, die seit bis zu 30 Jahren bereits verboten sind, die aber immer noch im Grundwasser gefunden werden. Auch die Nitratbelastung hat sich in Südniedersachsen verringert. Weil in Südniedersachsen die Brunnen in der Regel sehr oberflächennah sind, würden sich die freiwilligen Maßnahmen zum Trinkwasserschutz auch verhältnismäßig schnell bemerkbar machen.

So sei beispielsweise im mittlerweile geschlossenen Wassergewinnungsgebiet in Hemeln die Nitratkonzentration nach der Umsetzung des Kooperationsmodells innerhalb von zehn Jahren von 60 auf unter 35 Milligramm pro Liter gesunken.

Von Christian Mühlhausen

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