Innovationspreis des Landkreises: Wenn die Ideen zünden

Über allen thront die Trophäe: Ein Mann trägt ein Pferd – die Skulptur für die Sieger beim Innovationspreis ist ein starkes Symbol. Auf der Bühne im Deutschen Theater stellten sich die Ausgezeichneten zum Erinnerungsfoto auf. 13 Ideen, Entwickler und Unternehmer wurden belohnt. Foto: Jelinek

Göttingen. Sie züchten Herzgewebe, machen liegengebliebene Sattelschlepper wieder fahrbar und verhindern Wasserschäden unter der Duschwanne - Unternehmer, Entwickler mit Ideen wurden am Mittwoch im Deutschen Theater mit dem Innovationspreis des Landkreises ausgezeichnet. Und Landrat Bernhard Reuter, brachte eine Kuckucksuhr mit. „Die war auch einmal eine Innovation.“

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein, ist aber Realität: Vom Studenten, Start-Einzelunternehmer und Verein oder Bildungsträger bis zum Global-Player machen alle mit, bewerben sich um den Inno-Preis. Und um diese Vielfalt gehe es, wie Reuter vor den 460 geladenen Gästen sagte.

Die Region werde zwar als strukturschwach eingeordnet, sei aber gleichzeitig eine mit unglaublich innovativen Unternehmen und Entwicklern. „Der Innovationspreis zeigt immer wieder, was wir zu bieten haben.“

In den drei Kategorien bewarben sich 94, 76 waren schließlich im Wettbewerb dabei. Jeweils die Top-5 kamen in den Genuss, per Video auf der Leinwand präsentiert zu werden. Danach öffnete der locker-humorvolle Moderator Lars Wätzold den Umschlag und verlas die drei Erstplatzierten.

Dass eine Uni-Region von der Wissenschaft profitiert, davon kündete die diesjährige Preisverleihung. Unter den Bewerbern und Ausgezeichneten waren auch einige Ausgründungen. Platz eins bei den Jungunternehmern ging so an die Myriamed GmbH. Sie sitzt zwar in Hamburg, geht aber aus Wissenschaftlern hervor, die in der Universitätsmedizin Göttingen gearbeitet haben. Bewertet wurde eine vor einem Jahr als Sensation gemeldete Neuerung: Die Forscher um Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann züchten Herzgewebe, um daran die Verträglichkeit von Medikamenten zu testen. „Der Preis ist eine Motivation für uns - wir hoffen, mit unserer Entwicklung die Arzneimittelsicherheit zu erhöhen.“

Noch ein Beispiel für den Doppelpass zwischen Hochschule und Wirtschaft ist der erste Platz bei Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern für das Produkt „Plasmaderm“, mit dem Wunden effektiver und schonender behandelt werden können. Das wird in Kombination von Wissenschaftlern des Fraunhofer/HAWK-Institutes, der UMG und der Ausgründung Cinogy GmbH hergestellt. Dass die Kooperation funktioniert betonte Prof. Wolfgang Viöl (HAWK): „Danke für die tolle Zusammenarbeit, super!“

Nicht-Unternehmer dabei

Dass ein Ereignis eine längst schlummernde, geniale Idee zu einem Ergebnis, das die Welt noch nicht gesehen hat, führen kann, dafür steht die Weltneuheit „Greifus“. Dahinter verbirgt sich eine Abschlepphilfe für Sattelschlepperanhänger. Günter Michalke von GTM Fahrzeugmodule (Göttingen) legte los, nachdem ein Stau, verursacht durch einen kaputten Lastwagen, die schlummernde Idee bei ihm gezündet hatte. Technisch eine Kleinigkeit, macht „Greifus“ das Weiterfahren des Sattelzuges in Minuten möglich, dort, wo vorher abgeschleppt werden musste.

„Das ist doch genial , dass so etwas hier entwickelt wird“, freute sich Moderator Lars Wätzold. Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Außer, dass auch die anderen Bewerber, darunter Nichtunternehmer, prima Ideen einbrachten. Schön, dass ein Teilnehmer für eine Programmänderung sorgte: So durften die Ausgezeichneten kurz sprechen. Das machte die Sache lebendiger. Ebenso wie der Auftritt der tollen Jazz-Band des Hainberg-Gymnasiums, die Riesenapplaus erntete.

Sieger in der Kategorie Gründer/Jungunternehmer

1. Platz: Myriamed GmbH (Hamburg). Mit Hilfe von menschlichen embryonalen Stammzellen wird Herzgewebe gezüchtet, das auf die Verträglichkeit von Medikamenten getestet wird. Ziel und Traum ist die Reparatur von Herzgewebe.

2. Flexbio, (Göttingen). Entwicklung einer kompakten, vollbiologischen Kläranlage. Nebenbei wird Energie gewonnen und wenig Prozessenergie benötigt.

3. Odernheimer/Schönwitz/Reh GbR (Kassel): Medizin-Rucksack, solarbetrieben zur Sterilisation von OP-Bestecken in Entwicklungsländern. (tko)

Sieger 2

Sieger in der Kategorie Unternehmen bis 20 Mitarbeiter:

1. GTM-Fahrzeugbaumodule (Göttingen): Abschlepphilfe für Sattelaufhänger. Flexibler Achsheber, der die Luftfederung nutzt. Fix verwendbar, erspart das Abschleppen bei Pannen.

2. IGR - Institut für Glas- und Rohstofftechnologie GmbH (Göttingen): Glas-Experte Dirk Diederich aus Uslar wurde schon mehrfach ausgezeichnet. Verfahren zur Erkennung von Lebensmittelverunreinigungen wie durch Glassplitter.

3. Grünewald, Planen.Bauen.Leben (Scheden). Entwässerte Abdichtung unter der Dusch- und Badewanne. (tko)

Sieger in der Kategorie Unternehmen über 20 Mitarbeiter:

1. HAWK/UMG/Cinogy GmbH (Göttingen/Duderstadt): Produkt Plasmaderm - mit Plasmaphysik Wunden heilen. Dadurch wird eine keimfreie Wundversorgung möglich. Resistente Keime werden abgetötet.

2. Europaschule BBS 1 (Northeim): Konzept Ausbildung China-Kaufmann. China-Kompetenzen in der ökonomischen Bildung erwerben. Verbesserung der Job-Chancen. In Northeim haben 800 Schüler Chinesisch-Sprachkurse belegt.

3. LaVision GmbH (Göttingen): Laser-Projektor, Erkennung von Produkt-Verformungen. (tko)

Sonderpreis Umwelt:

Minister Stefan Wenzel zeichnete die Solarvent Biomasse Heizsysteme GmbH (Bad Gandersheim) für die Pelletheizung mit extremen Wirkungsgraden aus.

Sonderpreis Wissenschaft:

Universitätsmedizin Göttingen: Auf dem Weg zu einem Alzheimer-Wirkstoff, Antikörper soll gegen Demenz wirken.

Sonderpreis Bildung:

Carl-Friedrich-Gauß-Schule (Groß Schneen): Programm zur Berufsorientierung.

Sonderpreis Messtechnik:

DLR Göttingen: Rotierende Kamera zur Propeller-Messung. (tko)

Preise und Jury

Den Innovationspreis des Landkreises gibt es seit 2003. Federführend ist die Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG). Prämiert werden die ersten Drei in drei Kategorien (Preisgeld 3000, 2000, 1000 Euro). Dazu kommen vier Sonderpreise (je 3000 Euro). Die Jury 2014: Klaus Bobey, Daniel Farnung, Christoph Jess, Stefan Keveloh, Christina Qaim, Gerd Rappenecker, Reiner Strunk-Lissowski, Bernhard Vollmar, Sabine Warkentin. Sponsoren: die Sparkassen Göttingen, Duderstadt, Münden, Stadtwerke, Umweltministerium, Measurement Valley. (tko)

Von Thomas Kopietz

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