Ehemaliger Aufsichtsrat soll 210.000 Euro zahlen

Junges Theater: Insolvenzverwalter will noch mehr Geld

Spielstätte am Wochenmarkt: Das Junge Theater ist in die neue Saison gestartet – auf der Bühne und vor Gericht. Es geht dort um die im Alltagsgeschäft längst überwundene Insolvenz aus dem Jahr 2010 und Folgen von Betrügereien. Archivfoto: nh

Göttingen. Das juristische Nachspiel um die Insolvenz des Jungen Theaters im Jahr 2010 dauert an und könnte für den einstigen Aufsichtsrat noch teurer werden als zunächst angenommen.

Der Insolvenzverwalter Burghard Wegener erhöhte am Mittwoch vor dem Landgericht Göttingen die Forderungen gegenüber den Gremiummitgliedern auf 210.000 Euro. Im Vorfeld der Verhandlung hatte er eine Forderung von etwa 40.000 Euro geltend gemacht.

Vor Gericht betonte Wegener, dass den Gläubigern ein Schaden von 210.000 Euro entstanden sei.

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Er wirft den sieben Aufsichtsratsmitgliedern auch vor, dass sie sich bei der Prüfung des Jahresabschlusses 2009 kein Originalexemplar haben vorlegen lassen. So hätten sie nicht bemerkt, dass die damalige Buchhalterin die Unterlagen gefälscht hatte.

Die Mitarbeiterin hatte Abschlüsse von 2007 bis 2009 manipuliert.

Der Insolvenzverwalter fand 2010 ein Chaos von ungeordneten Belegen vor. Er stellte er fest, dass in der Bar-Kasse 47.000 Euro fehlten. Außerdem hatte die Buchhalterin 2009 acht Schecks in Höhe von 15.000 Euro ausgestellt und eingelöst, für deren Verwendung es keine Belege gab.

Das Arbeitsgericht Göttingen war im November 2011 der Ansicht, dass die ehemalige Buchhalterin haftbar war, nicht aber der damalige Geschäftsführer Andreas Döring. Er sei zwar für die Erstellung der Jahresabschlüsse mit verantwortlich gewesen, habe aber keine kaufmännische Erfahrung gehabt. Das sei auch allen Beteiligten bekannt gewesen. Der Schadensersatzanspruch gegen Döring wurde damals abgelehnt.

Im September 2012 hat der Insolvenzverwalter Wegener den ehemaligen Aufsichtsrat auf Schadensersatz verklagt und nun die Forderung erhöht.

Das Junge Theater hat mit neuem Kontrollgremium, dem Intendanten Andreas Döring und der Geschäftsführerin Miriam Winterstein die dramatischen Zeiten mittlerweile hinter sich gelassen. Das zurückliegende Geschäftsjahr verlief zufriedenstellend, das Stammkapital wurde aufgestockt. Die Saison hat mit vielversprechenden Premieren begonnen. (tko/pid/dpa)

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