Mehrere Feuerwehreinsätze innerhalb weniger Monate

Institut: Wäschetrockner sind „brandgefährlich“

Ausgebrannter Wäschetrockner in Echte: Innerhalb von Minuten können die Elektrogeräte Räume in Brand setzen. Foto: nh

Göttingen/Northeim. Sie gehören zu den besonders gefährlichen Elektrogeräten: Immer wieder gehen Wäschetrockner in Flammen auf.

Innerhalb von wenigen Monaten gab es in Südniedersachsen gleich mehrere Einsätze für die Feuerwehren, bei denen defekte Trockner für Brände sorgten. Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung aus Kiel bezeichnet die Trockner als „brandgefährlich“. Hintergrund: Die Wäsche im Innern wird richtig heiß. Elektrische Geräte gehören nach Darstellung des Instituts zu den Hauptverursachern für Brände. Und Trockner führen stehen dieser Kategorie ganz oben auf der Liste.

Ein Problem: Defekte Bauteile oder produktionsbedingte Fehler können Ursachen für einen Brand von Elektrogeräten sein. „Immer wieder entdecken wir auch Bauteile aus dem Billigsektor“, sagt Dr. Hans-Hermann Drews, Geschäftsführer des Kieler Instituts. Es untersucht im Auftrag der öffentlichen Versicherer bei schwierigen Fällen die Unglücksursachen.

Ohne vorherige Anzeichen kann es in Wäschetrocknern zu einem Kurzschluss kommen, warnen die Kieler Experten. Fatal kann es werden, wenn man das Feuer nicht schnell genug bemerkt, weil das Gerät über Nacht läuft oder die Bewohner während des Betriebs unterwegs sind.

Das Kieler Institut rät deshalb, nicht aus dem Haus zu gehen, wenn der Trockner angestellt wurde. Außerdem sollte man die beliebten Haushaltsgeräte lieber nicht über Nacht laufen lassen.

Northeims Kreisbrandmeister Bernd Kühle rät den Nutzern von Wäschetrocknern, unbedingt die Filter der Geräte regelmäßig und nach Vorschrift aus der Anleitung zu reinigen. „Was sich in den Flusensieben so ansammelt, ist enorm“, weiß Kühle. 

Fragen und Antworten: Trockner nicht alleine laufen lassen

Bei dem Betrieb von Elektrogeräten - und insbesondere Wäschetrocknern - kann viel schief gehen. Dazu Fragen und Antworten.

Darf man Wäschetrockner nur unter Aufsicht laufen lassen? 

Die Hersteller machen dies in der Regel in ihren Bediendungsanleitung nicht zur Bedingung. Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung empfiehlt aber, Trockner nur unter Aufsicht laufen zu lassen. Das gilt nach Ansicht der Kieler Experten auch für andere Geräte - zum Beispiel Geschirrspülmaschinen oder Waschmaschinen.

Was sollte man tun, wenn Elektrogeräte nicht in Betrieb sind? 

Das Kieler Institut rät: Nach dem Betrieb sollte man den Stecker ziehen oder zumindest über eine schaltbare Steckdose die Stromzufuhr unterbrechen. Hintergrund: Bei Wäschetrocknern, die es in jedem zweiten Haushalt in Deutschland gibt, kann es ohne Vorwarnung zum Kurzschluss kommen. Bei einem Video-Experiment zeigt das Kieler Institut, wie ein Trockner einen Raum innerhalb von Minuten in Brand setzt.

Welche speziellen Empfehlungen gibt es für Trockner? 

Dem Wäschetrockner kann man von außen nicht ansehen, ob die Kontakte und Elektronik im Inneren in Ordnung sind. Wäschetrockner sollten, wenn möglich, freistehend aufgestellt werden. So wird verhindert, dass Flammen aus der Maschine den Raum in Brand setzen können.

Gibt es Probleme mit einem bestimmt Modell? 

Ja, nach Angaben des Kieler Instituts machen bestimmte Trockner von Siemens, die 2002 gebaut wurden, Probleme. Dort kam es durch ein fehlerhaftes Bauteil zu Bränden. Ob das eigene Gerät betroffen ist, kann man im Internet überprüfen.

Was muss man bei der Benutzung von Wäschetrocknern beachten? 

In jedem Fall die Bedienungsanleitung. Wichtig ist die regelmäßige Reinigung der Flusensiebe. Außerdem darf nur Kleidung in den Trockner, die dafür vorgesehen ist - Wäscheetiketten beachten.

Was ist beim Thema Rauchmelder in Häusern und Wohnungen aktuell wichtig? 

Die Rauchmelder müssen in allen Häusern und Wohnungen in Niedersachsen spätestens bis zum Jahresende installiert sein. Sie warnen bei Rauchentwicklung und können Leben retten. Wenn ein Wäschetrockner im Keller steht, kann es sinnvoll sein, auf „vernetzte Rauchmelder“ im gesamten Haus zu setzen. Dann wird überall gleichzeitig Alarm ausgelöst.

www.rauchmelder-lebensretter.de

Wie sieht es mit Brandschutztüren aus? 

Sie müssen im Haus natürlich unbedingt geschlossen sein. Nur so können sich Rauch und Feuer nicht so schnell im Gebäude ausbreiten. Man darf die speziellen Türen nicht aus Bequemlichkeit einfach offen stehen lassen. Bewohner sollten zudem im Brandfall unbedingt ihre Schlüssel mitnehmen, damit die Feuerwehrleute schnell Zugang zu den Räumen im Haus bekommen. www.ifs-ev.org

Hintergrund: Defekte Geräte sorgen für Feuerwehreinsätze

Gleich mehrere Einsätze durch defekte Wäschetrockner gab es in den vergangenen Wochen und Monaten in der Region:

• 25. Juli 2015: Im Keller eines Wohnhauses in Echte brennt ein Wäschetrockner. Die Bewohner können sich selbst retten.

• 24. Juli 2015: Ein Wäschetrockner löst im Keller eines Mehrfamilienhauses am Mühlenanger in Northeim ein Feuer aus. Der Rauch versperrt den Hausbewohnern den Fluchtweg. Die Feuerwehr muss vier Personen retten.

• 12. Mai 2015: Im Keller eines Mehrfamilienhauses an der Northeimer Heinrich-Schütz-Straße kommt es zu einem Schwelbrand. Ein defekter Wäschetrockner war heißgelaufen.

• 24. November 2014: Ein defekter Wäschetrockner sorgt im Einbecker Ortsteil Dassensen für einen Kellerbrand. (bsc)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.