30 Jahre Wallstein Verlag: Vom Kneipenführer zum preisgekrönten Roman

30 Jahre Wallstein-Verlag Göttingen: Die Mitarbeiter um den Firmengründer Thedel von Wallmoden (mittlere Reihe, rechts). Foto: nh

Göttingen. Der Göttinger Wallstein Verlag feierte auch mit einer Dreifach-Lesung beim Literaturherbst am Dienstagabend sein 30-jähriges Bestehen. Das Unternehmen hat sich mit Augenmaß vom reinen Wissenschaftsverlag auch zum erfolgreichen Belletristik-Buchmacher mit vielversprechenden Autoren entwickelt.

Einer davon, der Schweizer Lukas Bärfuss, tauchte als Überraschungsgratulant bei der Festveranstaltung in der Alten Mensa auf, wo Ralf Dutli, Teresa Präauer („Oh Schimmi“) und Kai Wayand („Applaus für Bronikowski“) lasen.

Aufstieg des Verlages

In der Champions-League spielt Wallstein mit seinen 28 Mitarbeitern zwar noch nicht, aber der Verlag mit dem Sitz in der Geiststraße mischt in der Liga der mittelgroßen Häuser locker mit, findet mehr und mehr Beachtung und feiert Erfolge.

Auf Buchpreis-Liste

So tauchen, meist junge Wallstein-Autorinnen und -Autoren, gerne auch aus der Schweiz, mit schöner Regelmäßigkeit auf der Longlist des Deutschen Buchpreises auf, werden Wallstein-Autoren wie Matthias Zschokke und Lukas Bärfuss mit Buchpreisen ausgezeichnet. „Das macht uns natürlich bekannter“, sagt Verlagsgründer und Geschäftsführer Thedel von Wallmoden.

Transfer brachte Erfolg

Verantwortlich dafür und die Erfolge ist auch eine durch Weitsicht gekennzeichnete „Transferverpflichtung“ von 2004: Thorsten Ahrend kam von Suhrkamp nach Göttingen und übernahm auch Geschäftsanteile bei Wallstein. Er hat die Belletristik im Verlag seitdem stetig ausgebaut. Nach zwölf Jahren bilanziert von Wallmoden: „Die zeitgenössische Belletristik ist zu einem Standbein geworden.“

Wissenschaftsliteratur

Das kräftige Spielbein aber bleibt die Wissenschaftsliteratur. Damit sei Wallstein gewachsen und dieser Bereich habe auch die Belletristik möglich gemacht. Die Kontakte, auch zu Institutionen wie Wissenschaftsakademien, Kommissionen und Instituten, sind eng, der Wallstein Verlag ist für sie verlässlicher Ansprechpartner.

Starke Jungautoren

Verlässlich in der Betreuung wolle man auch für die Autoren sein, sagt Thedel von Wallmoden. Das scheint zu gelingen, denn auch die mittlerweile erfolgreichen jungen Schreiber bleiben bei der Stange, wechseln nicht zu den ganz oben spielenden Verlagen. „Das freut uns.“

Bei allen Erfolgen, die „alte“ Literatur spielt im Verlag-Portfolio weiter eine tragende Rolle, Editionen mit Werken der Literatur- und Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts wird es weiter geben. Wallstein ist und bleibt ein Partner der Literaturwissenschaften, wie der Geschäftsführer sagt.

Moderne Technik

Die Geschichte des Verlages zeigt auch, wie moderne Satz- und Produktionstechnik, Computertechnik und Digitalisierung früh genutzt wurden. Bereits die ersten Produkte wurden am Apple PC erstellt. „Ohne die Computertechnik wäre der Verlag vielleicht nicht entstanden“, blickt von Wallmoden zurück.

Start mit Kneipenführer

Am Anfang stand eine scheinbare „Schnapsidee“: Thedel von Wallmoden, Dirk und Frank Steinhoff gaben 1986 einen Göttinger Kneipenführer heraus, wollten über den Verkauf Geld zur Studienfinanzierung verdienen. Das gelang. Der Kneipenführer war ein Renner, der Verlag gegründet. Weiter ging es mit wissenschaftlicher Literatur.

Blick für Talente

Heute treffen täglich Manuskripte, meist Dateien, im Wallstein-Verlag in der Geiststraße ein. Auch eine Entwicklung der digitalen Zeit. Den Großteil aber müssen die Lektoren in der Geiststraße ablehnen. „Das ist leider so“, sagt Thedel von Wallmoden. Etwa 180 Titel erscheinen pro Jahr bei Wallstein.

Den ausgewiesenen Blick für Talente haben die Wallsteiner um die Geschäftleiter von Wallmoden, Thorsten Ahrend, und Nikola Medenwald jedenfalls.

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.