Feier am Grenzmuseum

Wie vor 25 Jahren: Mit dem Trabi gen Westen

Auf in Richtung Westen: Um 0.35 Uhr setzte sich in der Nacht zum Montag eine Karawane mit Autos, Lastwagen, Mopeds und Motorrädern aus DDR-Produktion in Bewegung. Foto: Niesen

Teistungen. Mit einer Trabiparade, einem Feuerwerk und einem Rockkonzert feierten in der Nacht zum 10. November mehrere tausend Menschen am Grenzlandmuseum Teistungen die Öffnung des Eisernen Vorhangs. Pünktlich um 0.35 Uhr – genau 25 Jahre nach dem historischen Tag – setzten sich weit über 100 Fahrzeuge aus DDR-Produktion in Richtung Westen in Bewegung.

Mit dabei waren Trabants, Wartburgs, Ifa-Lastwagen, Mopeds und Motorräder und andere historische Fahrzeuge aus DDR-Zeit. Dabei gab es „Passkontrolle“ und der „Passierschein“ wurde verlangt.

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Trotz der Volksfeststimmung mischten sich auch nachdenkliche Töne in den Abend. Dafür sorgte unter anderem der Sänger der Kultband City, Toni Krahl, der 1968 wegen einer Protestaktion gegen den Einmarsch der damaligen Warscher Paktstaaten in die frühere Tschechoslowaki drei Monate lang im Gefängnis sitzen musste. „Wir sind heute hier, weil wir frei sind!“ Und als er das Bettina-Wegner-Lied „Sind so kleine Hände“ sang, ließ er noch einmal das Gefühl der Unterdrückung aufblitzen: „Da haben die Funktionäre immer Herpes gekriegt, wenn sie dieses Lied ertragen mussten.“

Wie die Zustände damals im real-existierenden Sozialismus sein konnten, machten einige Eichsfelder deutlich, die sich Uniformen der früheren DDR-Grenzer angezogen hatten und nachspielten, wie vor 25 Jahren mitunter kontrolliert wurde. Da gab’s dann schon mal ein rüdes „Schnauze!“ zu hören.

Gefühl der Freude

Maria und Benno Senge aus Steinbach bei Leinefelde ließen dem Rummel geduldig über sich ergehen. Sie waren vor 25 Jahren unter den ersten zehn Autofahrerin, die damals die Grenze Richtung Duderstadt passierten. „Wir wollten dieses Gefühl der Freunde noch einmal nacherleben“, sagte das Ehepaar entspannt. Damals mischte sich ihren Jubel und die Aufregung allerdings auch noch ein anderes Gefühl, wie sie freimütig einräumten: „Wir hatten Angst, ob wir das schaffen.“

Fest der Einheit am ehemaligen Grenzübergang

Das Ehepaar war mit einem Trabi-Kübelwagen gekommen, der früher von den Grenztruppen genutzt wurde. „Den haben wir in Frankfurt am Main gekauft“, sagten sie. Wie sich die Zeiten ändern.

Maya Hähnel aus Worbis hatte ihren alten DDR-Pass dabei, den sie mit Vergnügen vorzeigte, als sie frierend auf die „25-Jahre-Öffnung“ wartete. Pascal Riemann (17) aus Leinefelde und sein Kumpel Florian Godehardt (22) aus Breitenholz waren beim Fall des Grenze noch nicht einmal auf der Welt. Jetzt hatten sie sich trotzdem auf ihren Mopeds sitzend, Pascal auf einer Simson S51 B24 und Florian auf einer Schwalbe, in die Reihe der Wartenden eingereiht. „Wir wollten nacherleben, wie das damals war“, sagten sie wie aus einem Mund. Für sie ist das Geschehen, dass Duderstadt vorübergehend den Spitznamen Trabbi-Town eintrug, Geschichte, für viele andere war es die Erinnerung an eine Zeit, die von der Freude über die Vereinigung Deutschlands bestimmt wurde und den Eintritt in eine neue Zeit bedeutete.

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