Jahresempfang: Uni Göttingen feiert sich, Stefan Hell und Rita Süßmuth

Ehrung: Uni-Präsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel (rechts) zeichnete die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süßmuth (links) mit der Dorothea-Schlözer-Medaille aus. Die Laudatio hielt Inge Wettig-Danielmeier. Foto: Uni Göttingen/Mischke/nh

Göttingen. Eine Uni-Präsidentin auf Gehstützen, einen Nobelpreisträger mit neuer Brille, zwei Grand-Damen der deutschen Politik und arrivierte, wie junge talentierte Preisträger - all das gab es am Freitagabend beim Jahresempfang der Universität Göttingen im fast „ausverkauften“ Adam-von-Trott-Saal in der Alten Mensa. Das größte Kompliment für die Göttinger Hochschule kam dabei von der Preisträgerin Rita Süßmuth.

Wichtiger Wunsch

Einen Wunsch hat sich die Präsidentin 2016 realisiert: Ihre Idee, mit Nobelpreisträger Stefan Hell eine Ausstellung in Göttingen zu machen, ging in Erfüllung.

Die Ausstellung

Hell war anfangs nicht begeistert. Eine Ausstellung in der Stadt in der man lebe und arbeite, das sei schon seltsamer Gedanke, wie Hell bekundete. Doch der Chemie-Nobelpreisträger 2014 stimmte schließlich zu und arbeitete an Gestaltung, Konzeption und Ausstattung mit, wie auch der Berliner Konzeptmacher Joachim Baur von „Die Exponauten“ - bekannt auch aus dem Museum Friedland - sagte. Am Mittag fertig geworden und von Journalisten erstmals angeschaut, konnten die Empfangsgäste nach den Reden die „on/off“-Ausstellung sehen - empfangen werden sie dort vom kopflosen Hell - einer Schaufensterpuppe, die Hells Smoking vom 10. Dezember 2014 trägt. Sie symbolisiert, dass alle Wissenschaftler den Nobelpreis gewinnen können.

Die Medaille

Eine (Nobelpreis-)Medaille hat auch Stefan Hell in Stockholm erhalten. Rita Süßmuth bekam am Freitag die Dorothea-Schlözer-Medaille der Universität Göttingen - auch für ihren nicht nachlassenden Einsatz für Frauen in der Gesellschaft und Politik. Die Laudatio hielt eine Konkurrentin und geschätzte Kollegin von einst: Inge Wettig-Danielmeier: Süßmuth sei eine offene, überzeugte, unorthodoxe Politikerin - auch abseits der Fraktionszwänge gewesen.

Die Kämpferin

Kämpfen - ein Wort das die Geehrte noch immer im Wortschatz hat. Der Einsatz für die Frauenrechte und vor allem für die Errungenschaften der Demokratie. „Es bedarf konstruktiver Auseinandersetzungen und eines alternativen Denken“, sagte Süßmuth - in der Politik - wie auch im Studium und in den Universitäten. Kämpfen, Streiten - für die Sache. Dafür stand und steht Rita Süßmuth, die über sich selbst sagt: „Ohne Schwierigkeiten hätte ich wohl nichts bewegt.“

Viel Applaus

Sie erhielt einen lang anhaltenden Applaus. Nicht nur, weil sie den Kurs der Präsidentin und der Uni Göttingen teilt: Für die Georgia Augusta sieht sie gute Perspektiven, auch, weil sie die Wissenschaft in die Öffentlichkeit trägt. Und für Deutschland? „Wir brauchen klare Profile, ich ermutige alle, zu zeigen: Dieses Land hat beste Potenziale.

Schau hat Potenzial

Potenzial hat auch die „on/off“-Ausstellung - die keinen Heldenkult in Richtung Stefan Hell betreiben will. Der Star der Ausstellung ist dennoch: Stefan Hell - und die Wissenschaft allgemein.

Beisiegel: Uni ist Stadt, Stadt ist Uni

Uni-Chefin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel schaute anlässlich des Empfangs auf das universitäre Jahr zurück, das für sie mit einem Missgeschick endete: Sie brach sich kürzlich den Mittelfuß und ist mit Gehstützen unterwegs - gearbeitet wird trotzdem, nicht weniger als vorher.

Diesmal wurde es eine - auch visuell unterstützte - Rückschau auf ihre erste Amtszeit, die 2011 begonnen hatte und ab 2017 eine Fortsetzung finden wird. Nicht immer unumstritten im Senat, gab es letztlich keine bessere Alternative. Beisiegel hat die Uni zur Stadt hin geöffnet: Nacht des Wissens, Tag des offenen Wilhelmsplatzes, der Sternwarte sind Beispiele dafür - und die Besucher strömten in das offene Büro der Präsidentin. Ein Höhepunkt der Ära Beisiegel soll das Forum Wissen werden - Ende 2018 soll es im Zoologischen Institut öffnen - und der Einsatz für den Status Exzellenz-Universität, der 2012 fehlschlug.

Einen Pieks versetzte Prof. Dr. Ulrike Beisiegel den Kritikern ihres Open-Uni-Kurses: Die Mitgliedschaft der Universität bei Pro City war intern und hinter vorgehaltener mehr oder weniger hörbar kritisiert worden. „Die Uni ist die Stadt und die Stadt ist die Uni“ - so Beisiegels klares Statement. (tko)

Stiftungsrat ehrte Wissenschaftler für besondere Leistungen

Für besondere Leistungen wurden vom Stiftungsrat der Universität geehrt:

• Dr. Tanja Gerlach, Biologische Persönlichkeitspsychologie, für ein Konzept in der Lehre.

• Peter Brammer für die Entwicklung und Organisation der Kinder-Universität, die in zwölf Jahren mehr als 60 000 Nachwuchsstudenten angelockt hat.

• Laura Almeling vom Deuschen Primaten Zentrum (DPZ) für ihre Studie zum Sozialverhalten von Berberaffen und dem in den Medien oft zitiertes Ergebnis, dass sie in der Freunde-Wahl mit zunehmendem Alter wählerischer werden. Alexander Thiele für ein international beachtetes Buch „Verlustdemokratie“.

Sonderpreise gingen an:

• Gerrit Horstmann, Philipp Stolte und Tobias Orthen für ihr bundesweites Projekt, in Flüchtlingsunterkünften eine Physik-Show - Physik für Flüchtlinge - zu bieten. Dafür hatten die drei Göttinger Nachwuchswissenschaftler bereits den Niedersächsischen Wissenschaftspreis 2016 erhalten.

• Der Volkswirtschaftler Professor Stephan Klasen wurde für seine weltweit anerkannte Forschung zur Entwicklungsökonomie und Armutsforschung ausgezeichnet. Es ist einer der in den Medien meistzitierten Ökonomie-Professoren überhaupt. (tko)

Von Thomas Kopietz

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