Jeden Tag eine warme Mahlzeit

Mittagstisch St. Michael versorgt seit 25 Jahren bedürftige Menschen

Tag für Tag eine warme Mahlzeit: Der Mittagstisch der Göttinger Citykirche St. Michael. Foto: Ender/nh

Göttingen. Seit 25 Jahren versorgt der Göttinger Mittagstisch St. Michael Tag für Tag bedürftige Menschen für wenig Geld mit einer warmen Mahlzeit. Im Gespräch mit dem scheidenden Leiter der bekannten Einrichtung in der Turmstraße, Ralf Reinke (61), haben wir Fragen und Antworten zum Mittagstisch zusammengestellt.

Wer kommt zum Mittagstisch St. Michael?

Einige Dutzend aktive und ehemalige Drogenkonsumenten, Alkoholabhängige, Wohnungslose, vereinsamte Senioren mit kleiner Rente.

Gibt es Probleme mit dieser schwierigen Klientel?

In den Anfangsjahren häufiger als heute. Gelegentlich kommt es zu Streitereien und manchmal muss ein Hausverbot ausgesprochen werden. Wenn jemand gewalttätig wird, muss die Polizei kommen.

Was gibt es am Mittagstisch zu essen?

Montags bis freitags gibt es täglich ein Eintopfgericht - Erbsen-, Linsen-, Bohnen-, Graupen- oder Kartoffelsuppe, manchmal mit Würstchen. Ganz selten gibt es Gulaschsuppe. Wer keine Lust auf Suppe hat, kann ein Schmalz- oder Marmeladenbrot haben. Dazu gibt es Kaffee, Tee, Kakao und Saft. An Wochenenden und Feiertagen gibt es ein Tellergericht mit Fleisch, Kartoffeln oder Nudeln und Salat.

Wer kocht das Essen?

Die Eintopfgerichte liefert die Göttinger Tafel, die sie ihrerseits von zehn Großküchen in Kliniken, Mensen und Hotels bezieht. An Wochenenden und Feiertagen kochen die ehrenamtlichen Mitarbeiter selbst. Die Zutaten werden gespendet.

Wie lange funktioniert das System schon so?

Seit 20 Jahren. In den ersten fünf Jahren wurden Fertiggerichte für vier bis fünf D-Mark eingekauft und für eine D-Mark abgegeben, wodurch der Mittagstisch jährlich mehr als 40.000 D-Mark Verlust machte. Ähnlich war die Bilanz, als die Bedürftigen eine verbilligte Mahlzeit in einem Imbiss bekamen.

Wer war der Urheber des Mittagstischs St. Michael?

Der frühere Gemeindepfarrer Heribert Graab. Seit 1995 leitet Ralf Reinke die Einrichtung. Jetzt löst ihn die ehrenamtliche Kraft Anna Werner-Parker ab, die ihn bereits während eines längeren krankheitsbedingten Ausfalls vertreten hatte.

Gibt es den Mittagstisch auch noch in 25 Jahren?

Das weiß niemand. In der Vergangenheit hat die Einrichtung alle Existenzkrisen wegen Geldnot oder Vorstandsquerelen überstanden. Heute beträgt der Finanzbedarf 80.000 Euro jährlich, von denen nur 20.000 Euro durch einen Zuschuss der Stadt und Dekanatsmittel aus dem freiwilligen Kirchgeld gedeckt sind. Weil es immer weniger treue Spender gibt, sollen jetzt verstärkt Unterstützer geworben werden, die Mitglieder in einem Förderverein werden. www.samiki.de

Mittagstisch in Zahlen: 365 warme Mahlzeiten im Jahr

Seit 25 Jahren versorgt der Göttinger Mittagstisch St.Michael Menschen, die sich aus finanziellen oder sozialen Gründen nicht selber ihr Essen zubereiten oder kaufen können.

25 Cent kostet ein Eintopfgericht. Das Tellergericht an Wochenenden und Feiertagen kostet bisher 60 Cent, soll aber teurer werden.

40 bis 50 Gäste kommen an Werktagen, 60 bis 80 an Wochenenden. Insgesamt kommen etwa 150 Personen mehr oder weniger regelmäßig zum Mittagstisch.

38 Sitzplätze gibt es in den beiden Speiseräumen, die die katholische Kirchengemeinde St. Michael zur Verfügung stellt. Davon befinden sich 22 im Raucherraum und 16 im Nichtraucherbereich.

90 Minuten hat der Mittagstisch an Werktagen geöffnet, von 12 bis 13.30 Uhr. An Wochenenden gibt es das Essen von 11.30 bis 14.30 Uhr.

100.000 Liter Suppe sind schätzungsweise in den vergangenen Jahrzehnten am Mittagstisch ausgegeben werden.

40 bis 50 ehrenamtliche Mitarbeiter helfen, den Mittagstisch in Gang zu halten. Sie geben Essen aus, räumen die Küche auf und kochen an Wochenenden.

Straßenfest in der Turmstraße

Zu seinem 25-jährigen Bestehen lädt der Mittagstisch der Göttinger Citykirche St. Michael am Samstag, 19. September, von 10 bis 16 Uhr zu einem Straßenfest in der Turmstraße ein.

Es gibt Mittagessen, eine Kaffee- und Kuchenbar und einen Waffelstand. Für musikalische Unterhaltung sorgen die Bands „Midlife Ramblers“ und „Street Doves“.

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