Viel Lob für das Uni-Projekt

Jetzt ist das neue Lernzentrum für Studierende offen

Sauberer Schnitt: Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel, Christian Zigenhorn und Dr. Rupert Schaab durchschneiden das symbolische Band zur Eröffnung des Lern- und Studienzentrums. Foto: Kopietz
+
Sauberer Schnitt: Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel, Christian Zigenhorn und Dr. Rupert Schaab durchschneiden das symbolische Band zur Eröffnung des Lern- und Studienzentrums.

Göttingen. Die letzte Rede zur Eröffnung des Lern- und Studienzentrums war gerade gehalten, das rote Band von Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel, Christian Zigenhorn und Dr. Rupert Schaab gerade durchschnitten worden, da rissen Orkanböen am zwei Jahre alten Schwann-Schleiden Forschungsinstitut Fassadenteile ab.

Diese krachten auf sieben Autos. So nah liegen Freud´ und Leid beieinander – in diesem Fall vor allem für Uni-Gebäudemanagement-Chef Rainer Bolli, dessen Dienste als Repräsentant und Krisenhelfer innerhalb weniger Minuten gefragt waren.

Zuvor aber gab es im Lern- und Studienzentrum nur Gutes zu hören: Zum Beispiel, dass der Neubau mit 245 Lernboxen und 650 Arbeitsplätzen für Studierende aus Studiengebühren finanziert wird. Studierende hatten auf die Notwendigkeit eines Lernzentrums gedrängt, „so früh wie nirgendwo sonst“, sagte Dr. Rupert Schaab, stellvertretender Leiter der Uni-Bibliothek. „Die Studierenden haben sich selbst ein Gebäude gebaut“, bilanziert Ulrike Beisiegel

Probleme aber gab es auch: Die Bauzeit verzögerte sich, weil auf dem ehemaligen Parkplatz im Sommer 2011 der Friedhof der katholischen Gemeinde St. Michael zum Vorschein kam. „Es dauerte länger, doch das Ergebnis heute ist beeindruckend“, sagte Beisiegel, der besonders das Miteinander zwischen moderner Architektur und Historie mit dem Reitstalltor – also zwischen Tradition und Innovation – gefällt. Und natürlich, dass die Studenten Top-Lernbedingungen vorfinden, sogar mit einem Eltern-Kind-Bereich. Diese Räume sind noch nicht fertig, das Mobiliar war nicht verfügbar. Auch der Fahrstuhl fährt noch nicht, die Türen sind zugeklebt, es gibt einen Rechtsstreit mit einer Firma aus Witzenhausen. Das sei schade, aber nicht zu ändern, sagt Rainer Bolli. Alle Lasten mussten so über die Treppen geschleppt werden.

Architekt Reiner Becker (Berlin) betonte den Charakter der Architektur. Sie solle auffordernd sein, einladend. Er hofft darauf, dass viele Menschen den Bau mögen. „Auch wenn über moderne Architektur immer diskutiert wird und werden darf.“

Die Präsidentin jedenfalls ist sicher: „Es war eine kluge Investition, die noch von vielen Studierenden-Generationen genutzt werden kann.“

Trotz des Lobes für das einzigartige neue Lernzentrum blickte Dr. Rupert Schaab kritisch über den Tellerrand. Er forderte eine weitere Modernisierung der SUB und bessere Lernbedingungen am Nord-Campus, nannte die Glasgow Caledonian University als Vorbild, wo Lernlandschaften geschaffen wurden, die auch Support und Beratung, Hilfen wie zur Multi-Media-Nutzung, Studienorganisation und dem Schreibenlernen bietet. Dort seien universitäre Grenzen zugunsten der Studenten überwunden worden.

Generell müsse man noch mehr auf die Bedürfnisse der Studenten eingehen. „Tische und Stühle auf Fluren reichen da nicht aus. Die Uni ist ein einziger Lehrraum.“ Das sähen manche noch nicht so. Sie betrachteten Studenten dort eher als störend – „nicht nur in der O-Phase“.

Übrigens. Die Proteste, die es noch zur Grundsteinlegung des Lernzentrums gab, blieben am Montag zur Eröffnung aus. Von Demonstranten war nichts zu sehen.

Von Thomas Kopietz

Hintergrund

Das Lern- und Seminarzentrum hat 245 Arbeitsräume mit 650 Arbeitsplätzen auf 4000 Quadratmetern Fläche für Studierende. Die Räume sind unterschiedlich groß und ausgestattet: Es gibt 1er- und 2er- über 4er-, 6er- und 8er- bis hin zu 12er-Räumen. Die Einzel- und Zweierarbeitsplätze sind mit Internetzugang und zum Teil mit Whiteboards ausgestattet, die Gruppenarbeitsplätze auch mit Smartboards. Es wird von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen betrieben. Die elf Millionen Euro Baukosten kommen aus Studiengebühren. Das Lern- und Studiengebäude ist ein Passiv-Haus: Eine klassische Heizung gibt es nicht: Die Räume werden über die Lüftungsanlage beheizt. Die Lüftungsanlagen der drei Gebäudeflügel können getrennt voneinander und etagenweise an- und abgeschaltet werden, wodurch sich bei geringerer Auslastung – so in Semesterferien, sonntagmorgens oder am späten Abend – Energie sparen lässt. Die Wärmedämmung des Gebäudes beträgt 270 Millimeter anstatt üblicher 180 Millimeter, und der Wärmedämmwert sowie der Schallschutz der Fenster und großflächig verglasten Fassade liegen etwa 20 Prozent über dem Wert von Standardfenster. (pug/tko)

Bilder vom neuen Studiengebäude

Neues Studien- und Lerngebäude der Uni Göttingen

 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz
 © Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.