Jetzt wollen Lehrer an allen Schulen weniger Stunden arbeiten

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Im Fokus: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) gerät bezüglich der Lehrer-Arbeitszeiten unter Druck.

Göttingen/Hannover. Nach dem Sieg der Gymnasiallehrer vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg streben nun die Lehrer anderer Schulformen die Absenkung ihrer Stundenzahlen an.

Dabei schließen sie neue Klagen nicht aus. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) fordern von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) eine wissenschaftliche Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeit - mit dem erklärten Ziel, die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung zu reduzieren.

„Die Belastung der Kollegen ist enorm gestiegen. Das muss alles auf den Tisch“, verlangt VBE-Chefin Gitta Franke-Zöllmer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Insbesondere bei Grundschullehrerinnen ist die Schmerzgrenze längst überschritten“, meint sie mit Blick auf die vielen neuen Herausforderungen wie Inklusion oder heterogenen Klassen.

„Nicht nur die Gymnasiallehrer sind betroffen. Wir arbeiten doch alle deutlich mehr als 40 Stunden“, sagt auch Manfred Busch vom VLN, der vor allem die Interessen von Haupt-, Real- und Oberschullehrern vertritt.

Die Gewerkschaft GEW sieht das ähnlich; sie hat gemeinsam mit der Universität Göttingen bereits im April ein Arbeitszeitstudie an 262 Schulen unterschiedlicher Formen gestartet; rund 4000 Kollegen nehmen daran teil.

Die FDP-Fraktion will Heiligenstadt mit einem Parlamentsantrag zu einer solchen Erhebung zwingen. Das war jetzt Thema im Landtag. Bislang hatte die Kultusministerin - wie auch ihre CDU-Vorgänger - eine Erfassung der Lehrerarbeitszeiten abgelehnt. Das OVG-Urteil hat offenbar für ein Umdenken gesorgt.

Vor zweieinhalb Wochen hatten die Lüneburger Richter die von Rot-Grün durchgesetzte einstündige Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer als „willkürlich“ kassiert und dabei fehlende Aussagen zur tatsächlichen Belastung gerügt. Man werde die - noch ausstehende - Urteilsbegründung mit Blick auf die Arbeitszeiten genau analysieren, lässt Heiligenstadt jetzt mitteilen. Mögliche Konsequenzen werde das Ministerium dann im Dialog mit den Verbänden erörtern.

Die GEW sieht ihre Studie durch eine eidesstattliche Versicherung aller Teilnehmer und Stichproben der Uni gegen Schummelei abgesichert. Der VBE fordert zusätzlich eine arbeitswissenschaftliche Untersuchung durch ein unabhängiges Institut. „Nur so erreicht man Akzeptanz.“

Höchst umstritten zwischen und in den Verbänden ist zudem, ob man die Zeiten fächerspezifisch aufschlüsseln soll, wie es andere Bundesländer handhaben.

Mathematik- oder Deutschlehrer hätten schließlich einen höheren außerunterrichtlichen Aufwand durch Korrekturen als Sport- oder Musiklehrer, lautet ein beliebtes Argument. (ymp)

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