700 Gäste, darunter viele Kinder, sahen Familienfassung

Händel-Festspiele: So jung kann eine alte Oper sein

Händel-Festspiele-Oper
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Ab in den Kerker mit Siroe: Der Thronfolger wird von den Palastwachen in den Kerker gebracht – Wachen gibt es keine, dafür genügend Kinder im Publikum, die den Star-Tenor Yosemeh Adjei abführen, während Prinzessin Emira zuschaut und Moderator Juri Tetzlaff das Treiben erklärt. Die Familienfassung der Händel-Festspiele-Oper Siroe, Re di Persia sahen 700 Besucher in der Stadthalle.

Göttingen. 700 Besucher bei einer Oper und davon mehr als 400 Kinder: Kaum zu glauben aber wahr, was sich am Pfingstmontag in der Stadthalle anlässlich der Händel-Festspiele ereignete. Hier wurde mit der Familien-Oper zelebriert, was dem Genre Oper auf Zukunft Freunde bescheren wird.

Kika-Moderator Juri Tetzlaff vermittelte mit Esprit und Freude, was es mit der Oper „Siroe, Re di Persia“ auf sich hat – und die Akteure samt Orchester waren begeistert bei der Sache.

Die Zuschauer sitzen auf den Stuhllehnen, stehen vor der Bühne oder liegen gemütlich auf dem Boden. Verhält sich denn so ein Opernzuschauer? Ja! Wenn er jung ist, etwas sehen, hören und erleben will. Und in der Stadthalle gab es etwas zu erleben, keine Frage: Eine gekürzte, pfiffig aufbereitete und für Erklärungen und Interviews unterbrochene Aufführung der Oper.

Juri Tetzlaff schafft es, mit seinem herrlich-lebendigen Erzählstil die Kinder in den Bann zu ziehen. Er holt die Personen auf die Bühne: König Cosroe, Prinzessin Emira, Laodice, General Arasse, Medasse, und schließlich Siroe, den anfangs tragischen Held. Den Hofstaat, die Wachen und Diener bekommen die Kinder im Publikum nicht zu sehen – sie werden später selbst in die Rollen schlüpfen!

Juri Tetzlaff weckt sofort die Emotionen, indem er sagt: „Siroe ist verzweifelt, die ganze Welt ist gegen ihn – und er hat auch noch Pech.“ All diese Gefühle werden deutlich, wenn Countertenor Yosemeh Adjei singt, in kühnen Höhen. „Händel war ein Meister darin, die Emotionen über Noten auszudrücken“, erklärt Juri und fragt Sänger Yosemeh: „Erklär´ uns doch mal, wie Du es schaffst, so hoch zu singen?“ „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht!“, antwortet der Star-Tenor. Sekunden später singt sich der ganze Saal in kaum geglaubte Höhen. Dafür gibt es Applaus von den Profis.

Und weiter geht es durch die verknappte, aber treffend wiedergegebene Geschichte des Siroe. Während Juri erklärt, spielen sich hinter seinem Rücken wilde Szenen ab: Die schöne Emira will den Rivalen Siroes um die Thronfolge erschießen. Intrigen, Mord und Totschlag – darum geht es in „Siroe, Re di Persia“.

„Eigentlich ein zu harter Stoff für eine Familienoper“, hatte Intendant Tobias Wolff vor der Premiere befürchtet. Nun sagt er: „Aber der Juri hat das wunderbar gemacht.“

„Kein Problem – auch Märchen sind ja nicht gerade gewaltlos.“ Das stimmt, und letztlich ist der Horrorfaktor der Aufführung gering. Siroe in der Kinderfassung ist ein Erlebnis, und vermittelt – nicht nur – Kindern einen wunderbaren Eindruck in eine Oper. In jedem Fall wissen alle Besucher schon mehr, als mancher Jugendlicher am Montag beim Anblick der Banner in der Stadt: „Händel-Festspiele: War Händel nicht ein Komponist, oder so?“

Übrigens: Am Ende wird alles gut, Siroe König und Emira seine Frau.

Von Thomas Kopietz

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