Die ganze Welt soll mitmachen

Junge Menschen aus Göttingen wollen Senioren mit Briefen aus der Isolation helfen

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Besondere Aktion: Tim Göbel (links) und Luzie Nolte mit einigen Briefen, die Menschen aus der Region für Senioren geschrieben haben, die in Altenheimen zurzeit abgeschottet von der Außenwelt leben müssen.

Göttingen – Mit einer bemerkenswerten Aktion wollen vier junge Menschen aus Göttingen Bewohnern von Altenheimen, die derzeit wegen der Corona-Krise in Isolation leben, Kontakt zur Außenwelt verschaffen.

„Die Senioren sollen merken, dass andere Menschen auch in dieser schweren Zeit an sie denken und dass sie nicht einfach von der Bildfläche verschwunden sind“, sagt Tim Göbel. Zusammen mit den Schülerinnen Luzie Nolte (16) und Klara Dreyer (16) sowie Krankenschwester Ine Kamps (23) hat der 17-jährige Berufsschüler die Aktion #itsnotafaulttobeold (es ist kein Fehler, alt zu sein) ins Leben gerufen. Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen aus der Region, aber auch aus anderen Teilen Deutschlands und bestenfalls sogar der ganzen Welt, Briefe schreiben, die dann an Altenheime in Göttingen verteilt und dort herumgereicht oder den Senioren vorgelesen werden.

„Die Idee zu der Aktion hatte Luzie, die ein Praktikum in einem Altenheim absolviert und deshalb den Kontakt dorthin hat“, sagt Tim Göbel. Da beide beim Göttinger Pfadfinderstamm Hohenstaufen aktiv sind, habe sie ihm davon erzählt und er sei sofort ebenso begeistert gewesen wie die beiden Pfadfinderkolleginnen Klara und Ine. „Zunächst haben wir alle Göttinger Altenheime kontaktiert, von denen sich dann acht zurückgemeldet haben“, erzählt Tim. Deren Leitungen hätten sich sehr über die Idee der jungen Leute gefreut und ihre Kooperation zugesagt. „Danach haben wir ein Plakat mit dem entsprechenden Aufruf entwickelt“, erzählt der 17-Jährige.

Als angehender Mediengestalter habe er dem Plakat zuhause auf seinem Computer den nötigen Feinschliff gegeben und es ausgedruckt. „Dann haben wir es in der Stadt und in verschiedenen Supermärkten aufgehängt und die Aktion auch über die sozialen Medien beworben“, sagt Tim.

Inzwischen sind mehr als 60 Briefe bei der Gruppe eingegangen, von denen 50 an die Altenheime verteilt wurden. „Wir fahren selbst mit dem Rad durch die Stadt und bringen die Briefe zu den Heimen, wo wir sie wegen des strikten Besuchsverbotes dann aber nur am Eingang abgeben können“, erzählt Tim. Für den Inhalt der Briefe gebe es keinerlei Vorgaben. „Das kann vom selbst gemalten Bild eines kleinen Kindes über einen kurzen, lieben Gruß bis zum mehrseitigen Text alles sein.“ Es gehe nur darum, dass die Senioren etwas Schönes zu lesen oder anzuschauen hätten und dadurch das Gefühl bekämen, nicht vergessen zu werden. „Wir wollen das so lange tun, bis die älteren Menschen wieder raus dürfen“, sagt Tim Göbel.

„Und wir hoffen natürlich, dass wir in den kommenden Wochen möglichst viele Briefe bekommen, die wir dann verteilen können.“   per

Wer sich an der Aktion beteiligen will wird gebeten, seinen Brief an Luzie Nolte, Akazienweg 42, 37083 Göttingen zu senden. Weitere Informationen zu der Aktion gibt es per E-Mail unter itsnotafaulttobeold@gmx.de oder bei Instagram. instagram.com/itsnotafaulttobeold

Alle Infos zu Corona in Göttingen gibt es in unserem News-Ticker.

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