Junger Europäer des Jahres: Aus Feinden wurden Freunde

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Preisträger: Theologie-Student Lukas David Meyer ist Junger Europäer des Jahres.

Göttingen. „Junger Europäer des Jahres 2013“ - ein Titel, mit dem ihn seine Freunde gern aufziehen. Dahinter verbirgt sich Lukas David Meyer, Student der Evangelischen Theologie an der Universität Göttingen. Seit 2010 versucht er, einen europaweiten Sozialen Tag an Schulen aufzubauen.

Meyer entschied sich im April 2010 dafür, Evangelische Theologie in seiner Geburtsstadt Göttingen zu studieren. Die Entscheidung für dieses Studienfach traf der 24-jährige Pastorensohn während seines Freiwilligenjahres in Bosnien. Diese Internationalität wurde ihm bereits in die Wiege gelegt. So wuchs er nicht nur in Deutschland, sondern auch in Paraguay und Argentinien auf. Seit September 2013 studiert Meyer nun in Rom am Melanchthon-Zentrum und den Römischen Universitäten Theologie. Neben seinem Studienschwerpunkt hat es ihm auch das Land Italien, dessen Geschichte und ab und an auch der italienische Wein angetan.

Überzeugter Europäer

Der überzeugte Europäer sieht in Europa eine kulturgeschichtliche Leistung. Aus Feinden seien Freunde geworden: „In einer Weinbar in Rom ist mir bewusst geworden, wie toll es ist, dass ich mit Freunden aus Frankreich oder Polen die Schönheit der Stadt genießen kann.“ Wer aber wenig positive Erfahrungen bei Reisen, Bildung oder Ehrenamt in Europa machen könne, verspüre diesen Zugewinn nicht, glaubt Meyer. Die Zukunftssorgen in vielen europäischen Ländern seien ein Indiz dafür: „Eine zentrale Aufgabe der Europäischen Union ist es, auch die soziale Stabilität zu gewährleisten.“

Während seiner Zeit bei der Organisation „Schüler helfen Leben“ in Bosnien lernte der 24-Jährige viel von der Toleranz, aber auch der Tragik Europas: „Die Aussöhnung der Bevölkerung in Bosnien geht nur schleppend voran, die politische Entwicklung stagniert und ein Großteil des Landes ist vermint“, sagt er.

Als Abiturient ging er 2008 nach Sarajevo, um die nationale Schülervertretung auszubauen. Dabei sei ihm bewusst geworden, dass weder Krieg noch Zerstörung den demokratischen Frieden unterbinden könnten.

Seine gewonnenen Eindrücke setzte Lukas in einer europäischen Idee um. Der bereits existierende Soziale Tag, an dem Schüler nicht in die Schule, sondern zur Arbeit gehen und ihren Lohn für Friedens- und Bildungsprojekte spenden, soll nun in ganz Europa etabliert werden.

Der mit 5000 Euro dotierte Preis „Junger Europäer des Jahres“ der Schwarzkopf-Stiftung hätten in seinem Leben bislang nicht viel verändert, sagt Meyer und lacht: „Jetzt bekomme ich wegen des Namens Schwarzkopf nur viel mehr Komplimente für meine Frisur.“ Das Fördergeld ist an ein Praktikum gekoppelt. Für die Zeit nach seinem Studium plant Meyer daher einen Aufenthalt in Brüssel, wo er die Arbeitsweise des Europäischen Parlaments kennenlernen will. (zli)

Hintergrund

Europaweiter Sozialer Tag

Die Idee, einen europaweiten Sozialen Tag zu schaffen, hatte Lukas David Meyer zusammen mit einem italienischen Kollegen. Gemeinsam mit Freunden aus Norwegen, Dänemark, Finnland, Schweden, Belgien und Serbien konnten seit dem Jahr 2010 drei Sommer-Camps veranstaltet werden.

Daraus entstanden ist das Netzwerk Solidarity Action Day Movement in Europe (SAME). Bis zu fünf Millionen Euro könnten so bei 300 000 europaweit teilnehmenden Schülern gespendet werden. (zli)

www.schueler-helfen-leben.de

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