Kabarettist Urban Priol in Göttingen: Von Promi-Sterben bis Präsidentenwahl

Auftritt in der Göttinger Stadthalle: Kabarettist Urban Priol präsentierte sein Programm mit explodierter Föhnfrisur und dezent buntem Hemd. Foto: Lawrenz

Göttingen. Wenn er beim letzten Mal gewusst hätte, was alles passiert, hätte er zum Schluss nie gesagt, dass 2016 so bescheuert werde wie das Vorjahr – so fasst Urban Priol in seinem kabarettistischen Jahresrückblick „Tilt“ die „Highlights“ des abgelaufenen Jahres zusammen.

Auch in der vollen Göttinger Stadthalle hat der als „Urvogel des satirischen Jahresrückblicks“ beschriebene, erfolgreiche Kabarettist seine Zuhörer begeistert.

Kaum ein wichtiges Thema blieb unberührt angefangen vom „Prominentensterben“ bis zur Präsidentenwahl in den Staaten. Wie viele sei er abends ruhig ins Bett gegangen, um morgens aufzuwachen und zu erkennen, dass das Unfassbare wahr geworden sei: „Ein Tourette-Syndrom wird Präsident.“ Der „Diktatorenbeschmuser aus Bayern“ habe zu den ersten Gratulanten gehört.

Da könne man kaum sagen, für wen des Papstes Bitte nach Erleuchtung gegolten habe. Überhaupt hat Priol aus Aschaffenburg es auf den CSU-Chef abgesehen und mag an ihm - wie an so vielen - kaum ein Haar ohne Krümmung lassen.

Im Schnelldurchlauf pflügt sich der Kabarettist durch vieles, was das vergangene Jahr prägte. Mit nicht enden wollender Kondition joggt er von einem Themenfeld ins nächste und arbeitet es mindestens bissig ab. Bei all den messerscharfen Sprüchen kann man sich fühlen wie bei einem guten Fernsehabend. Der Struwwelpeter mit explodierter Föhnfrisur und diesmal fast schon dezent buntem Hemd trinkt bei dem einen oder anderen Blick in sein allwissendes Notizbuch aus einem Glas Berliner Weiße mit Schaum, der sich angesichts der Zeit aber doch verflüchtigt. Nie beliebig wirkt Priols ausladende Gestik. Fast meint man, der „Meister der satirischen Frustbewältigung“, so 3sat, könnte jeden Moment in die Luft gehen.

Viel Witz, etwas Charme

Mit viel Witz, etwas Charme und unendlich großer Klappe stellt Priol sich dem Wahnsinn in der Welt und erklärt: Die Flüchtlinge hätten alles verändert. Fast schon wütend entlarvt er den den Deal mit der Türkei. Doch nach mehr als drei Stunden muss man sagen: Auf Priols Stehpult fehlt eine Stechuhr. Denn weniger wäre noch mehr gewesen! Der Begeisterung für den messerscharfen Blick des Kabarettisten auf 2016 tat das insgesamt gesehen keinen Abbruch.

Von Ute Lawrenz

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