Bilder aus Xinjiang: Ausstellung zeigt den Wandel in der Heimat der Uiguren

Kamele mitten in der Stadt

Tradition und Moderne: Die Kamele und die Hochhäuser der Stadtmitte von Kashgar passen nur auf den ersten Blick nicht zusammen. Denn die Tiere rasten dort längst nicht mehr wie einst entlang der Seidenstraße. Die Kamele sind nicht als Lastenträger, sondern als Fleischlieferanten gefragt. Sie werden auf dem größten Tiermarkt Zentralasiens an Metzger verkauft. Foto: Ma Kang/nh

Göttingen. Kamele vor Hochhäusern, ein traditionelles Teehaus oder ein verlassenes Dorf – die Ausstellung im Kulturwissenschaftlichen Zenrum der Uni mit Impressionen aus Xinjiang führt in den Westen Chinas.

„Selbst in Zeiten von Google Earth gibt es Weltgegenden, die wenig bekannt sind“, sagte Prof. Dr. Jens Peter Laut zur Eröffnung der Schau „Das Kamel in der Stadt“ im Kulturwissenschaftlichen Zentrum (KWZ) der Uni Göttingen.

Durch die Heimat der Uiguren, einer ethnischen und religiösen Minderheit, die mit einer zunehmenden chinesischen Dominanz zu kämpfen hat, führte einst die sagenumwobene Seidenstraße. Doch das autonome Gebiet in Westchina ist uns heute allenfalls durch die Nachrichten über Bombenattentate und Tote bekannt. Es sei ein Land mit Licht und Schatten, so Prof. Laut, Leiter des Seminars für Turkologie und Zentralasienkunde in Göttingen. Die Ausstellung ist ein gelungener Versuch, dieses Land Unkundigen einmal näher zu bringen.

Ein Teil der Fotos, die vom Alltag der Menschen, aber auch vom raschen Wandel der Stadtansichten, den Veränderungen von Kultur und Religion erzählen, hat Profi-Fotograf Ma Kang (Nanjing) aufgenommen. Die anderen stammen von dem Göttinger Turkologen Dr. Ablet Semet. Semet ist selbst Uigure und in Artush bei Kashgar geboren. Im Jahr 1999 kam er nach Göttingen und fotografiert bereits seit vielen Jahren bei Forschungsreisen und privaten Aufenthalten in seiner Heimat. Er habe nie gedacht, die Fotos einmal präsentieren zu können, sagte Semet bei der Vernissage. Er glaube aber, dass Bilder mehr als eine Person aussagen könnten. Die Fotos erzählen vom Aufeinandertreffen zweier Kulturen und den Veränderungen, die dies für Alltag, Architektur und Kultur der Uiguren bedeutet.

So zeigt ein Bild einen alten Friedhof mit islamischen Grabsteinen, die noch an die buddhistische Vergangenheit erinnern. Die Moschee ist geschlossen, im Hintergrund stehen die modernen Hochhäuser des Stadtzentrums von Qomut. Noch unter sich sind die Uiguren dagegen in ihren traditionellen Teehäusern. Sie sind Treffpunkte, hier werden Geschäfte abgewickelt. Das Grab von Qimish Ata hat dagegen seine religiöse Bedeutung verloren. Die einst so wichtige Pilgerstätte hat sich zu einer chinesischen Touristenattraktion gewandelt. Es sind Touristen, die hier heute Stoffstreifen mit ihren Wünschen in die Bäume hängen.

Unterstützt wird die Ausstellung „Das Kamel in der Stadt“ unter anderem vom Centre for Modern East Asian Studies sowie der niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek, zu deren Beständen die deutschlandweit größte Sammlung zu Xinjiang und Zentralasien gehört. Die Fotos sind bis Ende Januar im KWZ-Foyer zu sehen. (shx) Foto: shx

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.