Kampf gegen das Handy am Steuer: Tödliche Nachrichten beim Autofahren

Finger weg vom Handy am Steuer: Das Riesen-Smartphone soll zukünftig in allen Bereichen der Polizeidirektion zur Verkehrsunfallprävention eingesetzt werden. Foto: Lawrenz

Göttingen. Sicher unterwegs sind Autofahrer nur, wenn sie ihre Finger vom Handy lassen – dafür ist das neue Riesen-Handy der Polizei in Südniedersachsen das Signal.

Das erste überdimensionale Smartphone der Polizei in Niedersachsen hat Polizeipräsident Uwe Lührig im Kauf-Park an Thomas Rath, Chef der Polizeiinspektion Göttingen, überreicht. Mit seinen Kurzfilmen und Präsentationen zum Thema soll das interaktive Handy Türöffner für viele Gespräche sein und die Autofahrer für die Gefahr sensibilisieren.

„Gutgemeinte Nachrichten können tödlich enden“, brachte Arnecke die Gefahr für 20 Polizeipraktikanten und etwa 30 Fahrschüler und die Besucher auf den Punkt. Bei ungeklärter Unfallursache stehe heute das Smartphone immer im Verdacht. Wie könne man es sonst erklären, dass ein gesunder, junger Fahrer auf gerader Strecke von der Straße abkommt.

Als Beifahrer könne man selbst die Probe machen: Welche Strecke legt man zurück, wenn man nur einmal aufs Handy blickt. Vier Sekunden im Stadtverkehr bedeuten laut Arnecke 56 Meter Fahrtstrecke. Was, wenn dann ein Kind auf die Straße läuft? Um das Zwei- bis Fünffache steige das Unfallrisiko beim Telefonieren, beim Texten mit dem Handy schnelle es um ein Vielfaches mehr in die Höhe. Für Radfahrer sei die Gefahr umso größer, da sie keine Knautschzone um sich haben.

60 Euro und ein Punkt

Seit 15 Jahren sei Telefonieren ohne Freisprechanlage im Auto verboten, sagte Oliver Jitschin, Richter am Göttinger Amtsgericht. Und es kostet nicht nur 60 Euro, es kostet den Fahrer auch einen Punkt. „Lappen weg“ heißt schon bei acht Punkten. Nicht selten ist Jitschin mittlerweile mit unerlaubtem Handy-Gebrauch beschäftigt. Meist handelt es sich um Ordnungswidrigkeiten. Doch bei einer jungen Frau habe eine Nachricht zu Verletzten geführt. Das iPhone im Fußraum ihres Autos habe den entscheidenden Hinweis gegeben.

Nicht verboten ist Fußgängern das Telefonieren. Aber Arnecke berichtete von einem Mann, der mit dem Handy am Ohr auf einer Autobahnraststätte auf die Autobahn spaziert sei. Sein Telefonat habe ein tödliches Ende genommen. „Kein Handy am Steuer“, lautete das Fazit.

Das Riesen-Smartphone soll ab sofort in allen Regionen der Polizeidirektion Göttingen für gezielte Verkehrsunfallprävention eingesetzt werden. Denn rasant habe die illegale Nutzung von Mobiltelefonen im Straßenverkehr zugenommen. Das belegte Arnecke mit Zahlen: Während es 2013 rund 385 000 Eintragungen ins Verkehrsregister gab, waren es 2015 schon 420 000. Rechne man die Dunkelziffer mit ein, komme man in einem Jahr in Deutschland auf 1,3 Milliarden Handyverstöße. (zul)

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