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Karstgebiet: Viele fordern „Biosphärenreservat“ statt Gipsabbau

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Blick in den Steinbruch Lichtenstein im niedersächsischen Teil des Südharzes. Die Harzer Gipskarstlandschaft ist von seltenen Erdformationen und Artenreichtum geprägt. Umweltschützer wollen die Region deshalb schützen.
Blick in den Steinbruch Lichtenstein im niedersächsischen Teil des Südharzes. Die Harzer Gipskarstlandschaft ist von seltenen Erdformationen und Artenreichtum geprägt. Umweltschützer wollen die Region deshalb schützen. © Swen Pförtner/dpa

Wird aus dem Karstgebiet im Südharz ein „Biosphärenreservat“? Das fordern Teilnehmer eines „Gipsgipfels“

Osterode – Schwere Vorwürfe machten die Referenten, der Geologe Dr. Friedhart Knolle, und die Biologin Ursula Schäfer der Gipsindustrie beim „Gipsgipfel“ in der Stadthalle Osterode am Wochenende. Aus Gründen des Profits zerstöre sie wertvolle Landschaft unwiederbringlich. Wunsch von vielen ist es, dass aus dem Karstgebiet ein „Biosphärenreservat“ wird.

„Es geht hier um die berühmteste und schützenswerteste Gipskarstlandschaft der Welt“, hob Geologe Knolle die herausragende Stellung des Gebiets heraus und wurde von Christian Meyer, Spitzenkandidat der Landtags-Grünen unterstützt, der einen Blick aus Sicht der Landespolitik auf die schon lang anhaltende Debatte um den Gipsabbau warf und die Position seiner Partei darstellte. So strebe sie ein Biosphärenreservat über die Landesgrenzen Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt an. „Wir müssen es hinbekommen, diesen Schatz für uns zu bewahren“, sagte der Landespolitiker. Bei einem Gipsgipfel auf Landesebene wolle man alle Beteiligten an einen Tisch bekommen, und Lösungen diskutieren.

Gleich am Veranstaltungstag hatte sich der Bundesverband der Gipsindustrie in einer Pressemitteilung zu dem Treffen in Osterode geäußert und nicht mit Kritik gespart. Ein Gipfel, bei dem nur einseitige Interessen vertreten und andere Meinungen und Ideen nicht behandelt würden, sei nicht sachgerecht und entspreche auch nicht gutem politischen Stil. Die Erweiterungen oder Neuaufschlüsse von heimischen Abbaustätten bezeichnete der Verband als Basis des baustoffproduzierenden Gewerbes und der Bauindustrie. Ein Ende des Gips-Abbaus sei auf absehbare Zeit komplett illusorisch. Besonders enttäuscht zeigen sich der Bundesverband und die Harzer Unternehmen darüber, dass Christian Meyer die lange ausstehende Einladungen bisher nicht angenommen habe, um sich vor Ort sachkundig über die Situation des „naturverträglichen Gipsabbaus“ zu informieren.

„Experten sind sich einig, dass es jetzt gilt, die entstehende Lücke zu schließen, zumal Alternativen zu einem Abbau von Naturgips zur Erhaltung der heimischen Wertschöpfungskette auf absehbare Zeit nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen werden“, bezog sich Holger Ortleb vom Bundesverband auf den Ausstieg aus der Kohleverstromung, eine der wichtigsten Quellen für diesen Rohstoff. Auch die Kohlekommissionsehe dabei im zusätzlichen Abbau von Naturgips die mittelfristig einzige Lösung. Im letzten Jahr hatte die Gipsindustrie laut Presseinformation vorgeschlagen, ein Dialogforum „Heimische Gipsgewinnung“ in Deutschland einzurichten, in dem Bund, Länder und Regionen sich genauso einbringen sollten wie Gewerkschaften, Naturschutzverbände und die Industrie. „Ziel sollte sein, einen permanenten Dialog herzustellen und Konflikte zu versachlichen. Leider bisher ohne Resonanz auf Bundes- und Landesebene.“ (Sven Paetzold)

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