Katholische Kirche trennt sich von Gesamtschule in Duderstadt

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Da war die Welt noch in Ordnung: Dem katholischen Hildesheimer Bischof Norbert Trelle wurde zur Eröffnung ersten Integrierten Gesamtschule in kirchlicher Trägerschaft in Duderstadt von Kindern eine Bratwurst serviert. Jetz will sich das Bistum von der St. Ursula-Schule trennen.

Duderstadt. Sie war die erste Integrierte Gesamtschule in kirchlicher Trägerschaft. Nun will sich die katholische Kirche von der St.-Ursula-Schule in Duderstadt trennen.

Die überraschende Entscheidung von Bischof Norbert Trelle wurde am Donnerstag vom Bistum Hildesheim offiziell mitgeteilt – dazu Fragen und Antworten.

Warum soll die Schule nicht als katholische Schule bestehen bleiben?

Die Sankt-Ursula-Schule in Duderstadt soll nicht mehr als katholische Schule erhalten bleiben, weil sie von nicht genügend Schülern besucht wird. Die niedrigen Anmeldezahlen sind seit mehreren Jahren ein Problem. Die geringe Größe führt dazu, dass die Kosten für die Bewirtschaftung der Schule zu hoch sind. Außerdem sind aus pädagogischer Sicht zwei Klassen pro Jahrgang für eine Integrierte Gesamtschule zu wenig.

Was sieht der Beschluss des Bischofs zur Schule genau vor?

Die St.-Ursula-Schule kann nicht als katholische Schule erhalten werden. Um eine Schließung zu vermeiden, möchte das Bistum Hildesheim die Schule an einen anderen Träger übergeben. Die Diözese wird mit dem Landkreis Göttingen über eine mögliche Übergabe der Trägerschaft sprechen.

Seit wann gibt es die Sankt-Ursula-Schule in Duderstadt?

Die Sankt-Ursula-Schule in Duderstadt gibt es seit 1973. Zuvor hatte es eine Realschule und ein Gymnasium der Ursulinen in Duderstadt gegeben. Bei der Abschaffung der Orientierungsstufe in Niedersachsen im Jahre 2004 verlor die Schule fast 40 Prozent ihrer Schüler. Das Land Niedersachsen sagte dem Bistum daraufhin das Recht zu, an der St. Ursula-Schule einen Realschul- und Gymnasialzweig einzurichten, sofern die öffentlichen Schulträger dem zustimmen würden.

Wie viele Schüler besuchen derzeit die Einrichtung?

Zurzeit sind es 338. Vor einigen Jahren entschloss sich das Bistum zur Umgestaltung der Schule in eine Integrierte Gesamtschule. Erreicht wurde dies mit dem Auslaufen der Haupt- und Realschule zum Sommer 2015. Seitdem ist die Sankt-Ursula-Schule für alle Jahrgangsstufen eine reine Integrierte Gesamtschule.

Seit wann besteht das Problem der niedrigen Anmeldezahlen?

Als die St.-Ursula-Schule zum Schuljahr 2010/2011 als Integrierte Gesamtschule startete, gab es 108 Anmeldungen, daraus ließen sich vier Klassen bilden. Seitdem sank die Zahl deutlich ab. Zum Schuljahr 2015/2016 verzeichnete gab es nur noch 41 Anmeldungen (zwei Klassen). Die Schülerzahl sank innerhalb von sechs Jahren von 453 auf 338.

Was wurde für den Fortbestand der Schule getan?

Um die Attraktivität der Schule zu erhöhen, hat das Bistum in das Gebäude investiert. Für eine halbe Million Euro entstand eine neue Mensa. Außerdem wurde in den IT-Bereich investiert und die Sporthalle saniert.

Was passiert mit den Schülern, die gegenwärtig an der St.-Ursula-Schule unterrichtet werden?

Alle Schüler, die gegenwärtig die Schule besuchen, sollen dort wie vorgesehen beschult werden. Das gilt auch für den Fall, dass die Schule geschlossen wird. Für das Bistum ist es vordringliche Aufgabe, die Schullaufbahn der Schüler so zu gestalten, dass sie keine Nachteile haben.

Was bedeutet die Schließung der Schule für die katholische Kirche im Eichsfeld?

Dazu sagt Propst Bernd Galluschke, Dechant im Dekanat Untereichsfeld: „Für mich geht es um die Frage, ob es sich um eine Schließung handelt oder um eine Übergabe an einen neuen Träger, etwa den Landkreis. Neben dem selbstverständlichen Religionsunterricht können dann weiterhin christliche Inhalte wie Schulgottesdienste und Schulseelsorge angeboten werden. Das wird Verhandlungssache sein.“

Wem gehört das Schulgebäude, und was passiert mit der Immobilie?

Die St.-Ursula-Schule in Duderstadt besteht aus einem Gebäude, das den Ursulinen gehört. Für die Nutzung erhalten die Ordensschwestern Miete vom Bistum Hildesheim. Sollte sich die Diözese als Schulträgerin zurückziehen, würden die Ursulinen das Schulgebäude voraussichtlich an den neuen Träger vermieten wollen. (bsc)

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