Uni-Klinikum: Zahl rückläufig

Keime: Göttingen liegt nicht im Trend

Hygieneexpertin der UMG: Dr. Priv. Doz. Simone Scheithauer.

Göttingen. Multiresistente Keime sind vielerorts im Vormarsch, nicht so im Landkreis Göttingen.

Lesen Sie auch

Gefährliche Keime in Krankenhäusern: Zahl der Fälle explodiert

Nach einer umfassenden Recherche mehrerer Medien wie der „Zeit“, basierend auf den Abrechnungsdaten der Krankenhäuser bundesweit, weiten sich die Infektionen mit diesen gefährlichen Keimen aus (HNA berichtete). Besonders betroffen seien demnach auch die Krankenhäuser in den Landkreisen Northeim und Holzminden. Der Landkreis meldet dort mit 22 so viele MRSA-Infektionen wie kein anderer in Deutschland, heißt es in der „Zeit“. Kennzahl ist die Diagnose pro 1000 Krankenhauspatienten 2013. Dort hätten Patienten auch Angst, im Krankenhaus infiziert zu werden.

Grundsätzlich anders ist die Situation im Landkreis Göttingen, hier ist die Zahl der Infektionen aufgrund multiresistenter Keime leicht rückläufig. Das bestätigen die Zahlen In der Universitätsmedizin Göttingen.

Auch hier kommen nicht mehr Patienten mit multiresistenten Keimen in die Klinik. Das sagte Priv. Doz. Dr. Simone Scheithauer, Leiterin der Stabsstelle Krankenhaushygiene und Infektiologie an der UMG auf HNA-Anfrage.

Als Beispiel nennt Simone Scheithauer die Zahlen für den Erreger MRSA, eines Bakteriums, das sich seit der Verbreitung von Antibiotika in den 60er-Jahren vermehrt. Gegen MRSA helfen meistens auch keine anderen Antibiotika. Bei MRSA schwankt die Zahl der mit dem Keim besiedelten oder infizierten Patienten seit 2009 zwischen 506 (2009, 2011) und 453 (2013).

Auch bei den weiteren häufigen Keimen wie ESBL, MRGN und VRE gibt es nicht signifikant mehr Fälle in der Uni-Klinik, berichtet Scheithauer. Fazit: Man liege nicht in dem beschriebenen Trend.

Derartige statistische Erhebungen von „Zeit“, Funke-Mediengruppe und Journalismusbüro Correct!V seien ihrer Meinung generell zu hinterfragen, auch der Aspekt der räumliche Zuordnung nach Landkreisen beeinflusse stark die Ergebnisse. Entscheidend für die Fallzahlen sei maßgeblich auch das Alter. „Ältere Menschen werden weitaus häufiger von multiresistenten Keimen infiziert als jüngere“, sagt Scheithauer. Sie hätten mehr Kontakte mit Kliniken, würden häufiger operiert und hätten mehr Kontakte in Krankenhäusern, Reha-Kliniken und Seniorenheimen.

Folglich ist die statistische Häufung von Erkrankungen mit multiresistenten Keimen in „überalterten“ Regionen oder Landkreisen oft höher. Eine Entwicklung, die im Landkreis Göttingen mit der relativ jungen Stadt Göttingen nicht zu verzeichnen ist.

Bemerkenswert ist auch: „Die meisten Patienten kommen bereits mit den Keimen in die Klinik, die meisten werden beim Screening bei uns entdeckt und dann behandelt“, sagt Simone Scheithauer. In der UMG Göttingen wird die Quote der MRSA-Fälle, die bereits mit Infektionen in die Klinik kommen, auf 90 Prozent beziffert.

Träger von Keimen, auch multiresistenten sind wir übrigens fast alle, auch bei anderen Infektionen bilden sich immer auch resistente Krankheitserreger. Foto: UMG/nh

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.