Kommission kritisiert Provisionszahlungen

Transplantationsskandal: Ex-Vorstandsmitglied widerspricht angeklagtem Chirurgen

Ex-Vorstandsmitglied in der Universitätsmedizin Göttingen: Barbara Schulte leitete von November 2007 bis Ende 2011 den Bereich Wirtschaftsführung und Administration der UMG und verhandelte auch den Vertrag mit dem im Transplantationsprozess angeklagten Chirurgen. Foto: Archiv/nh

Göttingen. Im Prozess um den Transplantationsskandal hat am Montag erstmals ein früheres Vorstandsmitglied des Uni-Klinikums vor dem Landgericht ausgesagt und dem Angeklagten Dr. Aiman O. widersprochen.

Barbara Schulte war bis Ende 2011 für den Bereich Wirtschaftsführung und Administration zuständig gewesen und hatte 2008 die Vertragsverhandlungen mit dem angeklagten Chirurgen geführt. Dr. O. hatte behauptet, dass er sich gegen Bonuszahlungen für Transplantationen gewehrt habe, weil er sie für ethisch nicht vertretbar gehalten habe. Die Klinikumsleitung habe jedoch auf einer solchen Regelung bestanden. Schulte sagte nun, dass O. selbst diese Bonuszahlungen vorgeschlagen und keine Bedenken dagegen geäußert habe. Aiman O. war im Oktober 2008 von Regensburg nach Göttingen gewechselt und hatte die Leitung der Transplantationschirurgie übernommen. Sein Arbeitsvertrag sah vor, dass er zusätzlich zum Monatsgehalt von 14 000 Euro für jede über die Mindestanzahl von 20 hinaus gehende Lebertransplantation eine Zusatzvergütung von 1500 Euro bekommen sollte.

Ein Jahr später wurden die Bonuszahlungen auf höchstens 60 Lebertransplantationen begrenzt, so dass die maximale variable Vergütung bei 60 000 Euro jährlich lag. Schulte erläuterte, wie es zu der Bonus-Regelung gekommen war. O. habe eine hohe Gehaltsforderung gestellt, die „nicht in das normale Gehaltsgefüge hineingepasst“ habe. Er habe erst moniert, dass das Fixgehalt zu gering sei und dann den Vorschlag gemacht, den variablen Gehaltsanteil an die Transplantationszahlen zu koppeln. Der damalige Vorstand sei dem Vorschlag gefolgt, weil der Chirurg seine Überstunden und Bereitschaftsdienste nicht habe extra abrechnen dürfen. Damals habe keine Seite Einwände gegen diese Regelung erhoben, sagte Schulte: „Aus damaliger Sicht war es ein sauber und gut verhandelter Vertrag.“

Der Angeklagte erfüllte die Zielvorgaben, ging aber nicht darüber hinaus. Dies geht aus der Aussage eines Referenten des heutigen Klinikumsvorstandes hervor. Danach gab es bis Ende 2009 insgesamt 59 Lebertransplantationen in Göttingen, 2010 waren es 58. Die Bonus-Vereinbarung galt nur für zwei Jahre. Nachdem 2011 die Regelung ausgelaufen war, sank die Zahl der Transplantationen. Bis Ende November – in dem Monat wurde Dr. O. wegen der aufgedeckten Manipulationen von seinen Aufgaben entbunden – waren es 31.

Kritisiert wurde die Bonusregelung auch durch die von der UMG beauftragten Gutachter (wir berichteten): Die „ausschließliche und lineare Koppelung der variablen Vergütung“ an die Transplantationszahlen erscheine „unter Ethikgesichtspunkten problematisch“. Es sei nicht auszuschließen, dass die Sondervergütung als „erheblicher monetärer Anreiz“ zu den Manipulationen und Regelverstößen beigetragen habe. (pid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.