Keine Routine: Göttinger Hebamme im Einsatz

Die Hebamme Irene Meyer aus Göttingen in Aktion: Sie hört bei einem Hausbesuch mit einem „Hör-Rohr“ den Bauch einer Patientin ab. Fotos: Zander

Göttingen. Die UN-Organisation Unesco ernannte das Hebammenwesen kürzlich zum immateriellen Kulturerbe. Wir haben eine Hebamme aus Göttingen bei der täglichen Arbeit begleitet.

Irene Meyer wird bereits sehensüchtig erwartet. Die 54-Jährige ist Hebamme und wieder einmal unterwegs zu einem Hausbesuch. Diesmal führt ihr Weg nach Bovenden. „Die Mutter, zu der ich fahre, ist Japanerin und freut sich immer sehr, mich zu sehen“, erzählt Meyer. Die Entbindung hat bereits stattgefunden, Meyer kommt aber auch noch einige Monate nach der Geburt regelmäßig zu Besuch, um die Mutter bei den ersten Schritten zu begleiten. „Gerade die Zeit nach der Geburt ist immens wichtig“, sagt sie.

Das Interesse am Hebammenwesen begann bei der Göttingerin schon früh. „Mit fünf Jahren habe ich eine Hausgeburt mit einer Hebamme erlebt. Diese Frau war in vielen Belangen beeindruckend - ihr Auftreten, ihre Herzlichkeit und ihr Können waren für mich damals ein Vorbild“, erzählt sie. Auf dem zweiten Bildungsweg wurde Irene Meyer schließlich selbst Hebamme, und führt den Beruf mit Leidenschaft aus.

Breites Aufgabenspektrum 

Auf die Frage nach ihren Aufgaben, die sie im Beruf erüllten muss, lacht Meyer und sagt nur: „Alles!“. Hebammen begleiten Schwangere sowohl vor, während als auch nach der Geburt. „Es gibt bei meiner Arbeit keine Routine. Jede Mutter, jedes Kind ist verschieden. Grundsätzlich ist mein Aufgabenfeld groß. Vor der Geburt leiste ich Vorsorge, Beratung, Massagen und Akupunktur. Nach der Geburt stehen unter anderem Still- und Ernährungsberatung auf dem Programm, zudem soll eine feste Bindung zwischen Mutter und Kind entstehen“, erklärt Meyer, die auch die traditionelle Chinesische Medizin und die Gebärdensprache beherrscht. Natürlich zählt auch die Geburt zu den wichtigen Aufgaben einer Hebamme. Doch auch Gespräche sind eine wichtige Aufgabe. „Die Frauen brauchen Vertrauen in den eigenen Körper.“

Alles dabei: Urinteststreifen, Desinfektionsmittel, Handschuhe, ein Blutdruck-Messgerät, ein Messband und Akupunkturnadeln.

Meyer ist froh, dass sie als freiberufliche Hebamme arbeitet, und nicht in einem Krankenhaus angestellt ist. „Hier bin ich mein eigener Chef und muss mich nicht den Schichtzeiten anpassen“, sagt Meyer. Doch die Situation des Hebammenwesens ist in Deutschland keine allzu gute. Geringer Verdienst und hohe Versicherungsprämien sorgen dafür, dass immer mehr Hebammen in Krankenhäusern arbeiten. „Dazu kommt, dass viele Hebammen in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, während viel zu wenig neue nachrücken“, sagt Meyer.

Immaterielles Kulturerbe

Umso größer ist ihre Freude daher über die Anerkennung des Hebammenwesens als immaterielles Kulturerbe. „Ein großer Dank gebührt Barabra Hirt und Deike Terruhn, die den Antrag für die Unesco vorbereitet haben“, sagt Meyer und ergänzt: „Das ist eine große Bestätigung für die Arbeit, die die Hebammen jeden Tag leisten.“

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