Junge Zuschauer honorierten „Bremer Stadtmusikanten“ mit viel Applaus

Kinderstück in neuem Gewand

Die Stadtmusikanten in Aktion: Dem jungen Premierenpublikum gefiel die neue Inszenierung des Deutschen Theaters. Foto: DT/Winarsch/nh
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Die Stadtmusikanten in Aktion: Dem jungen Premierenpublikum gefiel die neue Inszenierung des Deutschen Theaters.

Göttingen. „Etwas Besseres als den Tod“ haben sie gefunden, die Bremer Stadtmusikanten, nämlich ein neues gemütliches Zuhause mitten im Wald, das sie mit viel List und Geschrei den fürchterlichen Räubern streitig gemacht haben.

Und diesen Erfolg hat das fast durchweg sehr junge Premierenpublikum im Jungen Schauspiel des Deutschen Theaters Göttingen am Sonntag mit lang anhaltendem und begeistertem Applaus honoriert.

Doch bis es soweit war, musste mit Esel, Hund, Katze und Hähnchen auf ihrem Weg nach Bremen ganz schön mitgefiebert werden. Nicola Bongart hat den alten Text des Grimmschen Märchens von ganz viel Staub befreit und daraus eine peppige Bühnenfassung gemacht, die von Joachim von Burchard wieder gekonnt in Szene gesetzt wurde.

Bluesmusik

Die bluesige Musik und die witzigen Lieder (Jan Exner u.a.), die die Protagonisten eben als echte Stadtmusikanten zu Gehör brachten, waren dabei ein zusätzlicher Spaßfaktor. Etwa wenn der Esel (Andreas Jeßing) mit bayerisch-eseligem Dialekt sein Schicksal immer wieder als „I Amer“ beklagt, oder der Hund (Jan Exner) mit „guter Stimme, aber schlechter Stimmung“ so richtig den Blues raushängen lässt.

Lasziv und kokett in Spitzenhöschen und Leopardenstrümpfen jammert die Katze (Marie-Kristien Heger) ihrem „Leben ohne Not“ hinterher, während das Hähnchen (Kathrin Müller-Grüß) wild flatternd und mit aufgeregten Karateschlägen versucht, dem Kochtopf zu entkommen. Jeder einzelne von ihnen ist stark angeschlagen, gemeinsam haben sie jedoch ihren Aufstieg als erfolgreiche Band in Bremen sicher im Blick.

Mit slapstickartigen Einlagen begeisterte auch das Räuberduo Hauptmann und Dings (Florian Eppinger und Andreas Daniel Müller), wie etwa Dings Versuch, gleichzeitig sich selbst und einen Kronleuchter durch eine Saloontür zu bugsieren. Kein Wunder also, dass diese beiden nicht sehr hellen Gesellen schließlich von den vier pfiffigen Stadtmusikanten übertölpelt werden konnten.

Jeannine Simon hat alle Darsteller mit viel Liebe zum Detail ausgestattet, so beispielsweise das Hähnchen über und über in Rüschenhemdchen und bunte Federn gekleidet und mit einem riesigen Hahnenkamm versehen, der schlaffer und erbärmlicher schon gar nicht mehr sein konnte. Auch solche Einzelheiten haben mit dazu beigetragen, dass das Deutsche Theater um ein schönes altes Kinderstück in neuem Gewand reicher geworden ist. 

Kartentelefon: 0551/49690, Weitere Aufführungen: 20., 25. 4. sowie 7., 17. und 26. 5.

Von Carmen Barann

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