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Kinder mit Gewalt zum Essen gezwungen: Kita darf Erzieherinnen nicht weiterbeschäftigten

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Von: Heidi Niemann

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Zwei Erzieherinnen einer Kita in Nesselröden sollen Kinder mit Gewalt zum Essen gezwungen haben. Nun darf die Kita die beiden Frauen vorerst nicht weiterbeschäftigen.

Duderstadt – Die katholische Pfarrgemeinde St. Georg in Nesselröden bei Duderstadt darf zwei Mitarbeiterinnen bis zum Abschluss der gegen sie laufenden strafrechtlichen Ermittlungen nicht in ihrer Kindertagesstätte beschäftigen. Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen in einem einstweiligen Rechtsschutzverfahren entschieden.

Das Gericht gab damit einem Antrag mehrerer Eltern statt. Die beiden Kita-Mitarbeiterinnen waren im Juli von der Arbeit freigestellt worden, nachdem bekannt geworden war, dass gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Kindesmisshandlung anhängig ist.

Verwaltungsgericht Göttingen: Kita in Nesselröden darf Erzieherinnen vorerst nicht weiterbeschäftigten

Kinder beim Mittagessen in einer Kindertagesstätte.
In Duderstadt bei Göttingen sollen Betreuerinnen einer Kita Kinder mit Gewalt zum Essen gezwungen haben. Nun hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden, dass die Kita die Erzieherinnen vorerst nicht weiterbeschäftigen darf. (Symbolbild) © imago stock&people

Ende September beschloss der Kirchenvorstand, die freigestellten Erzieherinnen unter Auflagen wieder einzusetzen. Die betreffenden Eltern fürchteten um das Wohl ihrer Kinder und zogen vor Gericht – mit Erfolg. Die Richter halten die Sorgen der Eltern für begründet und üben zudem deutliche Kritik an der Einrichtung (Aktenzeichen 2 B 211/22).

Anlass für die strafrechtlichen Ermittlungen war eine Strafanzeige einer ehemaligen Kita-Mitarbeiterin gewesen. Darin wurde einer Sozialassistentin und einer Erzieherin vorgeworfen, Kinder aus deren Krippengruppe zum Essen gezwungen zu haben.

Außerdem hätten sie Kinder fixiert und zur Strafe allein im Waschraum oder im Flur eingesperrt. Andere Erzieherinnen sollen im Rahmen ihrer Zeugenaussage bei der Polizei ebenfalls ausgesagt bestätigt haben, dass Kinder von den beiden Mitarbeiterinnen misshandelt worden seien.

Zwei Erzieherinnen der katholischen Krippe sollen Kinder mit Gewalt zum Essen gezwungen haben

Nachdem die betreffenden Mitarbeiterinnen aufgrund dieser Vorwürfe zunächst freigestellt worden waren, teilte die Pfarrgemeinde den Eltern mit, dass diese ab Oktober bis zum Abschluss des Ermittlungsverfahrens wieder in der Kita eingesetzt werden sollten. Bestimmte Auflagen sollten sicherstellen, dass das Kindeswohl gewährleistet sei.

So würden die Mitarbeiterinnen in unterschiedlichen Gruppen und jeweils unter Begleitung einer Fachkraft arbeiten. Die Eltern wollten die Weiterbeschäftigung verhindern, weil sie befürchteten, dass es erneut zu Misshandlungen kommen könnte.

Das Verwaltungsgericht in Göttingen.
Das Verwaltungsgericht Göttingen: Hier fiel die Entscheidung zu den Erzieherinnen. (Archivbild) © Bernd Schlegel

Da die Kinder infolge der Ereignisse traumatisiert seien, drohe zudem bei einem unvermeidlichen Aufeinandertreffen mit den Mitarbeiterinnen eine Retraumatisierung. Nach Ansicht des Gerichts reichen die Auflagen nicht aus, um eine mögliche Beeinträchtigung des Kindeswohls sicher auszuschließen.

Sollte sich der bestehende Verdacht als gerechtfertigt erweisen, sei das körperliche und seelische Wohl der Kinder durch das Verhalten der Mitarbeiterinnen in erheblichem Maße beeinträchtigt worden. Das Gericht übt zudem deutliche Kritik sowohl an der Kita-Leitung als auch an der Aufsichtsbehörde. (pid)

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