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Klimaarchiv: Wissenschaftler wollen in Harzer Höhle die Eiszeit erforschen

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Von: Thomas Kopietz, Bernd Schlegel

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Blick in die Einhornhöhle im Südharz: Dort werden immer wieder Knochen gefunden, die zum Teil mehr als 50 000 Jahre alt sind.
Blick in die Einhornhöhle im Südharz: Dort werden immer wieder Knochen gefunden, die zum Teil mehr als 50.000 Jahre alt sind. © Swen Pförtner/dpa

Forscher wollen mehr über die Eiszeit und das damalige Klima erfahren. Deshalb wird unter die Einhornhöhle im Südharz mit neuesten Methoden untersucht.

Scharzfeld/Hannover – Mit 1,6 Millionen Euro fördern das Land Niedersachsen und die Volkswagen-Stiftung ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Eiszeit. Unter anderem soll die „Einhornhöhle“ in Scharzfeld im Südwestharz in das Projekt einbezogen werden.

Im Mittelpunkt stehen zudem die ältesten erhaltenen hölzernen Jagdwaffen der Menschheit, die in Schöningen bei Helmstedt und Lehringen bei Verden gefunden wurden, wie das Landesdenkmalamt in Hannover mitteilte. Diese international bedeutenden Fundstellen in Niedersachsen seien zugleich hervorragende Archive, die Einblicke in die Klima- und Umweltbedingungen verschiedener Zeitfenster während der vergangenen 300 000 Jahre ermöglichten, erläuterten die Denkmalschützer.

Forscherinnen und Forscher hätten sich jetzt zu einem Verbund zusammengeschlossen, um diese Quellen mit modernsten Methoden zu erschließen und zu analysieren.

Dazu sind unter anderem hochauflösende geophysikalische Messungen, Bohrungen und Ausgrabungen an verschiedenen Fundstellen vorgesehen, um das Alter der geologischen Strukturen zu bestimmen. Unter anderem mithilfe von Pollen und Resten von Mückenlarven könnten so die damaligen Umweltbedingungen rekonstruiert werden, hieß es. Die Förderung fließt für insgesamt drei Jahre.

Die Daten sollen zu einem besseren Verständnis des natürlichen Klimawandels insbesondere während früherer Warmzeiten beitragen und klären, wann und wie der frühe Mensch in Norddeutschland überleben konnte. Beteiligt sind Wissenschaftler der Universitäten Göttingen, Braunschweig, Hannover und Lüneburg sowie aus dem Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven, dem Leibniz Institut für Angewandte Geophysik und dem Landesdenkmalamt in Hannover.

In der „Einhornhöhle“ wurde im vergangenen Sommer ein mehr als 50 000 Jahre alter verzierter Knochen gefunden, der nach Angaben von Archäologen einen entscheidenden Baustein zum Verständnis der kulturellen Fähigkeiten des Neandertalers liefert.

In Schöningen waren zwischen 1994 und 1998 insgesamt neun hölzerne Wurfspeere und eine Holzlanze aus der Altsteinzeit gefunden worden, die nach Angaben von Forschern rund 400 000 Jahre alt sind. (Thomas Kopietz/Bernd Schlgel, mit dpa)

Namhafte Wissenschaftler kamen in die Einhornhöhle

Schon vor mehr als 1000 Jahren wurden aus der Einhornhöhle bei Scharzfeld im Harz regelmäßig Knochen geborgen. Doch die Wissenschaftler standen vor einem Rätsel: Die Funde passten zu keiner bekannten Tierart der Zeit. Sie kamen daher zu dem Schluss, dass es sich um Knochen des sagenumwobenen Einhorns handeln müsse, sagt Geologe und Projektleiter der Höhle, Ralf Nielbock.

Neben Apothekern pilgerten namhafte Wissenschaftler wie Gottfried Wilhelm Leibniz zu der Fundstelle nahe Göttingen, um das begehrte Heilmittel zu suchen. Mittlerweile ist zwar bekannt, dass es sich um Knochen von altzeitlichen Höhlenbären handelt, die ebenso wie der Neandertaler einst dort lebten. Die Faszination für die Höhle ist trotzdem ungebrochen – nicht nur wegen der Einhorn-Mythen und Historie. „Die Höhle ist ein Magnet für Film und Fernsehdrehteams“, sagt Nielbock. Unter anderem die Netflix-Serie „Dark“ wurde dort gedreht, nun locke sie zahlreiche Fans an. Die Einhornhöhle ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt sechs Euro. Weitere Infos gibt es hier. (bsc/lni)

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