Sonntag erstmals in der Uni mit Riesenprogramm

„Tag der offenen Sammlungen“: Kochen wie im Alten Rom

Riesenexponat: Das Wal-Skelett im Zoologischen Institut am Bahnhof, das am Sonntag zum „Tag der offenen Sammlung“ auch geöffnet sein wird. Foto: Uni/nh

Göttingen. Millionen Schätze lagern in den akademischen Sammlungen der Uni, meist hinter verschlossenen Türen. Viele aber können am Sonntag entdeckt werden, wenn die Universität zum ersten Mal zum „Tag der offenen Sammlung“ einlädt und von 8 bis 10 Uhr ein Programm für die ganze Familie bietet.

Das Motto-Sprichwort „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ müsste eigentlich noch um das Wort „sonst“ erweitert werden. Denn am Montag werden viele Exponate wieder in den Lagern der Fachbereiche und auf den Tischen der Wissenschaftler verschwinden. Sie dienen nämlich häufig auch der Forschung, wie Dr. Katrin Pietzner sagt. Sie hat mit Regina Lange aus der Uni-Öffentlichkeitsarbeit die Koordination des einmaligen Sammlungstages übernommen. Besucher können sich dabei auf Entdeckungstour begeben. Ein Plan in der Broschüre führt sie zu den 28 Sammlungen, Gärten und Museen.

Dort erwarten Mitarbeiter, Wissenschaftler und Studierende die Gäste, um ihnen die Objekte vorzustellen, etwas über die Exponate und Forschungen zu berichten und, um sie zum Mitmachen zu bewegen. Denn Sehen ist die eine Seite der Entdeckungsreise durch Göttingens Sammlungen, das Miträtseln und Ausprobieren die zweite. „Es gibt enorm viel zu entdecken, auch für Kinder und Jugendliche“, sagt Regina Lange, die schon die „Nacht des Wissens“ koordinierte. Das Programm am Sonntag sei so umfangreich, dass „man sicher nicht alles sehen kann“, sagt Lange, die Gästen rät, sich vorher zu informieren und eine Route zu planen. „Mann kann sich aber auch treiben lassen, vieles ist fußläufig in der Stadt zu erreichen.“ Programm und Plan sind im Internet abrufbar. Zu einigen Führungen sind Anmeldungen erforderlich.

Die Vielfalt gibt es auch thematisch. Sie bietet natürlich Ausstellungen wie in der Kunst-, der Musikinstrumenten- und Archäologischen Sammlung. Gezeigt werden in der Geophysik die seltenen, historischen Gerätschaften. Zu sehen sind auch Skelette, Schädel und Mumien im Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut. Die Wissenschaftler werden berichten, was an und mit ihnen erforscht wird. Überhaupt werden Experten über ihre Forschungsarbeiten erzählen, teilweise in kurzen, 15-minütigen Seminaren.

Für Kinder gibt es auch Lesungen aus historischen Kinder- und Jugendbüchern – ein Geheimtipp von Regina Lange. Eine Suchrallye wird an vielen Orten gestartet: Foto-Motivkarten fordern dazu auf, einzelne Exponate zu finden. Schließlich geht es darum, den Slogan mit Leben zu füllen: „Ich sehe was, was Du nicht siehst.“

Ach ja: Kulinarisches gibt es natürlich auch – passend zubereitet: Im Nikolausberger Weg kann im Archeo-Kochstudio gespeist werden – wie im Alten Rom.

• Programm/Infos: www.uni-goettingen.de/sammlungstag

Blick hinter die Uni-Mauern

An der Universität Göttingen gibt es seit Juni 2013 eine Zentrale Kustodie: Dr. Marie Luisa Allemeyist die Direktorin dieser jüngsten Institution der Uni. Zum Tag der offenen Sammlung sprachen wir mit ihr.

Welche Aufgabe hat die Zentrale Kustodie?

Marie Luisa Allemeyer: Die Zentrale Kustodie sorgt dafür, das Potenzial unserer Sammlungen, Museen und Gärten stärker für Forschung und Lehre sowie für die Außendarstellung der Uni zu nutzen. Auch Letzteres wird immer wichtiger. Zudem hat die Wertschätzung der Sammlungen zugenommen. Dazu hat die „Nacht des Wissens“ beigetragen, dort konnte das enorme Potenzial der Sammlungen gezeigt werden. Das Publikumsinteresse war riesig. Es geht darum, diese Wertschätzung zu sichern und auszuweiten, auch mit dem „Tag der offenen Sammlung“.

Welche Rolle spielt das Projekt „Haus des Wissens“ dabei?

Allemeyer: In dem Museum sollen Exponate aus allen Sammlungen gezeigt werden, aber in regelmäßig wechselnden Themenausstellungen. Objekte geben der Wissenschaft ein Gesicht – dauerhaft sichtbar im „Haus des Wissens“. Standort ist das Gebäude des Zoologischen Institutes am Bahnhof. Dennoch werden alle Sammlungen für sich erhalten bleiben.

War also das Ziel „Haus des Wissens“ auch ein Antrieb dafür, den „Tag der offenen Sammlung“, zu veranstalten?

Allemeyer: Antrieb war, die Sammlungen zu zeigen und den Menschen Einblicke hinter die Mauern der Uni zu gewähren. Dasselbe Ziel verfolgt das Haus des Wissens. Weil wir für dessen Realisierung aber sehr viel Unterstützung aus der Öffentlichkeit benötigen, ist der Tag der offenen Sammlung wichtig. (tko)

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