Die Koffer sind schon gepackt: Demo in Worbis für Niedersachsen

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Seitenhieb: Man lasse sich nicht linken, stand auf einem Koffer an die Adresse vom Regierungschef Bodo Ramelow (Die Linke).

Worbis. Die Eichsfelder sitzen auf gepackten Koffern – und wollen in die Obhut des Landes Niedersachsen wechseln, wenn die Thüringer Landesregierung an ihren Plänen für eine Neugliederung der Kreise festhält. Der Eichsfeldkreis könnte mit dem Unstrut-Hainich-Kreis verschmelzen.

Denn diese, so der Bürgermeister von Leinefelde-Worbis, Marko Grosa (CDU), kämen einer Zerschlagung des Eichsfeldkreises gleich. Nach den Plänen des Landes Thüringen sollen aus den 17 Kreisen acht werden. Die Zahl der kreisfreien Städte verringert sich von sechs auf zwei (Erfurt und Jena). Mindestgröße für einen Landkreis: 130 000 Einwohner. Die Hälfte der Thüringer Kreise will wegen der Kreisreform das Verfassungsgericht anrufen.

Bei einer symbolischen Demonstration am Samstag im Zentrum von Worbis wollten die Eichsfelder an den Auszug von 40 000 Eichsfeldern am 21. Januar 1990 nach Duderstadt erinnern. Mit der damaligen Koffer-Demo protestierten sie auf dem Höhepunkt der Wende gegen das SED-Regime in Ostberlin.

27 Jahre später gab es vielfältige Zeichen der Verbundenheit der Eichsfelder mit Niedersachsen: Die Landesflagge mit dem Roß zierte die Bühne, Kinder schwenkten Fähnchen mit diesem Motiv. Und der Spielmannszug aus Duderstadt brachte musikalische Grüße aus dem Untereichsfeld.

Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) war einer der Redner, ging aber auf einen möglichen Wechsel über die Landesgrenze hinweg nicht ein. Er sagte den Obereichsfeldern seine Unterstützung beim Kampf um die Erhaltung des Eichsfeldkreises zu.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Gerold Wucherpfennig, der einst im Kreis Göttingen wirkte, betonte, dass ein Wechsel in ein anderes Bundesland nach dem Gesetz grundsätzlich möglich sei, aber auf viele Hürden stoßen würde. Die Interessenlage sei zu unterschiedlich.

Eichsfeld-Landrat Dr. Werner Henning (CDU) erinnerte daran, dass man vom Eichsfeld von je her nach Hannover geblickt habe. Das Eichsfeld, so Hennig und Wucherpfennig, sei eine territoriale Besonderheit, die sich weder Niedersachsen, noch Thüringen oder Hessen zugehörig fühle: Man sei ein Bindeglied zwischen den Landschaften, zwischen Harz und Thüringer Wald. Alle Redner bekräftigen, dass man sich aus Erfurt keinen Zusammenschluss mit dem Unstrut-Hainich-Kreis aufdrängen lassen wolle. Grosa sprach von Zwangsverheiratung. Das Land müsse den Nachbarkreis entschulden, erst dann könne man über ein Zusammengehen reden, denn der Eichsfeldkreis stehe wirtschaftlich gut da.

Unter dem Eindruck landesweiter Proteste hat Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) letzte Woche den Start für die neuen Kreise um ein halbes Jahr auf Mitte 2018 verschoben.

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