Kommentar zum Klinikum-Neubau: Starkes Signal – nun muss es losgehen

Göttingen. 1,1 Milliarden Euro will das Land für den Neubau der Universitätsmedizin Göttingen in einem Sondervermögen finanzieren. Dazu ein Kommentar von Thomas Kopietz.

In der Pipeline steckte diese Nachricht bereits, am Dienstag durften (SPD)-Politiker sie an die Öffentlichkeit befördern: Das Land pumpt 2,1 Milliarden Euro in die beiden Universitätskliniken Hannover und Göttingen.

Für Göttingen ist das eine existenziell wichtige Nachricht. Seit knapp einem Jahrzehnt wird über einen Teilneubau oder Komplettbau des Klinikums gesprochen, gab es Zusagen von vorhergehenden Landesregierungen. Passieren konnte aber noch nichts, weil schlichtweg kein Geld freigegeben war. Das ist es auch jetzt nicht, aber die Absicht, noch in diesem Jahr hunderte Millionen in einen Vermögenstopf zu zahlen, ist hoch zu bewerten.

Dass es jetzt so weit gekommen ist, kann als Erfolg für das beharrliche Bohren dicker Eichenbohlen gelten. Das hat der UMG-Vorstand seit Jahren getan, vor allem in Person von Vorstandssprecher Prof. Heyo Kroemer, der seit Jahren auch als Geldbeschaffer für alle deutschen Universitätskliniken und natürlich speziell der eigenen bis zum Gesundheitsminister regelmäßig unterwegs ist. Und: Bei Ortsterminen wurde den Landes- und Bundesministern stets die Notwendigkeit einer Runderneuerung des 40 Jahre alten Klinikums vor Augen gehalten.

Und die Entscheider haben erkannt, dass es so mit der UMG nicht mehr weiter gehen kann, wo mit hohem Einsatz und viel Geld seit vielen Jahren baulich geflickschustert wird, um den Betrieb zu gewährleisten und einem wachsenden Betrieb den zwingend notwendigen Raum zu geben.

Für die Maximalversorgung der Bevölkerung im Vier-Länder-Eck und das Untermauern des starken Forschungscampus Göttingen muss bald eine neue Infrastruktur geschaffen werden – aber auch für die weit mehr als 7000 Mitarbeiter in der UMG, die häufig unter schwierigen, beengten Bedingungen arbeiten müssen und das teils mit stoischer Ruhe, teils mit gehörigem Frust tun. Am Rande bemerkt: Der Vorstand samt Abteilung macht da keine Ausnahme, sitzt abseits in bescheidenen Container-Büros.

Dass der Abriss des maroden Bettenhauses I, wo es bei Schlagregen durch die Fenster tröpfelt, schon Jahre hinter dem Zeitplan herhinkt, ist der UMG am wenigsten anzukreiden: in Hannover sind nur wenige mit der Abwicklung der Bauplanungen betraut.

Angeblich steht jetzt die Bewilligung der 150 Millionen Euro für Abriss und Bau von Bettenhaus I endlich bevor. Rollen dort die Bagger an, dann wäre es ein wirklich starkes Signal und würde die Skepsis vieler Göttinger und Mitarbeiter vertreiben.

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