Kommentar zum Umbruch im Deutschen Theater Göttingen: "Mutiger Start"

Thomas Kopietz
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Thomas Kopietz

Das DT ist im Umbruch - dafür stehen ein neues Leitungsteam, ein zur Hälfte neu besetztes Ensemble und ein ambitioniertes Programm. Kommentar von HNA-Redaktionsleiter Thomas Kopietz.

Die Abonnenten und alle Besucher im Deutschen Theater können am 3. Oktober mit Spannung in die neue Spielzeit gehen: Denn das, was der künftige Intendant Erich Sidler und sein komplett neues Leitungsteam im Programm anbieten, ist zusammengefasst in der Sport-Terminologie keine kontrollierte Offensive, sondern eine mutige Eröffnung.

Sidler setzt weniger auf den Klassiker in der zigsten Neuinszenierung, sondern vielmehr auf Stücke mit einem Aha-Effekt und viel Potenzial sowie häufig auch mit tagesaktuellen Bezügen.

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Umgesetzt werden die Stücke von einem jungen Team, das einen meist noch unverstellten, forschen Blick auf die Dinge des Lebens hat. Ein vom Sicherheitsdenken geprägter unbeweglicher Künstler entspricht nicht dem Idealbild des Intendanten Erich Sidler. Die Stücke-Auswahl musste deshalb zwangsläufig ungewöhnlich ausfallen.

Das ist mutig, wie der gebürtige Schweizer selbst sagt. Ob es ein Wagnis ist, das nicht aufgeht, wird die Spielzeit zeigen. Die Frage wird sein, ob die treuen Abonnenten den Wandel gedanklich mitgehen werden, und ob ein neues Publikum in Göttingen den Weg ins DT finden wird. Positiv, dass die Zusammenarbeit zu Schulen und Universität gefestigt werden soll.

Ganz ohne Klassiker im Programm aber wird die neue Spielzeit auch nicht über die Bühne gehen: Der Intendant weist – zu Recht – daraufhin, dass sich die Definition Klassiker nicht allein auf Autoren wie Brecht oder Kafka beschränkt, sondern mittlerweile die klassische Moderne wie „Gas“ und zeitgenössische Klassiker wie Lohers „Fremdes Haus“ aufnehmen kann. „Fremdes Haus“ übrigens wird 2015 inszeniert vom dann ehemaligen Intendanten Mark Zurmühle. Das zeigt, man ist im DT auf ein gutes Verhältnis auch nach der Trennung bemüht. Neue und alte Führungskraft werden so exemplarisch weiter zusammenarbeiten auf einem Feld, das allerdings anders bestellt werden wird. Den Boden dafür hat der neue Intendant mit Mut und Weitsicht bereitet.

Sicher ist: Die Spielzeit 2014/15 im Deutschen Theater wird spannend.

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