Lindauer sind Leidtragende

Kommentar zum Umzug der Sonnensystem-Forscher: "Schritt in neue Welten"

Thomas Kopietz, Redakteur in Göttingen Foto: nh
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Thomas Kopietz, Redakteur in Göttingen Foto: nh

Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) ist in seinem neuen, 50 Millionen Euro teuren Gebäude in Göttingen eingezogen und hat Katlenburg-Lindau verlassen. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Thomas Kopietz.

Der Umzug der Weltraumforscher nach fast sieben Jahrzehnten – was erdgeschichtlich ein Wimperschlag ist – reißt in Katlenburg-Lindau ein Schwarzes Loch. Der Ort, den viele – auch Ministerpräsident Stefan Weil – ohne das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) noch immer am Bodensee vermuten würden, verliert seinen wichtigsten Positiv-Image-Faktor. Lindau verliert auch an Kaufkraft und Lebendigkeit.

Nach Leben werden die Wissenschaftler fortan von Göttingen aus in den unendlichen Weiten des Weltalls suchen. Eine der internationalen Missionen, Plato, an denen das MPS beteiligt ist, wird in den 2020er-Jahren fremde Sonnensysteme nach erdähnlichen Lebensbedingungen absuchen.

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Die Erweiterung der Forschungswelten des MPS von der Erdatmosphäre hin zu fremden Sonnensystemen ist auch ein Grund für den Umzug nach Göttingen. Es wurden neue technische Voraussetzungen benötigt, die der neue Komplex mit modernsten Geräten wie Weltraumkammern und Reinräumen bietet.

Zudem sucht das Max-Planck-Institut am Standort Göttingen zunehmend die Zusammenarbeit mit Forschern der Universität. Dafür bietet das neue Heim des MPS ideale Voraussetzungen: Am Uni-Nordcampus forschen Partner wie die Astrophysiker nur einen Steinwurf entfernt, können sich zum informellen Austausch auch bei einem Essen oder Kaffee treffen.

Die Verbünde zwischen Uni-Fachbereichen und Forschungsinstituten, die sich in einem Projekt wie im deutschlandweit richtungsweisenden „Göttingen Research Campus“ ausdrücken, machen Göttingen stark und werden von der Uni-Leitung forciert. Die Erfolge sind spürbar: So sind Göttingens vernetzte Forscher zum Beispiel im Bereich der Neuro-Wissenschaften weltweit vorn dabei. Das sind die Ansprüche, denen sich der Wissenschafts- und Ausbildungsstandort Göttingen stellt. Deshalb ist aus Göttinger Sicht der Umzug des MPS ein Muss – für die Uni und für das MPS. Letzteres wird auch für Göttingen ein Image-Faktor, ein Bekanntmacher weltweit werden, denn die nächsten Weltraummissionen auch mit der NASA und ESA werden mit MPS-Geräten durchs All fliegen, Mars, Venus und sogar andere Sonnensysteme erforschen. Sollten sie mit der Plato-Mission Leben im All entdecken, würde es zuerst in Göttingen bekannt. Das weltweite Medienecho wäre garantiert und würde gewaltig sein.

Leidtragende des Umzugs aber sind die Lindauer.

Schreiben Sie eine Email an den Autor: tko@hna.de

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