Joe Pentzlin und Gottfried Böttger spielen seit 35 Jahren vierhändig Boogie und Blues

Kongeniale Tasten-Zwillinge

Damal s ´78: Joe Pentzlin (links) und Gottfried Böttger bei einem ihrer ersten Auftritt als Piano-Duo. Am Samstag feiern der Göttinger und der Hamburger das 35-jährige Jubiläum mit einem Konzert im Alten Rathaus von Göttingen. Foto: Privat/nh

Göttingen. Wer spielt seit 35 Jahren Blues und Boogie Woogie vierhändig? Wer in Göttingens Musikszene diese Frage stellt, wird eine Antwort bekommen. Natürlich Joe Pentzlin! Da der aber keine vier Hände hat, kommt ein weiterer Name ins Quiz-Spiel: Gottfried Böttger. Die beiden greifen seit 35 Jahren gemeinsam in die Tasten: Böttger, die unbändige Rhythmus-Maschine und Pentzlin der feine Jazzer. Am Samstag spielen sie zum 35-Jährigen im Alten Rathaus auf.

Der Saal wird wohl voll, wie meistens, wenn Pentzlin/Böttger der Göttinger und der Hamburger in der Uni-Stadt gastieren. Denn sie sind Kult. Kein Wunder, denn die Konzerte mit Joe Pentzlin und Gottfried Böttger sind ein Erlebnis. Kritiker schrieben über „Tasten-Schlachten“, oder – wohl treffender – über Zwiegespräche am Piano. Oft aber über das geniale Zusammenspiel der Piano-Zwillinge, die wie echte Zwillinge, ansonsten höchst verschieden sind. „Wir sind auch keine dicken Freunde“, erzählt der mittlerweile weit über 70 Jahre alte und hellwache Joe Pentzlin, der in Lenglern wohnt.

Zusammengefunden haben die beiden Musiker per Zufall und auf Initiative von Pentzlin, damals 1978. Böttger spielte einst in Panik-Manier für Udo Lindenberg und komponierte für ihn. Pentzlin studierte Musik und kam dann zur Architektur, die Liebe gehörte aber dem Swing um Oscar Peterson und dem Jazz.

„Die Klassik war nichts für mich, das hat schon mein Professor erkannt und gesagt – so war es.“ Und so blieb es, denn Joe Pentzlin hat auch heute mit Klassik nichts am Hut, wohl aber mit sauber gespielten Jazzstücken und dem Gefühl für das Feine am Klavier.

Täglich setzt sich der Frühaufsteher in seinen Kellerraum ans Keyboard und spielt. Er übt, er trainiert – mit Blick auf den Heizkessel und seine Vinyl-Plattensammlung, darin auch die eigenen Werke – ob mit oder ohne Gottfried, denn Joe Pentzlin hatte auch vorher beachtliche Erfolge mit seinem Trio und mit Gastmusikern und Sängerinnen.

„Üben, das musst Du einfach täglich tun, aber besser mehrmals zehn Minuten als unter Druck eine Stunde am Stück.“ Den herrlichen Konzertflügel oben im lichtdurchfluteten Wohnzimmer spielt er auch, dann, wenn sein Göttinger Musiker-Kollege Gregor Kilian einmal in der Woche kommt. Dann arbeiten die beiden miteinander, „das macht mir viel Freude“, sagt Joe Pentzlin, der auch sonst noch Unterricht gibt.

Freude, die hat er auch nach wie vor mit Gottfried, dem Piano-Zwilling. Dass sie zusammenfanden wertet Joe als Glücksfall. Und warum passte es so wunderbar? Es sei wie im Fußball: Mit manchem Mitspieler funktioniere es einfach. „Obwohl der meist nicht der beste Freund ist, das ist unerklärlich aber schön.“

Die Auftritte heute sind weniger geworden. Aber es gibt sie noch – und das Publikum ist den Beiden treu geblieben.

Das Duell an zwei Pianos hatte übrigens noch einen Vorteil: Die Gagen waren beachtlich und mussten nur durch Zwei geteilt werden. Joe profitierte von Gottfrieds Namen, auch geschaffen durch die Dauerpräsenz in der Bremer Talk-Show „3 nach 9“, wo Böttger noch heute spielt. Und Gottfried profitierte von den Arrangements und dem Gefühl Joes. Sie sind eben kongeniale Partner.

• Samstag, 30. November, 20 Uhr, Altes Rathaus, Karten: Tourist-Info, Preise: VVK 15,40 Euro, Abendkasse 16 Euro.

Von Thomas Kopietz

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