Zahlreiche Ursachen

Kopfschmerzen nehmen zu: Immer mehr junge Leute leiden

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Kopfschmerz: Immer mehr junge Leute sind davon betroffen. Es gibt vielfältige Behandlungsmöglichkeiten.

Göttingen. Kopfschmerzen sind die häufigste Schmerzerfahrung bei Kindern und Jugendlichen. Knapp 40 Prozent der 12- bis 15-Jährigen brummt laut einer Münchner Studie aus 2013 wöchentlich der Schädel.

Nach einer Befragung des Robert Koch-Institutes unter Schülerinnen und Schülern der 7. Jahrgangsstufe leiden sogar aktuell 73,9 Prozent der Siebtklässler unter Kopfschmerzen.

Im Vergleich zu einer Göttinger Studie aus 2007 leiden also zunehmend mehr Kinder unter Kopfschmerzen – auch jüngere ab sieben Jahren. Schlimmer noch: Der häufige Kopfschmerz im Kindesalter nimmt zu, wie Dr. Dagmar Weise sagt. „Wir müssen Kopfschmerzen ernstnehmen, auch, weil sich dahinter seltene Krankheiten verbergen können“, sagt Weise. Klar ist: „Die Beeinträchtigung der Lebensqualität der Betroffenen wird unterschätzt.“

Zu der Oberärztin am Sozial-Pädiatrischen Zentrum (SPZ) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) kommen Kinder und Jugendliche mit Kopfschmerzen. „Ja, der Kopfschmerz ist häufig“, betonte Weise bei einem Vortrag im Rahmen des PDZ-Tages im Uni-Klinikum.

Dr. Dagmar Weise

Ursachen für Kopfschmerzen gibt es zahlreiche. Mehr Symptome zeigen Kinder, die familiären Konflikten ausgesetzt oder körperlich inaktiv sind – letzteres begründet auch durch hohen Medienkonsum. Ursachen sind auch zu wenig Freizeit als „freie Zeit“ und der regelmäßige Konsum von Kaffee, Nikotin und Alkohol.

Die Folgen des Kopfschmerzes für die Jugendlichen können vielfältig sein. Schulversäumnisse, sozialer Rückzug, Schlafstörungen und Ängste. Und: Das Risiko für chronische Kopfschmerzen wächst, aber auch für andere Schmerzsyndrome.

Zunächst aber stehen Eltern oft vor der Frage: Ab wann ist ein Kopfschmerz keine unbedenkliche, flüchtige Erscheinung, sondern eine Krankheit, die behandelt werden sollte? Auf die leichte Schulter nehmen sollten Eltern Kopfschmerzen jedenfalls nicht, sagt Dagmar Weise. Werden die Schmerzen belastend, dann sollte der Gang zum Kinderarzt erfolgen, oder in das SPZ der Uni-Klinik.

Das Problem: Kinder können ihren Schmerz oft nicht trefflich beschreiben, was das Erkennen zu Hause, und die Diagnose beim Arzt erschwert.

Für den Kopfschmerz von Kindern und Jugendlichen gibt es eine Klassifikation. Die Mediziner unterscheiden nach Primären und Sekundären Kopfschmerzerkrankungen. Letztere sind Folgen von Infekten und Fieber. Primäre sind Migräne, Spannungskopfschmerz und der sogenannte Clusterkopfschmerz.

Spannungskopfschmerz tritt bei 25 Prozent der Fälle auf, ebenso häufig die Migräne. Sie verläuft laut Weise bei Kindern anders als bei Erwachsenen. Die Schübe sind nicht so stark, die Schmerzen nicht so pochend. „Manche erleben das Alice im Wunderland-Phänomen“, beschreibt Weise: „Sie sehen etwas ganz groß oder ganz klein.“ Oder: Alles bewegt sich sehr schnell. „Das dauert meist Minuten und verstört nicht selten die Kinder“, berichtet die UMG-Ärztin.

Weitere Spielarten

Aber es gibt weitere Spielarten der Migräne. Ein häufiges Kennzeichen: Nach dem Schlafen ist das Problem weg.

Die Göttinger Ärztin rät aber durchaus auch zur bildgebenden Diagnose, nicht nur bei Migräne: Manchmal sei das notwendig, um andere Ursachen auszuschließen, oder zu erkennen.

Zur Diagnostik gehört die Anamnese, eine vollständige pädiatrische und neurologische Untersuchung, auch augenärztliche und HNO- sowie zahnärztliche Untersuchung, ein EEG und das Führen eines Kopfschmerzkalenders. Auch ein MRT-Bild kann notwendig werden.

Bei Kopfschmerzen gibt es auf vielfältige Weise Linderung

Bei akuter Migräne hilft beispielsweise: Reizabschirmung, Raum verdunkeln, Pfefferminzöl. Allgemein: Lebenführung mit mehr Trinken, gesunde Ernährung, Schlaf, körperliche Aktivität. Weniger Medienkonsum. Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Biofeedback-Verfahren, Gruppen- oder Internet-basierte Trainingsprogramme. Dazu gehört: www.stopp-den-kopfschmerz.de

Es gibt auch eine medikamentöse Therapie mit Ibuprofen, Paracetamol, ASS (nicht bei kleinen Kindern!) und Metaminzol. Als Prophilaxe bei Migräne hilft Magnesium, Pestwurzextrakt, Propranolol, Topiramat; bei Spannungskopfschmerz auch Amitriptylin. Dosierungen nur über den Arzt! 

Informationen zur Neuropädiatrische Sprechstunde und allen Angeboten im Sozialpädiatrischen Zentrum der Universitätsmedizin Göttingen unter der Rufnummer 0551/39-66210.

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